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Interview mit Stephan Maria Glöckner: Der Tod ist Teil unseres Lebens

Interview mit Künstler und Musiker aus dem Ahrtal : Stephan Maria Glöckner: Der Tod ist Teil unseres Lebens

Der Künstler und Musiker Stephan Maria Glöckner aus dem Ahrtal engagiert sich als Botschafter der Hospiz-Stiftung Rhein-Ahr-Eifel. Im Interview spricht er über seinen ganz persönlichen Bezug zu Themen wie Sterben und Tod.

Schon lange unterstützt er die Hospizbewegung im Kreis Ahrweiler. In besonderer Weise tut Stephan Maria Glöckner das aber in diesem Jahr. Der 58-jährige Diplom-Grafiker, Künstler und Musiker aus dem Ahrtal ist der erste Botschafter der Hospiz-Stiftung Rhein-Ahr-Eifel. Für diese und damit auch für die Arbeit in der Begleitung Schwerkranker und Sterbender sowie mit Trauernden gibt er am Freitag, 27. März, ab 18 Uhr im „Weinstein“ Bad Neuenahr, Kreuzstraße 8b, ein spezielles Konzert. Im Interview gibt er Auskunft über sein Engagement und seinen ganz persönliches Bezug zu Themen wie Sterben und Tod.

Sie engagieren sich als Botschafter in der Hospiz-Stiftung Rhein Ahr Eifel. Aus welchem Grund?

Stephan Maria Glöckner: Ich bin Ende fünfzig und habe längst drei meiner besten Freunde verloren. Darüber hinaus wächst die Zahl der Bekannten, die gehen müssen, ständig. Diese Erlebnisse haben mir klar gemacht, wie präsent und plötzlich der Tod einen konfrontieren kann und wie wichtig ein würdiges Lebensende ist. Die Hospiz-Stiftung stellt für letzteres die notwendigen Grundlagen bereit.

Wann sind Sie das erste Mal auf die Hospizbewegung gestoßen?

Glöckner: Meine Agentur hat den Hospiz-Verein Rhein-Ahr schon früh grafisch unterstützt und in der Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Da beschäftigst du dich ganz automatisch mit dem, was dahinter steckt. Später durfte ich in den Räumen des Hospiz’ im Ahrtal meine Kunst ausstellen. Speziell die inhaltlich und grafisch profunde Arbeit mit Wort und Schrift fand dort großen Anklang.

Haben Sie keine Berührungsängste mit den Themen Lebensende und Tod?

Glöckner: Nein. Ich finde das Thema hinsichtlich seiner spirituellen Komponente sehr spannend. Der Tod ist Teil unseres Lebens. Wir können noch so viel forschen und uns medizinisch weiter entwickeln; so schnell werden wir das Sterben nicht abschaffen. Ich bin katholisch erzogen worden und habe mich bereits als Kind gedanklich mit dem Thema auseinandergesetzt: Wo kommen wir her? Warum haben wir Bewusstsein und wo gehen wir hin? Heute fasziniert mich diese Materie nicht nur unter religiösen, sondern auch unter philosophischen Gesichtspunkten.

Was bedeutet das?

Glöckner: Wir leben, als gäbe es keinen Tod, obwohl wir wissen, dass wir unvermeidbar darauf zusteuern. Was fühlt man, wenn man weiß, dass es bald soweit ist? Wie kann man die Menschen trösten und begleiten, bei denen der Tod unvorhergesehen anklopft? Und was macht es mit uns selbst? Das alles ist in meinen Augen nicht dramatisch, wenn man lernt, zu akzeptieren, dass nicht nur Freude, sondern auch Leid zum Leben gehören. Ein todkranker Freund sagte mal zu mir: Der Unterschied zwischen dir und mir ist, dass ich über ein prognostiziertes Datum verfüge.

Sie sind Künstler und Musiker. Ist der Tod für Sie bei dieser Arbeit ein Thema?

Glöckner: Auf jeden Fall. Das Werden und Vergehen ist der Urprozess, in den wir alle fest eingebunden sind. Das versuche ich immer mal wieder in Texten oder auch in bildgebenden Stilen zu verarbeiten. Ich sage gerne ‚Das Leben dauert zwei Tage, einer war gestern‘. Wir müssen uns einfach bewusst machen, dass unser Dasein eine Leihgabe ist, die wir mit ganzer Hingabe annehmen dürfen, aber auch irgendwann wieder abgeben müssen. Wie sagte Woody Allen einmal so treffend: Vor dem Tod habe ich keine Angst, aber beim Sterben möchte ich nicht dabei sein.

Machen Sie sich Gedanken über Ihr eigenes Lebensende?

Glöckner: Natürlich. Und wie wohl fast alle Menschen wünsche ich mir, dass es noch dauert und dann schnell und schmerzlos geht. Aber das ist ein frommer Wunsch, den man nur bedingt beeinflussen kann. Wenn es anders kommt, braucht man Kraft und Zuversicht und kann froh sein, dass es bei Bedarf die Möglichkeiten hospizlicher Begleitung gibt.

Was werden Sie in dem Jahr, in dem Sie als Stiftungsbotschafter fungieren, tun?

Glöckner: Ich werde mit Menschen darüber sprechen, ich werde bei meinen künstlerischen Tätigkeiten auf die Stiftung aufmerksam machen und ich werde die Stiftung und den Verein mit meinen Möglichkeiten unterstützen.