1. Ratgeber
  2. Tier & Wir

Tierheim in Rumänien: Troisdorfer wollen Unterkunft für Straßenhunde bauen

Tierheim in Rumänien : Troisdorfer wollen Unterkunft für Straßenhunde bauen

Zwei junge Troisdorfer setzen sich für den Schutz von Straßenhunden in Rumänien ein. Dazu wollen sie ein Heim für Hunde bauen und haben die Tierschutzinitiative Hunderunde ins Leben gerufen.

Luis Kesten und Fabio Lehnert kennen sich von Kindesbeinen an. Die beiden 22-Jährigen sind in Troisdorf-Eschmar aufgewachsen, haben ähnliche Interessen, lesen gerne und spielen Fußball. Beide haben sich nach der Schule für ein Sportstudium entschieden. Und beide lieben Hunde. Vor etwa sechs Monaten haben die jungen Männer gemeinsam die Tierschutzinitiative Hunderunde ins Leben gerufen. Ihr Ziel: ein Tierheim in Rumänien. Ganz konkret geht es darum, die rumänische Tierschützerin Mirela Mistodinis zu unterstützen, die sich zurzeit mit Unterstützung ihres Ehemannes Dragos im eigenen Zuhause im Dorf Movilita etwa drei Autostunden von Bukarest entfernt um 120 Straßenhunde kümmert. Mirelas Schwester Neli beherbergt nochmal etwa 50 Hunde. Die Nachbarn im Dorf sind von so vielen Vierbeinern in direkter Nähe alles andere als begeistert. Ein Grundstück außerhalb des Dorfes, auf dem eine geeignete Unterkunft für etwa 200 Vierbeiner – keine Zwingeranlage, sondern ein sogenanntes Open Shelter – entstehen könnte, gibt es bereits.

„Wenn viele Menschen kleine Dinge tun, entsteht etwas Großes“, glauben die Freunde aus Troisdorf. Um anderen Menschen das Helfen leichter zu machen, haben sich Luis und Fabio einiges einfallen lassen. So verkaufen sie Armbänder für den guten Zweck. Mit dem Erlös könne pro Armband ein Hund in Rumänien eine Woche lang ernährt werden.

Eine Alles-oder-nichts-Crowdfunding-Kampagne ist das aktuellste Projekt der Hunderunde. Bis zum 5. Januar sollen 10 000 Euro als Grundstock für das Tierheim in Rümänien an Spendengeldern zusammenkommen. Klappt das nicht, geht das bisher gespendete Geld an die Spender zurück. Doch Luis und Fabio sind zuversichtlich, dass sie das gesetzte Ziel erreichen werden, denn pünktlich zur Halbzeit am vergangenen Mittwoch wurde die 5000-Euro-Hürde geknackt.

Luis Kesten (li.), Fabio Lehnert (re.) und die rumänischen Tierschützer wollen gemeinsam ein Open Shelter für etwa 200 Straßenhunde bauen. Foto: Hunderunde

Der Wunsch, Straßenhunden zu helfen, sei bei einer Reise durch Kambodscha im Frühjahr 2018 entstanden, berichtet Luis. Natürlich habe er schon vorher vom Leid der Tiere gewusst, doch nun habe er es unmittelbar erfahren. Der Tierfreund und Sohn einer Tierärztin wollte nicht einfach wieder wegschauen, sondern handeln. Einen ebenso engagierten Mitstreiter fand er sofort nach seiner Heimkehr in seinem Freund Fabio. Doch Kambodscha ist weit und Tierleid gibt es auch in Europa. So geriet Rumänien in den Fokus der beiden Tierschützer. Den Kontakt zu Mirela hat der deutsche Tierschutzverein Tierschutzgruppe Herzensmenschen e.V. hergestellt. Die beiden Troisdorfer Studenten fackelten nicht lange, nutzten ihre Ersparnisse als Startkapital für die Hunderunde, kauften Flugtickets gekauft und reisten im Mai 2019 zum ersten Mal selbst nach Rumänien , um sich vor Ort ein Bild zu machen. Mirelas Engagement sei vorbildlich: „Sie lebt für die Hunde.“ Die Schützlinge würden gesund gepflegt, kastriert, was im Auslandstierschutz unverzichtbar sei, und lebten in Haus und Hof mit Familienanschluss. Die Hundehütten im Hof seien bunt angestrichen, damit alles freundlich wirke. Ihr privates Shelter nennt Mirela „Cheerful Kindergarten“, also fröhlicher Kindergarten. Bei ihrer zweiten Rumänienreise Ende Oktober haben Luis und Fabio dann schon reichlich Futterspenden im Gepäck gehabt.

