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Abstand statt Gedränge: So läuft der Ahrweiler Wochenmarkt in Corona-Zeiten

Abstand statt Gedränge : So läuft der Ahrweiler Wochenmarkt in Corona-Zeiten

Das sonst übliche Gedränge auf dem Ahrweiler Wochenmarkt war diesmal tabu. In der Corona-Krise müssen die Händler Hygienevorschriften genau beachten und zum Abstandhalten dienen Transportkisten und Warentische.

Wochenmärkte sind auch in der Corona-Krise erlaubt. So ging denn auch am Freitagmorgen das Markttreiben in Ahrweiler vor der Laurentius-Kirche über die Bühne. Und dies trotz der Krise fast normal.

Was jedoch auffiel: Das sonst übliche Gedränge war tabu. Dafür hatten die Händler gesorgt. Setzte die Fischhändlerin aus Erftstadt auf rote Kisten als Kundentrenner, waren es beim Obst- und Gemüsehandel improvisierte Warentische mit Äpfeln oder beim Geflügelhändler weiß-rote Pylonen, wie sie sonst eher auf Autobahnen zu finden sind.

Ziemlich geregelte Bahnen also, in die kein Ordnungsamt einschreiten musste. Sogar am Brotstand, der jeden Freitag aus Mayen anreist und der auf Markierungen verzichtet hatte, hielten die Kunden freiwillig gute drei Meter Abstand.

Und der Andrang? „Ich spüre keinen Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten“, sagt Hans-Josef Bäumchen aus Sinzig, der seine Honigprodukte vor dem Weinbrunnen-Pavillon feilhält. Angst? „Nein, warum auch“, sagt der graubärtige Händler, der auch als Alt-Rocker durchgehen würde. Er hat hölzerne Weinkisten vor seinem Stand als „Kundenleitsystem“ postiert und meint: „Hier sind mindestens zwei Meter Abstand, das müsste reichen.“ Und wenn nicht? „Abends ein Glas Whisky zum Vorbeugen, kann ja auch nicht schaden“, so der Markthändler, der sich wie seine Kollegen die Stimmung nicht vermiesen lassen will.

Beeindruckt zeigen sich etliche Marktbesucher von der Konstruktion am Käsestand aus den Niederlanden. Dort schützt eine dicke Folie mit nur zwei Öffnungen als Durchreiche Händler, Kunden und auch Waren. Dies mit dem Hinweis auf Hygienemaßnahmen und dem Zusatz auf einem Schild: „Wir bedienen Sie gerne und freundlich.“

Freundlich ging es auf dem Markt auch trotz Krise zu. Nur das übliche Zusammenstehen und der damit verbundene Altstadt-Klaaf fehlte etwas. „Ist ja auch verboten“, sagte Rentner Erich Nagel aus Ahrweiler. Für ihn gehört der Marktbesuch zum Freitagsalltag. „Wenn sich alle an die Vorschriften halten, geht das doch in Ordnung. Nur denjenigen, die einfach machen, was sie wollen, und keine Regeln kennen, denen sollte man richtig einheizen“, findet der ehemalige Chef des kreis­städtischen Gärtnerhofes.

Und findet Zustimmung: „Auf dem Wochenmarkt fühle ich mich sicherer als im Supermarkt“, sagte Marianne Koll. „Den zu besuchen, hat mir meine Tochter abgeraten. Hier sind keine engen Gänge. Und außerdem gibt’s frische Luft.“

Derweil warten die Kunden geduldig, ohne dass sich Schlangen bilden an Kassen, in denen man im Supermarkt nur durch den Einkaufswagen vom nächsten Käufer getrennt ist. Alles zeigt sich irgendwie locker und dennoch diszipliniert.

Und so funktioniert es auch in der Apotheke, keine 20 Meter vom Blumenstand entfernt. Dort weist schon vor dem Eingang ein Plakat darauf hin, dass „Masken und Desinfektionsmittel“ aktuell ausverkauft sind. Und ein weiteres fordert dazu auf, dass immer nur ein Kunde eintreten soll. „Kein Problem“, findet ein Kunde und wartet geduldig, bis die Seniorin vor ihm auch noch den kleinen Plausch mit der Apothekerin beendet hat.

Denn im Gegensatz zum Betrieb vor den Discountern, wo mittlerweile Security für kontaktreduzierende Maßnahmen sorgt, scheint sich das Leben in der Ahrweiler Altstadt entschleunigt zu haben.

Denn so mancher Kunde findet nach dem Einkauf auch noch die Zeit, mal gerade durch das Nordtörchen in die Pfarrkirche Sankt Laurentius zu gehen. Was dem einen sein Whisky, ist eben des anderen kleines Stoßgebet.