Hochwasserschutz: Bad Neuenahr-Ahrweiler wappnet sich gegen Wetterextreme

Hochwasserschutz : Bad Neuenahr-Ahrweiler wappnet sich gegen Wetterextreme

Gemeinsam mit Bürgern arbeitet Bad Neuenahr-Ahrweiler an einem Hochwasserschutzkonzept. Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft häufiger zu extremen Wetterlagen kommt.

Extreme Wetterlagen mit Starkregen, Hochwasser und Zerstörungen häufen sich. Sintflutartige Regenfälle mit teilweise 150 Litern Niederschlag pro Quadratmeter stürzten beispielsweise vor zwei Jahren auf die Region hinab. In Altenahr mussten Menschen mit Hubschraubern evakuiert werden, da Ortsteile überflutet waren, in Leimersdorf wurden ein Haus und eine Brücke hinweggespült, in Nierendorf herrschte Ausnahmezustand, nachdem ein kleiner durch den Ort fließender Bach zum reißenden Ungetüm geworden war und das halbe Dorf verwüstete. Mit örtlichen Hochwasserschutzkonzepten will man den Naturgewalten besser begegnen können. So auch in der Kreisstadt.

Beim Juni-Unwetter 2016 gab es dort Schäden in Millionenhöhe, nachdem das Regenrückhaltebecken in Nierendorf überflutet war und das Regenwasser unkontrolliert in Richtung Gimmigen floss. 70 Häuser wurden in Mitleidenschaft gezogen, rechnete Beigeordneter Peter Krämer vor, der im Rathaus zu einer Auftaktveranstaltung eingeladen hatte, in der Präventionsmaßnahmen vorgestellt wurden. In sieben Stadtteilveranstaltungen will die Verwaltung mit aktiver Hilfe der Bürger und deren Vor-Ort-Wissen Hochwasser-Schwachstellen ausfindig machen und – sofern möglich – beseitigen. Vor allem, so Krämer, gelte es, das Risikobewusstsein zu schärfen.

Mit Hilfe eines Hochwasserschutzkonzeptes soll ein Beitrag geleistet werden, um wirkungsvolle und wirtschaftlich vertretbare Schutzmaßnahmen zu entwickeln, die nach und nach in allen Ortsteilen umgesetzt werden sollen. Dabei soll die eigenverantwortliche Gefahrenabwehr durch jeden einzelnen Bürger besonderes Gewicht bekommen.

"Hochwasserschutz ist eine gemeinsame Aufgabe"

Ralf Schernikau vom Mainzer Umweltministerium zeigte im Rathaus eindrucksvoll auf, welche Auswirkungen der Klimawandel für die Region hat: Temperaturanstiege von bis zu vier Grad seit dem Jahre 1971, höhere Verdunstungen, mehr Hitzewellen, häufigere Trockenperioden. „Starkniederschlag wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft häufiger und intensiver geben“, sagte der Ministeriumsvertreter.

Mit der Schaffung von mehr Retentionsflächen, breiteren Kanälen, dem Bau von Regenrückhaltebecken, Abflussmöglichkeiten in Feld und Flur oder auch der Befreiung von Flüssen und Bächen von Strömungshindernissen sind die Kommunen an der Ahr oder auch in der Grafschaft alles andere als untätig. Jedoch müssen auch Bürger ihren Teil beisteuern. „Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Betroffenen, Kommunen und dem Staat“, sagte Schernikau.

Mit Hilfe von Ingenieuren und den Fachbehörden des Landes will die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Vorsorge treffen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die Bürger sind dazu aufgerufen, ihr jeweiliges unmittelbares Umfeld in zumutbarer Weise so zu gestalten, dass Schäden zumindest minimiert werden. „Vielfach sind es nur Kleinigkeiten, die schon Schlimmeres verhindern helfen“, meinte der Tiefbauchef im Bad Neuenahrer Rathaus, Jens Heckenbach.

In den nächsten Wochen wird es in allen Ortsteilen Informationsveranstaltungen geben, die jeweils angekündigt werden.

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