Tourismus in Bad Neuenahr: Ahr-Thermen rutschen tiefer ins Minus

Tourismus in Bad Neuenahr : Ahr-Thermen rutschen tiefer ins Minus

Insgesamt verzeichnen die Betreiber der Ahr-Thermen weniger Besucher als im Vorjahr. Die höheren Eintrittspreise können das Defizit nicht abfangen.

Als die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler vor fünf Jahren die Ahr-Thermen von der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr abkauften, zeigte man sich noch hoffnungsfroh, dass der Defizitbetrieb zum einen nach wenigen Jahren privatisiert, zum anderen, das alljährliche Minus eingedämmt werden kann. An einer Privatisierung wird nach Auskunft von Bürgermeister Guido Orthen nach wie vor gearbeitet. Der von der Stadt zu erbringende Zuschuss zur Abdeckung des Fehlbetrages wird jedoch immer größer. Diesmal sind es 633.000 Euro, die vom Steuerzahler aufzubringen sind.

Das Defizit der Betreibergesellschaft, der hundertprozentigen Stadttochter „Ahr-Thermen GmbH“, lag im Jahre 2014 noch bei rund 490.000 Euro, 2015 bei 535.000 Euro, 2016 bei 590.000 Euro, 2017 bei 628.000 Euro und nun – trotz vorgenommener Eintrittspreiserhöhungen – bei rund 633.000 Euro. Der Haupt- und Finanzausschuss nahm die Jahresrechnung für 2018 lediglich zur Kenntnis. Diskussionen ob der Zahlen gab es nicht.

152.528 Gäste, so teilte Thermen-Geschäftsführer Maternus Fiedler mit, hatten in 2018 das Bad besucht. Das sind 9500 weniger als im Jahr zuvor. Das Minus von sechs Prozent beim Besucheraufkommen erklärte Fiedler mit einer „Grippe- und Kältewelle“ im ersten Quartal. „Es ist erstaunlich, wie abhängig wir von äußeren Einflüssen sind“, so der Badmanager. Auch habe die alljährlich stattfindende „Grundreinigung“ länger gedauert und mehrere Schließungstage in Anspruch genommen.

Pro Tag seien 433 Besucher in die Ahr-Thermen gekommen, im Jahr zuvor waren es noch 453. Die Umsatzerlöse habe man indes dank einer moderaten Erhöhung der Eintrittspreise steigern können. Der Pro-Kopf-Umsatz habe bei 16,46 Euro gelegen – knapp einen Euro mehr als im Jahre 2017. Zum 1. April des laufenden Jahres haben die Thermen ihre Eintrittspreise übrigens noch einmal „angepasst“. Angegebener Grund: gestiegene Strom- und Gaskosten.

Bisher erfreuliche Zahlen in 2019

Besonders unerfreulich aus städtischer Sicht: das Stammkapital ist unter Berücksichtigung der bisherigen Kapitalzufuhr durch den Gesellschafter – also die Stadt – von rund 2,11 Million Euro, den Verlustvorträgen von 2,23 Millionen und des neuerlichen Fehlbetrages von 633 000 Euro, zu mehr als der Hälfte verbraucht. Fiedler: „Die Gesellschafterversammlung wurde darüber pflichtgemäß unterrichtet.“

Das Jahr 2019 sei bislang von erfreulichen Zahlen gekennzeichnet, führte Fiedler im Haupt- und Finanzausschuss aus. Es habe einen „deutlichen Anstieg“ bei den Besucherzahlen gegeben. Somit hätten sich auch die Umsatzerlöse vorteilhaft entwickelt. „Im ersten Halbjahr kamen täglich im Durchschnitt 468 Besucher“, rechnete Fiedler vor. Auch der Verlust der GmbH falle im ersten Halbjahr um rund 80 000 Euro geringer aus als im Vorjahr. „Das hat auch damit zu tun, dass bisher ein weitgehend von technischen Störungen und von äußeren Einflüssen freier Verlauf zu verzeichnen ist“, klärte der Thermen-Geschäftsführer auf.

Allerdings: „Trotz der bisherigen positiven Entwicklung in den ersten Monaten des Jahres 2019 wird die Gesellschaft weiterhin auf die Unterstützung der Gesellschafterin angewiesen sein“, so Fiedler.

Nach wie vor kommen die Besucher in erster Linie aus der Region, aus dem Köln-Bonner Raum oder auch aus der Region Koblenz. Nur etwa ein Fünftel der Gäste kommt aus Bad Neuenahr. Der Anteil an Übernachtungsgästen liegt bei geschätzten zehn Prozent.

Nennenswerte Sanierungen sind nach wie vor nicht vorgenommen worden. Im Interview mit dem GA hatte Bürgermeister Guido Orthen jüngst erklärt: „Seit Übernahme der Ahr-Thermen unternahm die städtische Betriebsgesellschaft zahlreiche Bestrebungen, die zu Verbesserungen beitrugen. Im Dezember haben wir ein Gesamtsanierungskonzept erarbeiten lassen. Derzeit sind Angebote zur Bauphysik und Statik angefragt, um zu klären, ob sich eine Sanierung lohnt. Die vergaberechtliche Suche nach einem privaten Betreiber als Pächter wird derzeit umfassend vorbereitet. Es bringt nichts, mit etwas an den Markt zu gehen, das nicht ausgereift ist.“

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