"Best of Musical&Wine" im Kurhaus: Broadway-Töne zum Ahr-Wein

"Best of Musical&Wine" im Kurhaus : Broadway-Töne zum Ahr-Wein

Janet und Brad wollten eigentlich auf den Rotweinwanderweg. Nach einer Reifenpanne verirrten sie sich aber vor der Kulisse der Ahrberge. "Wo sind wir hier hingeraten?", fragten sie und spürten schon bald die Wirkung des Ahr-Weins: Hemmungen und Hüllen fielen.

Wer Janet und Brad aus der Rocky Horror Picture Show kannte, wusste, dass auch die Australierin Kimberly Trees und der Hamburger Felix Martin nicht mehr im Biedermann-Outfit, sondern bald in Dessous über die Bühne des Kur-theaters tanzen würden.

Genauso war es. Denn zur Show "Best of Musical&Wine" gehörten auch Songs wie "Sweet transvestite" und "Time Warp". Gemeinsam mit den beiden anderen Akteuren, der gebürtigen Niederländerin Maya Hakvoort und dem aus den USA stammenden Kevin Tarte wurde eine perfekte Show serviert.

Die vier Musical-Darsteller und die Band "Apollo 6" mit Musikern des Apollo-Theaters Stuttgart unter Leitung von Bernd Steixner hatten ihr Publikum mit Hits unter anderem aus "Starlight Express", "Elisabeth" und "Les Miserables" bald für sich eingenommen. Weil nicht einfach eine Musical-Gala sondern eine besondere Musical-Reise durch das Ahrtal mit integrierter Weinprobe angekündigt war, gab es zu Beginn der Show einen Secco von der Dagernova, einen Portugieser vom Weingut Peter Lingen in der Pause und einen Blanc de Noir vom veranstaltenden Weingut Sonnenberg zum Ausklang.

Auf der Bühne stand wie ein weiterer Protagonist ein großer gefüllter Rotweinkelch auf einem Stehtisch, an dem die Akteure auch immer mal wieder zugriffen: Besonders Felix Martin tanzte als "Tod" aus "Elisabeth" seinen letzten Tanz mit dem Pokal in der Hand und dezimierte den Inhalt als etwas klamaukiger Elvis gar in kräftigen Zügen.

"Ich glaube, hier trink ich einen, oder?" hatte er seinen Mitstreitern gleich nach dem gemeinsamen Auftaktstück auf der Bühne vorgeschlagen: "That's what friends are for" war eines der Nicht-Musical-Stücke, die vereinzelt im Programm vorkamen. "Wir haben Welthits einbezogen, weil wir uns von anderen Musicalshows abheben wollen", erklärte Gaby Kern, die auch die Idee des Ahrtal-Bezugs und die Regie hatte.

Auch wenn sich der Sinn der Hit-Ergänzung nicht unbedingt erschloss, fanden Tom Jones' "Delilah" (Kevin Tarte) und "We've got tonight" mit Trees und Tarte sowie ein Udo Jürgens-Medley viel Zuspruch. Letzteres gehörte zur Zugabe, die das Publikum stehend einforderte, nachdem "Totale Finsternis" als letztes Stück im regulären Programm "Totale Begeisterung" bei den Fans hervorgerufen hatte.

Eingetaucht waren die Zuschauer am Ende in eine Musicalwelt, die große Gefühlen und witzige Elemente ebenso bereit hielt wie anheimelnde Effekte aus einer Mischung von Bühnennebel, Licht und Projektionen, die ein paar Ahrtal-Ansichten aber vor allem Musical-Szenen zeigten. Verziehen war, dass die Stimmen der Akteure an einigen Stellen angesichts der Lautstärke der ansonsten gut eingespielten und mit auf der Bühne platzierten Band etwas untergingen.

Vergessen waren am Ende aber auch die musikalische Ahrtal-Reise, die im zweiten Teil kaum mehr eine Rolle spielte, und der Bezug zum Wein, auch wenn dieser selbstredend weiterhin ausgeschenkt wurde. Mit 680 Zuschauern war der Premieren-Samstag von "Best of Musical&Wine" fast ausverkauft. Für den kurzfristig gestrichenen Sonntag waren indes nur 90 Karten im Vorverkauf weggegangen, und das meist an Auswärtige.