„Wir wollen so viel wie möglich dazu beitragen, damit die Hunde dort ein schönes Leben haben“, sagen sie. Manche Vierbeiner hätten über die Vermittlung durch die Tierschutzgruppe Herzensmenschen eine Zukunft in Deutschland in Aussicht. Aber einige der Hunde, die oft Schlimmes erlebt haben, seien nicht vermittelbar.

Noch weitere Pläne haben die jungen Troisdorfer Tierschützer. Sie wollen vor Ort ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch ein Hund ein lebenswertes Dasein verdient und eine Familie bereichern kann. „Der Hund ist der beste Freund des Menschen und ein Geschenk für eine Familie“, davon sind die jungen Tierschützer überzeugt.

Die Idee, Armbänder zu verkaufen, um Spenden für ihr Tierschutzprojekt zu erhalten, sei nach dem Vorbild der Umweltinitiative „4Ocean“ entstanden. Die Armbänder aus Naturstein-Perlen, die es in fünf verschiedenen Designs gibt, wurden von den Sportstudenten selbst gestaltet. Plastikfrei verpackt werden die Schmuckstücke in hübschen Stoffbeutelchen, die in den Behindertenwerkstätten der Caritas Köln hergestellt werden, die also ebenso am Projekt teilhaben.

Die Armbänder mit dem versilberten Logo der Hunderunde, die jeweils 26,95 Euro kosten, seien auch ein Symbol für das Hunderunde-Netzwerk und sollen ihre Träger daran erinnern, dass sie etwas Gutes getan haben. Die Hunderunde könne viel bewegen und könne eventuell auch den Alltag der Tierfreunde hier bereichern, zum Beispiel, indem man gemeinsam eine Runde mit den eigenen Hunden gehe.

Dass das Engagement der beiden Tierschützer Anklang findet, beweisen auch die Zahlen der Likes und Follower bei den Sozialen Netzwerken, wie Facebook und Instagram, in denen die Hunderunde aktiv ist. Mit Podcasts auf Spotify und Filmen auf Youtube informieren die Tierschützer über ihr Projekt. Besonders stolz seien sie darauf, dass sie auf der Plattform Tiktok, die sich an Kinder richtet, schon etwa 18 000 Follower haben, erklären die Hunderunde-Initiatoren. „Es ist schön, zu sehen, dass wir Menschen inspirieren“, sagt Luis. Das Wissen, wie man zum Beispiel eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben ruft, haben sie sich aus dem Internet angeeignet.

Und ja, es gab auch Rückschläge. Die Unterstützung eines anderen rumänischen Tierheims durch die Hunderunde, zu dem Luis und Fabio zuerst Kontakt geknüpft hatten, scheiterte am Widerstand einer anderen Tierschutzorganisation, die sich auch dort engagierte und auch vor einer Klage nicht zurückschreckte. Für die jungen Tierschützer unverständlich, denn: „Es geht doch um die Tiere“. Entmutigen ließen sich die beiden dadurch jedoch nicht. „Wir können nur gewinnen“, sagen sie und betonen einen weiteren positiven Effekt ihres Engagements für sie persönlich: „Wir haben schon viel gelernt.“