Bewegende Schicksale hinter den Zahlen : Hospiz-Verein Rhein-Ahr feiert Neujahrsempfang

Bewegende Worte wurden beim Neujahrsempfang des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr gesprochen. „Es ist wichtig, dass es die Hospizbewegung gibt, die sagt: Sterben und Tod gehören zum Leben“, sagte etwa Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell.

Die Zahlen haben für eine wieder erfolgreiche Arbeit gesprochen. Die feuchten Augen beim Neujahrsempfang des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr galten entsprechend auch nicht der Vorjahresbilanz, sondern den Schicksalen hinter den Zahlen. Gerührt war nicht nur Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell, der die zahlreichen Gäste zum Auftakt des Jahres des 50. Geburtstags der Verbandsgemeinde im frisch renovierten Wappensaal willkommen hieß und die wertvolle Arbeit des Hospiz-Vereins würdigte: „Es ist wichtig, dass es die Hospizbewegung gibt, die sagt: Sterben und Tod gehören zum Leben.“

Auch die monatlichen Sprechstunden des Vereins im Niederzissener Rathaus würden gut angenommen. Bell bekannte, auch ganz persönlich durch seinen im stationären Hospiz im Ahrtal verstorbenen Schwager die Arbeit des Hospiz-Vereins kennen gelernt zu haben: Haupt- und Ehrenamtliche machten „eine so liebevolle, würdevolle und sorgenvolle Arbeit, man fühlt sich in sehr schwierigen Stunden angenommen und aufgenommen“.

Ebenfalls bewegt waren die Zuhörer, als Yasmin Brost, Hospiz- und Pflegedienstleitung des Hospizes in Bad Neuenahr-Ahrweiler, aus dem Brief einer Angehörigen las, deren Mutter im vergangenen Jahr gestorben war. Ihre Worte zeugten von anfänglicher Unsicherheit und letztlich großer Dankbarkeit für das, was die Mitarbeiter dort seit fünf Jahren leisten. 120 Gäste mit ihren Angehörigen habe das Team des stationären Hospizes inklusive der 21 Pflegekräfte und 15 Ehrenamtlichen im Jahr 2019 begleitet. „Die durchschnittliche Bettenauslastung von 97,7 Prozent ist die höchste Auslastung, seit es das Haus gibt“, sagte Brost.

Dazu kommen die 375 Menschen, die der Hospiz-Verein Rhein-Ahr im vergangenen Jahr im ganzen Kreis Ahrweiler ambulant begleitet habe, führte Vorsitzende Ulrike Dobrowolny aus. Diese seien hauptamtlich von den sechs Palliativ-Care-Schwestern beraten und begleitet und von den 80 ausgebildeten ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern unterstützt worden. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter bringen Zeit mit, um vielleicht letzte Wünsche zu erfüllen. Vielleicht aber auch, um als Außenstehende auch das eine oder andere Gespräch zu führen oder auch nur zuzuhören“, erklärte Dobrowolny.

Überdies sei die Arbeit des Vereins im vergangenen Jahr über die Eins-zu-eins-Betreuung hinausgewachsen: „Seit Beginn 2019 hat der Hospiz-Verein in der Umsetzung der Charta für Schwerstkranke und sterbende Menschen die Kooperation mit Altenpflegeeinrichtungen, Sozialstationen, ambulanten Pflegediensten und Krankenhäusern strukturell in den Blick genommen. Statt beispielsweise einer Schwester, die mit einem Mitarbeiter einer Einrichtung spreche, sei so auch mehr Unterstützung für ganze Einrichtung möglich, „weil wir das Gefühl haben, den Bedarf kaum decken zu können“.

Trauerbegleitung in der Region

Aus dieser Kooperation sei auch das Angebot einer Basisqualifikation in palliativer Praxis für Mitarbeiter derartiger Einrichtungen und Dienste im Kreis Ahrweiler hervorgegangen. Die beiden für dieses Jahr schon ausgebuchten Kurse würden ebenso aus Spendeneinnahmen finanziert wie die Angebote der Trauerbegleitung des Vereins.

„Warum machen wir das alles“, fragte Dobrowolny und sagte als Antwort unter anderem: „Wenn der Tod so als Teil des Lebens angenommen und akzeptiert werden kann, als Naturgesetz, verliert er seine Bedrohung. Vergänglichkeit ist dann die Grundlage des Lebens und das gegenwärtige Leben kann als kostbares Gut bewusst gelebt und wertgeschätzt werden. Auch der Landtagsabgeordnete Guido Ernst drückte seine Wertschätzung für den Hospiz-Verein aus, „als Landespolitiker, aber vor allem als Mensch“.