650 Nadelstiche ziehen den Faden durch 32 Waben

650 Nadelstiche ziehen den Faden durch 32 Waben

Die meisten Fußbälle kommen aus Pakistan - Tag der Umwelt auf dem Siegburger Markt

Siegburg. (hlf) Der Ball ist rund. Das ist eine banale Weisheit. Dass er zumeist aus Pakistan kommt, ist dagegen weniger bekannt. In der Region Sialkot leben rund 25 000 Menschen von der Produktion der gefragten Spielgeräte. Am Mittwoch drehte sich auch der Tag der Umwelt auf dem Siegburger Markt um den Ball, das zur Zeit die Welt regiert. Beraterin Natalie Dröge von der Verbraucherzentrale hatte sich abseits von Tipplisten und Tabellen mit dem Thema beschäftigt.

"80 Prozent aller Bälle kommen aus Pakistan", sagte sie, und warb für "fair gehandelte" Bälle. Der Trainingsball "Winner" ist für 19 Euro zu haben und der Wettspielball "Pro", der den Fifa-Kriterien entspricht, kostet 50 Euro. "Damit ist er höchstens ein bis zwei Euro teurer als ein herkömmlicher Ball", sagte Dröge. Sie werden in Handarbeit hergestellt. Mit 650 Nadelstichen wird er Faden durch 32 Waben gezogen.

Ein fair gehandelter Ball entspricht dem "Atlanta Agreement", das 1997 zwischen der Handelskammer der pakistanischen Region Sialkot, der Unicef Pakistan und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geschlossen wurde. Auch 34 Sportartikelhersteller haben sich angeschlossen.

Die Bälle kommen aus Nähzentren, in denen die Arbeitsbedingungen regelmäßig kontrolliert werden. "Vor allem Kinderarbeit soll dadurch überflüssig gemacht werden", sagt Dröge, was aber schwierig sei. Bislang arbeiteten nur Männer in den Zentren, weil sie nach islamischem Glauben nicht mit Frauen zusammen arbeiten dürfen. Mütter arbeiteten so immer noch zu Hause mit den Kindern oder nähmen schlechtere Arbeit an, etwa bei der Herstellung von chirurgischen Instrumenten, laut Dröge eine gefährliche Arbeit.

"Ziel ist es, Kinderarbeit nicht nur zu verbieten, sondern durch fairen Handel überflüssig zu machen." Die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (GEPA) kümmert sich um den fairen Handel und darum, dass höhere Stücklöhne als früher je Ball gezahlt werden, Arbeitsplätze in den Dörfern erhalten und soziale Leistungen aufgebaut werden.

Das Umweltamt informierte nebenan unter anderem zu umweltfreundlichen Energietechniken, wie auch ein Info-Mobil von der Rhenag. Die Bälle gab es beim Stand des "Eine-Welt-Ladens", der auch Kaffee, Tee, Honig, Schokolade und vieles mehr im Angebot hatte.

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