Brohltal: Attraktive Infrastruktur gegen Landflucht schaffen

50 Jahre Verbandsgemeinde : Attraktive Infrastruktur gegen die Landflucht in Brohltal

Im Jubiläumsjahr will man in der Verbandsgemeinde nicht zurückschauen, sondern nach vorne. Dorferneuerung ist das Oberthema für die 17 Gemeinden zwischen Burgbrohl und Hohenleimbach mit insgesamt 19.000 Einwohnern.

Seit 50 Jahren gibt es die Verbandsgemeinde Brohltal. Mit rund 19.000 Einwohnern ist sie nach Bad Neuenahr-Ahrweiler die zweitgrößte Gebietskörperschaft im Kreis Ahrweiler. Wobei seit 1970 zusammengewachsen ist, was eigentlich nicht zusammengehörte. Denn die Ämter Burgbrohl und Kempenich gehörten bis zur rheinland-pfälzischen Kommunalreform zum Kreis Mayen. Und so hadern zumindest die älteren Nachbarn im Süden heute noch damit, dass der Kreis Ahrweiler ihnen seinerzeit den Laacher See geklaut hat. Für die heutigen Brohltaler Schnee von vorgestern.

Heute besteht die Verbandsgemeinde aus 17 Gemeinden. Doch es waren einmal 19. Denn ursprünglich gehörte auch Ramersbach dazu, und Engeln war selbstständig. Doch Ramersbach wollte 1974 unbedingt zur Kreisstadt. Engeln wurde 1979 nach Kempenich eingemeindet.

Hauptort und damit Verwaltungssitz ist Niederzissen. Dies obwohl es in der Verbandsgemeinde ein Dorf gibt, das Stadtrechte hat. Diese wurden nämlich 1336 Königsfeld verliehen. Doch davon macht der 720-Seelen-Ort seit Langem schon keinen Gebrauch mehr.

Umso mehr Gebrauch machen die Brohltaler von ihrer Sprache, dem Mosel-Fränkischen. Denn das Vinxtbachtal, die einstige Grenze zwischen Nieder- und Obergermanien, ist auch eine Sprachgrenze. Nördlich davon, wie im Ahrtal, ist das rheinisch-ripuarische Kölsch die einzige Sprache, die man auch trinken kann. Der Brohltaler an sich spricht „Eifel“.

Keine zentrale 50-Jahr-Feier

Stolz sind die Brohltaler auf ihre Dörfer. Das machte Bürgermeister Johannes Bell zum Auftakt des Jubliäumsjahres klar. Und auch: „Es wird keine zentrale Jubiläumsfeier geben.“ Vielmehr sollen dezentral die Feste in den 17 Gemeinden unterstützt werden. Und das unter dem Oberthema Dorferneuerung. Denn diese hat sich die Verbandsgemeinde schon seit Jahrzehnten auf die Fahne geschrieben. Bell: „Wir gehörten 1992 unter dem damaligen Bürgermeister Hermann Höfer zu den ersten Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz, die für die Dorferneuerung extra eine Anlaufstelle im Rathaus geschaffen haben.“

Seitdem ist viel geschehen. Vor allem eins: Die Einwohnerzahl wächst und wächst. Um 30 Prozent in 50 Jahren. „Das geht nur, wenn alles stimmt“, sagt Bell. „Die Dörfer müssen attraktiv sein, dann kehrt sich die Landflucht um.“ Wobei für den Bürgermeister Dorferneuerung nicht nur Verschönern bedeutet, sondern auch das Schaffen von Infrastruktur. So zum Beispiel in Wassenach, wo im Rahmen der Dorferneuerung auch ein Dorfladen entstanden ist.

Ein Vorzeigeprojekt: Die Synagoge in Niederzissen

Preisgekröntes Paradebeispiel für die Dorferneuerung ist die ehemalige Synagoge von Niederzissen. Diese wurde vor zehn Jahren von der Gemeinde Niederzissen einem Privatmann abgekauft. Das Gebäude war zuletzt über Jahrzehnte hinweg als Schmiede genutzt worden. An den Gesamtkosten für Ankauf und Sanierung, die mit rund 400.000 Euro veranschlagt waren, beteiligten sich viele Stellen.

So kamen allein 160.000 Euro an Fördermitteln von der Dorferneuerung Rheinland-Pfalz, 75.000 Euro von der Landesdenkmalpflege und 70.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Aber auch der Kultur- und Heimatverein Niederzissen als heutiger Träger brachte sich ein: 30.000 Euro an Eigenleistung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Synagoge ist seit acht Jahren eine überregional bekannte Erinnerungs- und Begegnungsstätte.

International agieren indes etliche Unternehmen des Brohltals. Ob Wolfcraft, Heuft, Akroplast oder Rhodius, die Namen sprechen für sich. Ebenso die Gewerbesteuereinnahmen, die den Vergleich mit der Kreisstadt nicht scheuen müssen. Denn auch die Handwerksbranche boomt.