Angriff in Bad Bodendorf: Vor 75 Jahren fielen Bomben auf Lazarettzug

Angriff in Bad Bodendorf : Vor 75 Jahren fielen Bomben auf Lazarettzug

Vor 75 Jahren griffen Amerikaner in Bad Bodendorf Flakstellungen an. Getroffen wurde auch ein Zug mit verletzten Soldaten, 17 Menschen kamen ums Leben. Historiker Wolfgang Gückelhorn hat zu dem Angriff lange recherchiert.

Genau 75 Jahre ist es am kommenden Donnerstag her, dass am Fuß des Reisbergs, etwa 200 Meter östlich der heutigen Bebauungsgrenze von Bad Bodendorf, eine Flak-Batterie der deutschen Wehrmacht und ein in der Nähe stehender und mit verwundeten Soldaten besetzter Lazarettzug von amerikanischen Flugzeugen bombardiert und beschossen wurde. Wie lief dieser Angriff im Einzelnen ab? Wie viele Menschen mussten dabei sterben? Und verstieß dieser Angriff gegen die Genfer Konvention? Über mögliche Antworten wurde in Bad Bodendorf Jahrzehnte lang spekuliert.

Um endlich Klarheit zu schaffen, hat Wolfgang Gückelhorn aus Bad Breisig, ein Kenner der Militärgeschichte der Region, kürzlich ein halbes Jahr lang in etwa zwei Dutzend Archiven recherchiert – von den Stadtarchiven in Sinzig, Ahrweiler und Andernach über das Militärarchiv des Bundes in Freiburg bis hin zum Archiv der US-Airforce in den Staaten.

Die Ergebnisse, zu denen er dabei gekommen ist, präsentierte Gückelhorn am Freitagabend auf Einladung des Ortsbeirats von Bad Bodendorf in der Winzergaststätte. Das Interesse war derart groß, dass der Vortrag am Freitag, 31. Januar, ab 18 Uhr an gleicher Stelle wiederholt wird.

Bei dem Angriff kamen, wie Gückelhorn ausführte, nachweisbar 17 Männer ums Leben – elf Verletze aus dem Lazarettzug sowie die beiden Soldaten, die damals die Flakgeschütze bedienten: der Unteroffizier Alois Mohr und der Stabsgefreite Peter Lang. Außerdem starben drei Männer, die am Südhang des Reisbergs Brennholz holten, als der Angriff begann: der Bodendorfer Landwirt Johannes Michael Mies und der französische Kriegsgefangene Jules-Paul Aubard, der Mies begleitete, sowie der Buchdrucker Johannes Karl Schöler. Außerdem starb Leutnant Kenneth Blum, der Pilot des amerikanischen Bombers, der bei dem Angriff abgeschossen wurde.

Und wie lief der Angriff im Einzelnen ab? Die neun US-Bomber vom Typ „Lightning“ („Blitz“) waren um 14.28 Uhr in Belgien vom Boden abgehoben, um hinter der Front der deutschen Wehrmacht „bewaffnete Aufklärung“ zu betreiben. Unter jeder Tragfläche hing eine Bombe, insgesamt also 18 Stück, jede von ihnen gut acht Zentner schwer. Die von je zwei 1600-PS-Motoren angetriebenen Flugzeuge folgten dem Verlauf des Ahrtals in Richtung Mündung, bis sie, nachdem sie um etwa 15.10 Uhr Bodendorf überflogen hatten, zum Angriff übergingen: In Abständen von jeweils etwa 500 bis 800 Metern flogen sie nacheinander in niedriger Höhe über die deutsche Eisenbahnflak, klinkten ihre je zwei Bomben aus und flogen im Steigflug bis über Dattenberg auf der rechten Rheinseite.

Dann machten sie eine große Rechtskurve, bis sie über Sinzig waren, um – nun aus Südosten kommend – den zweiten Angriff zu starten. Im Sturzflug schossen sie dabei mit ihren Bordkanonen und -maschinengewehren auf die Eisenbahnflak. Der Bomber der dabei abgeschossen wurde, schlug wenig später östlich von Lohrsdorf brennend auf den Boden auf. Die acht übrigen Maschinen drehten ab und flogen gegen 15.25 Uhr, eine Viertelstunde nach dem Angriffsbeginn, in Richtung Westen davon.

„Ein Verstoß gegen die Genfer Konvention war dieser Angriff nicht“, stellte Referent Gückelhorn klar. Dass der Lazarettzug in der Nähe der Flak-Batterie stand, sei dabei „ein tragischer Zufall“ gewesen. Der Bomberangriff habe der Flakbatterie gegolten, nicht dem Lazarettzug, der im Übrigen aus der Luft nicht als Lazarettzug erkennbar gewesen sei.