Forstwirtschaft an Ahr: Borkenkäfer frisst den Gewinn in der Grafschaft auf

Forstwirtschaft an Ahr : Borkenkäfer frisst den Gewinn in der Grafschaft auf

Einstimmig befürwortete der Grafschafter Umweltausschuss den Forstwirtschaftsplan 2020, der anders als in den Vorjahren mit einem kräftigen Minus in Höhe von 77 000 Euro abschließt. Grund dafür ist der enorme Borkenkäferbefall, der sich negativ auf das Betriebsergebnis auswirkt, erklärte Revierförster Guido Ebach.

So habe man 60 000 Euro für Waldbegründung und weitere 15 000 Euro für die Waldpflege einstellen müssen, um die abgeholzten Flächen wieder aufforsten zu können.

Zum Vergleich: im Vorjahr hatte man für diese beiden Posten insgesamt nur 3600 Euro ausgegeben. Darüber hinaus seien auch noch Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss in Höhe von mehr als 3000 Euro notwendig, um die neu angepflanzten Bäumchen vor dem hungrigen Rehwild zu schützen.

„Wir werden nicht wie in all den Jahren zuvor mit einer schwarzen Null über die Runden kommen“, machte er den Ausschussmitgliedern klar. Infolge der europaweiten Borkenkäferplage gebe es ein enormes Überangebot an Holz, weshalb die Preise in den Keller gegangen sein. Dabei habe man noch das Glück, einen Holzhändler an der Hand zu haben, der das Fichtenholz aus der Grafschaft nach China exportiere. Das sei zwar ökologisch fragwürdig, aber immerhin kein kompletter Unsinn, weil die Schiffsrümpfe ansonsten mit Meerwasser gefüllt werden müssten für die Rückfahrt der leeren Schiffe von Europa nach China. Dadurch sei der Holzverkauf derzeit noch stabil, das könne sich aber schon in der nächsten Woche ändern, eine verlässliche Prognose hinsichtlich des Holzmarktes könne niemand abgeben.

Fichte soll ersetzt werden

Ohnehin solle bei der Wiederanpflanzung die Fichte durch Laubbäume ersetzt werden, denn die Fichte habe im hiesigen Raum keine Zukunft mehr. Doch auch da gebe es Probleme, weil die Baumschulen derzeit nicht in der Lage seien, die große Nachfrage nach jungen Pflanzen zu befriedigen. Deshalb habe man 60 000 Euro dafür eingestellt, um reagieren zu können, wenn doch mal etwas auf dem Markt sei. Erfreulicherweise gebe es für Neuanpflanzungen Zuschüsse vom Land, allerdings mit einem Pferdefuß: Wenn nämlich die Pflanzen nicht anwachsen, müssten die Zuschüsse zurückgezahlt werden. Und da gebe es eine Reihe von Faktoren, wie etwa das Wetter und den Wildverbiss, die den Förstern einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Einem Antrag der Grünen, für Anpflanzungen zusätzlich 50 000 Euro jährlich im Etat einzustellen, erteilte Ebach eine Absage. Damit, so hatte Mathias Heeb (Grüne) argumentiert, könne man auch die Wichtigkeit des Waldes im Hinblick auf den Klimaschutz unterstreichen. „Ich freue mich, wenn mal jemand Geld für den Wald ausgeben will“, schmunzelte der Revierförster. Aber ein Haushaltsplan müsse konkret sein und konkrete Ausgaben benennen.

Regelung zur Fällung von Bäumen

Nicht zur Abstimmung kam ein Vorstoß der Grünen, die Verfahrensweise bei Fällungen von Bäumen in den Ortslagen zu ändern. Ursprünglich sollte eine Baumschutzsatzung beschlossen werden, doch davon hatten sich die Grünen verabschiedet und dafür die Änderung der „Richtlinie zur Verfahrensweise bei Anträgen auf Entfernung und Ersatzverpflanzung von gemeindlichen Bäumen innerhalb geschlossener Ortslagen“ vorgeschlagen. Nicht mehr wie bisher der Ortsbeirat und der Ortsvorsteher sollten mit der Baumkommission über das Schicksal von Straßenbäumen beschließen, sondern der Bürgermeister. Nur in strittigen Fällen sollte der Rat das letzte Wort haben.

Günter Bach (SPD) fand den Antrag gut, denn bislang sei das Verfahren kompliziert und der Ortsvorsteher oft überfordert, weil die Anlieger ihn mitunter massiv bedrängten, einen störenden Baum zu fällen. Auch Reinhold Hermann (FWG) bedauerte, dass in der Vergangenheit auch gesunde Bäume gefällt worden seien – aus Gefälligkeit gegenüber den Anwohnern. Margret Nelles-Lawnik (CDU) entgegnete, dass viele Bäume leider auch einfach an der falschen Stelle gestanden hätten.