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Als in Berg die Bomben fielen

Aus Versehen getroffen : Vor 75 Jahren wurde Berg von den Amerikanern bombardiert

Für ein Munitionsdepot in Rheinbach bestimmte amerikanische Fliegerbomben trafen vor 75 Jahren das Eifeldorf Berg. Daran hat die Dorfgemeinschaft mit einer Gedenkveranstaltung erinnert.

Der 6. Februar 1945 war ein schwarzer Tag für Berg. Amerikanische Flugzeuggeschwader überzogen das Eifeldorf und seine Umgebung mit einem Bombenteppich. Von 400 oder gar 600 Einschlägen ist die Rede. Häuser wurden zerstört, eine dreiköpfige Familie, die in dem unbedeutenden Ort Sicherheit gesucht hatte, kam ums Leben. Der Verein Dorfgemeinschaft Berg hat den 75. Jahrestag des Bombardements zum Anlass genommen für eine Gedenkveranstaltung unter dem Titel „Gegen das Vergessen – Erinnern für die Zukunft“.

Das Interesse war so groß, dass der Saal in der Gaststätte Vischeltal aus den Nähten zu platzen drohte. Während Berthold Phiesel, ein gebürtiger Berger, in einem Lichtbildvortrag lokales Leben und Sitten in Erinnerung rief, brachte Neubürger Ben Knoche Licht in die Hintergründe der Bombardierung zu einer Zeit, als der Krieg fast zu Ende war.

Das eigentliche Ziel war das Munitionsdepot in Rheinbach

Knoche, von Beruf Soldat und Luftbildoffizier, hatte Luftbilder aus der Zeit nach dem Bombenwurf ausgewertet. Während zuvor in Berg gemutmaßt worden war, dass mobile Funkstationen in der Gegend Ziel des großen Angriffs gewesen sein könnten, vielleicht auch die in vielen Häusern einquartierten Soldaten, kommt Knoche zu einem völlig anderen Ergebnis. „Berg war nicht das Angriffsziel, Berg war ein Kollateralschaden.“ Das Bombardement galt dem ehemaligen Munitionsdepot in Rheinbach. Berg hatte Pech und gleichzeitig großes Glück: Die meisten Bomben trafen die Umgebung.

In den letzten Kriegswochen war die 1. US-Armee unterwegs in Stoßrichtung Osten. Das Militär bewegte sich von Zülpich über Euskirchen und Rheinbach Richtung Remagen. Die Ludendorff-Brücke war das Ziel der Alliierten für einen Übergang über den Rhein. Tagesauftrag der amerikanischen Maschinen war die Bombardierung des ehemaligen Munitionsdepots in Rheinbach, das zwischen 11.40 und 11.45 Uhr zerstört werden sollte. „Berg war weder taktisch noch strategisch von Interesse für die Amerikaner“, erklärte Knoche nach Durchsicht der Aufzeichnungen.

Fundstück: Diesen Bombensplitter, etwa halb so groß wie eine Hand und beschriftet, hatte ein Berger Bürger zu der Gedenkveranstaltung mitgebracht. Foto: Martin Gausmann

Bomber in 4000 Metern Höhe

Die Bomber flogen in einer Höhe von 4000 bis 4300 Metern und über einer geschlossenen Wolkendecke. Ein spezielles Suchsystem sogenannter Pfadfindermaschinen, das sind Führungsmaschinen von Bomberverbänden mit speziellen elektronischen Navigationssystemen, sollte den Boden durch die Wolkendecke hindurch abtasten. Das System war als ungenau bekannt, wie auch ein verwendetes Funkleitverfahren. Die Fehlerwahrscheinlichkeit lag bei zwei Kilometern. Zu berücksichtigen war außerdem die Dauer des Bombenfalls bis zum Boden von 30 Sekunden. Nach Berechnung Knoches haben die Piloten zwischen Rheinbach-Irlenbusch und Rheinbach-Neukirchen auf den Knopf zum Abwurf gedrückt. Das angepeilte Ziel wurde jedoch verfehlt.

Auf den Luftbildern hat Knoche 100 bis 120 Bombentrichter erkannt. Und er warnte: „Ein Teil der Munition liegt noch irgendwo in unseren Wäldern herum oder im Bebauten, die Bomben können noch gefährlich sein.“ Die Ungenauigkeit der Treffer erklärte er mit der geschlossenen Wolkendecke, über der sich die Flieger bewegten, der Geschwindigkeit der Maschinen und der Ungenauigkeit damaliger Instrumente. Anhand eines Luftbilds zeigte er die Fundstellen der Trichter auf, die sich tatsächlich in drei Bereichen in einer Linie reihen.

Zuhörer verfolgten Vortrag mit großem Interesse

Mit großem Interesse verfolgten die Zuhörer die Ausführungen des Experten. Zuvor hatte Berthold Phiesel, gebürtig und wohnhaft in Berg und pensionierter Schuldirektor, mit Lichtbildern an alte Zeiten erinnert, als Kinder noch sonntags zur Christenlehre zur Vischel laufen mussten. Und die Piste der Rodelbahn im Dorf endete für die, die vom Schlitten fielen, in gefrorener Jauche. „Berg war seit jeher ein richtig armes Dorf“, erinnerte Phiesel. Mittlerweile profitiere der Ort von der florierenden Umgebung. Zwei Kirchenglocken hatten sich die Bewohner vom Munde abgespart, sie wurden von den Nazis geholt und für Waffen eingeschmolzen.

Der langjährige Dorflehrer Labes, der Generationen unterrichtet hatte, entwickelte sich nach 1933 zu einem eifrigen Nazi. Im Krieg hatten Kinder ihre Väter kaum gesehen, allenfalls beim Heimaturlaub von der Front. Soldaten und Zwangsarbeiter wurden einquartiert. Den Gefallenen der beiden Weltkriege hat Berg ein Ehrenmal bei der Vischel-Kirche gewidmet, das der Dorfverein in den vergangenen Jahren saniert hat.

Eingeladen hatte der Vorsitzende des Dorfvereins, Helmut Kündgen, auch Zeitzeugen, Bürger, die im Krieg schon größere Kinder waren und über ihre Erinnerungen sprachen. Auch ihre Erzählungen fanden großen Anklang.