Schule in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Erinnerung an den Kampf ums Are-Gymnasium

Schule in Bad Neuenahr-Ahrweiler : Erinnerung an den Kampf ums Are-Gymnasium

Vor 30 Jahren drohte dem Bad Neuenahrer Are-Gymnasium das Aus. Heute ist es eine Vorzeigeschule des Landes Rheinland-Pfalz. Eine Ausstellung mit Originaldokumenten erinnert an den Kampf um den Schulerhalt.

Pläne hatte es schon vorher gegeben. Dennoch war der Schock groß, als am 8. Februar 1989 die damals noch bestehende Bezirksregierung Koblenz eine „Organisationsverfügung“ erließ, in der das Are-Gymnasium Bad Neuenahr mit Ablauf des Schuljahres 1988/89 aufgehoben werden sollte. „Die Schüler des Are Gymnasiums werden – unbeschadet der Möglichkeit einer Anmeldung zu anderen Gymnasien – ab dem Schuljahr 1989/90 dem Staatlichen Peter-Joerres-Gymnasium in Ahrweiler zugeordnet“, hieß es lapidar in der Verfügung, die Lehrer, Eltern, Schüler und die damalige Schulleitung unter Oberstudiendirektor Dieter Valnion gleichermaßen vor den Kopf schlug.

Mit dem, was dann folgte, hatte die Landesregierung nicht gerechnet. Der Kampf ums Are begann. Mit im Boot: Landrat Egon Plümer. Bürgermeister Rudolf Welken und als Motoren des Widerstandes der damalige Elternsprecher Ulrich Bauer und sein Schülersprecherkollege Franz-Josef Gemein.

All das ist 30 Jahre her. Das Are gibt es noch immer. Und so können sich die 880 Schüler seit Donnertag in einer Ausstellung mit Originaldokumenten darüber informieren, wie die Schüler, die heute auf die 50 zugehen, es mit ihren Eltern damals der hohen Politik des CDU-geführten Landes Rheinland-Pfalz gezeigt haben. „Das war ganz viel Zivilcourage“, sagte der aktuelle Are-Chef, Heribert Schieler, bei der Eröffnung der Ausstellung dem General-Anzeiger.

Und wies nicht ohne Stolz darauf hin, dass seine Schule 2008 zu den ersten G8-Ganztagsgymnasien im Land gehörte und heute noch als Vorzeigeschule gilt. Auch darauf, dass vor 30 Jahren wohl niemand gehofft hatte, für die Ganztagsschule für mehr als zehn Millionen Euro einen Neubau samt Mensa zu bekommen. Die Zeiten haben sich geändert. Damals gingen die Schüler für ihre Schule vor dem Kreishaus und in Mainz auf die Straße, angeführt von Franz-Josef Gemein. Heute kämpfen die Areaner bei „Fridays for Future“ mit. Auch mit einer eigenen Demo in der Kreisstadt, für die es Rückhalt von Elternschaft und Schulleitung gab(der GA berichtete).

Doch zurück zum Kampf ums Are. Der Protest gegen die Schließung schien zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Denn die Klage von Elternvertretern vor dem Verwaltungsgericht Koblenz ging am 13. Juni 1989 erstinstanzlich verloren. Die Bezirksregierung habe ihr Ermessen korrekt ausgeübt, urteilten die Koblenzer Richter. Damit schien das Aus für das Are-Gymnasium besiegelt.

Dennoch gaben die Gegner der Schließung nicht auf. Sie sammelten Geld, engagierten eine auf Verwaltungsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei und zogen vor das Oberverwaltungsgericht in Mainz, das ihrer Klage schließlich mit Urteil vom 9. August 1989 (Az.: 7 B 41/89) stattgab. Und damit den ursprünglichen Status des Are-Gymnasiums wiederherstellte. „Ich bin wieder Schulleiter“, kommentierte Dieter Valnion das Urteil damals mit trockenem Humor.

30 Jahre später strahlte er mit seinem damaligen Elternsprecher Ulrich Bauer bei der Ausstellungseröffnung um die Wette. Denn aus der einst zu schließenden Bildungseinrichtung wurde eine modern ausgestattete und international vernetzte Ganztagsschule. „Diese würde es ohne den Einsatz der damaligen Eltern nicht geben“, sagte Schieler. Auch nicht den von Ulrich Bauer gestifteten Ehrenpreis, der Jahr für Jahr an besonders sozial engagierte Abiturienten verliehen wird. Denn diese Abiturienten hätte es dann ja am Are gar nicht gegeben.

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