Am Martinstag gestalten die Junggesellenvereine Bilder aus Pechfackeln

Am Martinstag : Junggesellenvereine erinnern an Ahrweiler Stadtbrand von 1689

Am Martinstag in Ahrweiler siegt die Oberhut mit ihrem Schaubild, die Niederhut mit dem Feuer.

Einen Luftsprung vor Freude hat Dechant Jörg Meyrer gemacht, als er gesehen hat, was die Junggesellen der vier Huten in flammenden Lettern in die Nacht schrieben. Gleich zwei von ihnen huldigten beim Ahrweiler Martinsbrauchtum dem Jubiläum der Pfarrkirche.

Den Titel des Schaubildmeisters sicherten sich letztlich dann aber nicht die Adenbachhut mit ihrem Schriftzug „750 Jahre im Herzen der Stadt“ neben den Konturen der Laurentiuskirche oder die Ahrhut mit „750 Jahre St. Laurentius im Herzen unserer Stadt“ samt Heiligem Laurentius auf der Kirche, sondern die Oberhut. „Oos Stadt wie Phönix ous de Ösch. Ahrweiler Stadtbrand von 1689“ loderte da im Dunkel der Weinberge neben den Umrisse der Stadt auf, aus der deutlich sichtbar die Flammen schlugen.

Fast gestochen scharf war auch das Schaubild der Niederhut mit Grundgesetz, Bundesadler und einstürzender Mauer: „30 Jahre Mauerfall. 70 Jahre in Demokratie und Frieden“.

Sie hätten sich bewusst für dieses überregionale Thema entschieden, weil es prägend für die ganze Gesellschaft gewesen sei und alle angehe, sagte der „Niddehöde“ Christoph Hecker. Auch seine Mitstreiter und er hatten einen Sieg zu feiern: Die Junggesellen der Niederhut um Schultes Fynn Terporten erhielten den Silberteller von Ortsvorsteher Peter Krämer für ihr Feuer. Dieses war nach Meinung der Jury bestehend aus Klaus Mührel, Leiter der Aloisiusschule und Martinsausschussvorsitzender, dem Schulelternbeiratsvorsitzenden der Aloisiusschule, Werner Gies, und Ahrweilers Ortsvorsteher Peter Krämer in Vertretung des Bürgermeisters sowie je einem Vertreter der vier Huten sowie der Junggesellenvereine am schönsten mindestens zehn Minuten „ordentlich“ als gleichbleibende Säule und „ohne schwarze Löcher“ abgebrannt.

Zweiter, sowohl beim Schaubild als auch beim Feuer, wurde wie in den beiden Vorjahren die Ahrhut, deren Junggesellen besonders stolz waren, weil ihr rund 22 Meter hohes Kirchen-Bild, obwohl es halb im Weinberg lag und halb steht „ohne Knick“ erschien.

1500 Fackelpunkte hatte nach Angaben von Schultes Lars Angsten das von Christopher Krah entworfene Schaubild der Oberhut aufzuweisen, das die Jury in Sachen Idee, Originalität, Heimatbezug sowie Lesbarkeit und Leuchtkraft überzeugte. „Und fast 300 Schanzen haben wir gebunden“, sagte er, bevor er die von Dechant Jörg Meyrer gestifteten Kupferplakette in die Luft streckte.

„Ein starkes Thema, das wir auch dank der starken Hilfe von vielen Ehemaligen umgesetzt haben“, freute sich zudem der „Ovvehöde“ Justin Büch. 16 Jahre habe die Oberhut den Schaubild-Titel nicht erhalten. Umso ausgelassener feierte sie.

„Die Entscheidung war ganz, ganz knapp“, sagte Klaus Mührel, Leiter der Aloisiusschule, als Martinsausschussvorsitzender bei der Verkündigung des Ergebnisses am Ahrweiler Marktplatz. Dort gab es bei der Siegerehrung kein Halten mehr. Aus einer Konfettikanone regnete es rote Herzen, und die Mitglieder der siegreichen Huten lagen sich in den Armen. „Feuermeister“ oder „Schaubildmeister“ skandierten sie und trugen ihren Schultes respektive die verantwortlichen Feuerbauer und Schaubildzeichner auf den Schultern. Und die vielen Schaulustigen, Einheimische wie Touristen, jubelten mit den Junggesellen. Besonders auf der Ahrtorbrücke hatten sie sich Stunden zuvor versammelt, um bei besten Bedingungen – ohne Wind und Regen – den besten Blick auf den Feuerzauber in den Wingerten rund um die Altstadt zu haben und das selbst von den Volkskundlern vom Amt für Rheinische Landeskunde in Bonn als schützenswert anerkannte Ahrweiler Martinsbrauchtum zu genießen.

Selbstredend gehört auch ein Martinsumzug dazu. Den hatte Willi Busch als Sankt Martin hoch zu Ross durch die Ahrweiler Straßen angeführt. „Da kann sich Norddeutschland eine Scheibe abschneiden“, staunte eine Zuschauerin über den langen Martinszug und die vielen Kinder mit fantasiereichen Fackeln. Ganz vorne liefen die Kinder mit, die dank eines wiederbelebten Brauchs des Heimatvereins Alt-Ahrweiler Knollenfackeln aus Runkelrüben gefertigt hatten: Räuber Hotzenplotz mit rot glühenden Augen, eine Elfe mit zarten Flügeln, einen Römer mit Brustpanzer, eine „kleine Altstadt-Feldermaus“ und Knollen mit Strohhut, Blumenkette oder Totenkopfkleid und oft mit vielen kleinen Lichtern.

„Im Jahr 2004 sind es fünf und diesmal 42 Fackeln gewesen“ berichteten der Vereinsvorsitzende Hans-Georg Klein und Chef-Koordinator der Fackelbastelaktion, Rainer Sturm. Als eines der besten Beispiele in Sachen Leuchtkraft, Gestaltung, Idee und Ausführung wertete die Jury die Eule, die Aloisiusschülerin Valerie Haid (Klasse 2d) geschnitzt hatte. Dafür erhielt sie den großen Pokal des Martinsausschusses.

Den großen Pokal des Ahrweiler Ortsvorstehers überreichte Peter Krämer an Levin Leyk (2a) für dessen Bacchus samt Weinpokal und Fass. Die vier Pokale der Huten gingen an Malte Pütz (2a), Jule Schüler (2b), Claire Iltis (4b) und Lenja Esser (4a). Aber auch alle anderen Kinder bekamen eine Medaille.

Mit den traditionellen Martinswecken, die es ja auch noch gegeben hatte, gingen sie dann vielfältig bedacht nach Hause.

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