Diskussionsrunde bei den Freiheitswochen

Diskussion über Sicherheitspolitik in Bad Neuenahr

Podium im Rathaus (von links): Kersten Lahl, Thomas Roos, Leoni Demand, Florian Felderhoff, Ulrike Merten und Caja Thimm.

Podium im Rathaus (von links): Kersten Lahl, Thomas Roos, Leoni Demand, Florian Felderhoff, Ulrike Merten und Caja Thimm.

BAD NEUENAHR. Die Ahrweiler Freiheitswochen schreiten voran: Mit dem Thema „Sicherheitspolitik im Wandel der Generationen“ und dem Interesse der Jugend an Themen beschäftigte sich die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik.

Spannend war es dabei in erster Linie für die älteren Besucher, wollten sie doch wissen, wie die Jugend heute tickt, vor allem aber, wie sie Informationen erhält und mit diesen umgeht. Dabei gab Caja Thimm zunächst einen Einblick in die digitale Gesellschaft, in der sich die Menschheit längst befindet. Thimm ist Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Bonn.

„Wir leben aktuell in einer mobilen Welt, und zwar in allen Generationen“, so Thimm. Sie stellte für die folgende Diskussionsrunde Thesen auf und machte klar, dass die Trennung zwischen analoger und digitaler Medienwelt zusehends obsolet werde. Auch habe sich der Umgang mit Öffentlichkeit und Privatheit radikal verändert. Eine der Folgen sei, dass das Vertrauen in verlässliche Informationen mehr und mehr schwinde. „Eine Demokratie kann aber nicht ohne Vertrauen funktionieren“, zeigte Thimm ein großes Gefahrenpotenzial auf.

Immer mehr radikale Tweets in den sozialen Medien zeigten zudem, dass Werte- und Diskussionsethiken mehr und mehr unter Druck gerieten. Schließlich stellte die Wissenschaftlerin noch die These auf, dass die Datafizierung des Lebens immer mehr zunehme. „Daten sind die neue Währung“, so Thimm, deren Fazit eindeutig war: „Die digitale Gesellschaft ist sowohl die aktuelle wie die zukünftige Herausforderung.“

Hier handele es sich um einen Metaprozess ohne Umkehrmöglichkeit, bei der das politische Ziel die Erziehung zur digitalen Lebensqualität sein müsse.

Wie kann man nun die genannten Fakten auf die sicherheitspolitischen Themen runterbrechen, wollte der frühere militärische Adjutant bei Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Generalleutnant a.D. Kersten Lahl, als Moderator der Podiumsdiskussion wissen. Und: Gibt es überhaupt ein Interesse der jüngeren Generationen an diesen Themen?

Themen der Außen- und Innenpolitik in der Diskussion

Leoni Demand und Florian Felderhoff besuchen die Jahrgangsstufe zwölf am Peter-Joerres-Gymnasium (PJG). Demand betonte, dass sich die Jugend auf jeden Fall für Politik interessiere. Dabei ständen alle möglichen Themen der Außen- und Innenpolitik in der Diskussion, ergänzte Felderhoff. Beide machten deutlich, dass man sich die Informationen als Grundlage der Diskussionen heute aber nicht mehr hole, diese werde den Empfängern gebracht, und zwar aus allen möglichen digitalen Quellen. „Gerade dann ist es wichtig, verschiedene Standpunkte zu hören, ehe man sich eine eigene Meinung bildet“, so Demand.

Thomas Roos, Sozialkundelehrer am PJG, machte klar, dass Lehrpläne und andere Zwänge tiefgründige Diskussionen kaum mehr zuließen. Roos stellte dennoch ein deutlich gestiegenes Interesse der Schüler an politischer Diskussion fest. „Erreichen kann man die Jugend aber praktisch nur noch über Internet“, bestätigte Felderhoff die Aussagen von Caja Thimm. Die Professorin sieht ein starkes Angleichen der Generationen in ihrer Kommunikation und gab der Präsidentin der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Ulrike Merten, mit auf den Weg, dass Inhalte der Informationen heute einer anderen Aufbereitung bedürfen.

Am eigentlichen Thema ging die Diskussionsrunde ein wenig vorbei, zumindest bis ein Zuhörer aus dem Publikum die Frage nach der Meinung der Jugendlichen zur Wehrpflicht stellte. Thomas Roos machte daraufhin klar, dass das Thema Bundeswehr mehr und mehr aus dem Gedächtnis der Jugend verschwinde. Dem aber entgegnete Leoni Demand, dass es gerade in ihrem Umfeld ein hohes Interesse an der Bundeswehr gebe, zumindest als Arbeitgeber.

Dass die Diskussion an der Realität vorbei gehe, entgegnete ein anderer Zuhörer: „Wird in Lehrerzimmern überhaupt noch politisch diskutiert?“ fragte er. Und was in der Schule unter Sicherheitspolitik gefasst werde, wollte ein weiterer Gast der Veranstaltung wissen. Die Diskussionen befassten sich vor allem mit Themen, die die persönliche Sicherheit beträfen, so Florian Felderhoff, der als Themen die flächendeckende Videoüberwachung und die Neuausrichtung der Polizei ansprach.