Alte Ansichten und neue Pläne für den Oberwinterer Bahnhof

In Oberwinter : Ausstellung widmet sich Eisenbahngeschichte

Mit Blick auf anstehende Arbeiten am Bahnhof Oberwinter hat eine Ausstellung des Rathausvereins besondere Aktualität. Für das Gebäude gibt es neue Pläne.

Dass eine Modelleisenbahn bei der Ausstellung des Oberwinterer Rathausvereins zum Adventsmarkt im Hafenort ihre Runden dreht, erfreute Kinder sowie Erwachsene. Weniger erfreute einige Besucher der Gedanken an den bevorstehenden Umbau des Bahnhofs Oberwinter. Anders, als sie es sonst wohl getan hätten, blickten viele daher auf die Exponate der Ausstellung und hörten auf die Ausführungen des Vereinsvorsitzenden Hans Metternich sowie den Vortrag von Hans Atzler, der in den vergangenen Wochen nochmal intensiv zum Thema recherchiert hat.

„Nicht nur die Bahnhöfe in Oberwinter, sondern die Bahnhöfe für die Oberwinterer“ standen dabei im Fokus, wie Atzler betonte: „Denn der erste Bahnhof für die Oberwinterer war der Bahnhof Rolandseck.“ Dabei hätten die laut Aufzeichnungen von Lehrer Ludwig Pfahl „biederen Oberwinterer“, deren Ahnen sich jetzt für ihren Bahnhof und für jeden Zughalt einsetzen, erst gar keine Eisenbahn gewollt, weil sie keinen Nutzen für sich sahen und sich regional versorgten. Doch reiche Industrielle hätten zuerst für den Bau des „eigentlich überdimensionierten“ Bahnhofs in Rolandseck gesorgt, weil sie in Oberwinter ihre Villen gehabt hätten.

Der erste Bahnhaltepunkt von 1899. Foto: Rathausverein

Nach dessen Eröffnung 1856 lernten unter anderem auch und gerade die Winzer des damaligen Weinorts Oberwinter es schätzen, ihre Weinfässer nicht über holprige Straßen, sondern mit Bahn zu transportieren. Nachdem die Gemeinde als Bedingung der staatlichen Reichsbahn ein Grundstück bereitgestellt und die Kosten von 34.000 Mark für die Errichtung des Gebäudes getragen hatte, wurde 1899 ein Mittelbahnhof in Oberwinter eingeweiht, also eine Haltestelle zwischen den beiden Bahngleisen als laut Atzler wohl kostengünstigere Variante.

Diese habe sich bald als zu klein erwiesen, woraufhin 1913 eine neue Bahnhofsanlage folgte. Auf das Foto der Errichtung dieser Anlage schauten viele genau: „Neuer Bahnhof mit Stellwerk, ohne Bahnhofsdächer“, war darunter vermerkt.

„Dass es hier demnächst wieder so aussieht wie vor 1913, ist unglaublich“, sagte Atzler mit Bezug auf den im Januar beginnenden, viel diskutierten Abriss der Bahnsteigdächer des Oberwinterer Bahnhofs, deren Funktion nach dem Umbau gläserne Wetterschutzhäuschen übernehmen sollen. „Schön, vandalismusresistent und zweckmäßig“ fanden Ausstellungsbesucher diese Dächer.

Dazu gehörten auch Ingo Konrads und Philipp Rosenthal von der „Initiative Bahnhof Oberwinter“, die auf Nachfrage über die Sachlage informierten: „Die Bahn ist genau wie wir der Meinung, dass es Barbarei ist, die Dächer abzureißen.“ Aber der Bund schaue darauf, „dass die Bahnhöfe in Deutschland gleichbehandelt werden, und Oberwinter bekommt keine Extrawurst.“

Hans Metternich zeigt den Bauplan des ersten Banhnhofs. Foto: Martin Gausmann

Genauso wenig würden die in den 90er Jahren abgebauten Überholgleise wieder in die noch sichtbaren Gleisbetten gelegt, auf die einst langsamere Züge auswichen, um die Strecke für Fernverkehrszüge freizumachen und so für einen flüssigeren Verkehr und weniger Verspätungen zu sorgen. Konrads: „Wir kriegen da einen pseudo-modernen Bahnhof, der im Grunde völlig sein Bild verliert.“

Standardisierung und die vorgesehene Barrierefreiheit unter anderem durch Betonrampen hätten aber sicher auch Vorteile. Wesentlich sei, dass der RRX (RE 5) nach Abschluss des Bahnhofsumbaus in einem Jahr wieder zu jeder Stunde in Oberwinter halten solle.

Nachdem Hans Atzler den Besuchern auch veranschaulicht hatte, dass es im Gegensatz zu heute vor 100 Jahren auch eine Fahrkartenverkaufsstelle und beheizte Wartesäle in Oberwinter gab, stellte Konrads fest: „Das ist ein Beispiel, dass wir früher als Fahrgäste gesehen wurden. Heute sind wir Beförderungsfälle.“

„Nicht lange, und unser jetziger Bahnhof ist Geschichte“, sagte ein Besucher. „Es ist schlimm zu sehen, obwohl wir jetzt gar nicht mehr viel mit der Bahn fahren. Und es ist bedauerlich, weil der Bahnhof an Qualität verliert“, sagte die Oberwinterin Margret Schmitz angesichts des bevorstehenden Umbaus. Ihr Mann Hans Winand Schmitz hatte ein Foto seines Großvaters, der als Rottenführer beim Schienenwechsel mitgearbeitet hatte, dabei.

„Gemischte Gefühle“ hatte also nicht nur Hans Metternich, denn alte Telefonbücher von zwischen den Weltkriegen zeigten anhand der damals noch gelisteten Berufsbezeichnung, dass wohl jeder vierte Oberwinterer Eisenbahner gewesen sei. Bei einer größeren Schau des Rathausvereins im kommenden Jahr sollen weitere Aspekte der Bahnhöfe der Oberwinterer und deren Bedeutung für die Bevölkerung beleuchtet werden, und dann soll auch eine Publikation zum Thema in der Reihe „Oberwinterer Geschichte(n)“ erscheinen.

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