Verhaltensbeobachtung: Hektor allein zu Haus

Verhaltensbeobachtung : Hektor allein zu Haus

Überwachungskameras zeigen, was Haustiere treiben, wenn ihre Besitzer unterwegs sind.

Internetkameras können nicht nur bei der Aufklärung von Einbrüchen helfen. Sie kommen auch immer häufiger zum Einsatz, um aufzudecken, was das eigene Haustier allein zu Hause anstellt. Laut Tierexperten sind Überwachungskameras der neue Trend für das gemeinsame Leben mit Hund, Katze & Co.

Unter den rund 30 Millionen Haustieren in Deutschland nehmen laut Statistischem Bundesamt Katzen und Hunde mit 13,4 und 8,6 Millionen die Spitzenplätze ein. Lange blieb es ein Geheimnis, was sie anstellen, während ihre Besitzer aus dem Haus sind. In dem Animationsfilm "Pets" feiern Hunde eine Party, eine Katze plündert den Kühlschrank und ein Vierbeiner macht es sich auf Herrchens Lieblingssofa gemütlich.

Wohlergehen des Haustiers immer im Blick

Doch was machen Haustiere im richtigen Leben, wenn ihre Besitzer arbeiten oder in der Schule sind? Moderne Internetkameras lüften jetzt das Geheimnis. "IP-Cams zur Tierbeobachtung liegen voll im Trend", sagt Katharina Wild, Tiersicherheits-Expertin, Autorin und Mitglied der Geschäftsführung bei Smartfrog. Das Technologieunternehmen hat eine Überwachungslösung für das eigene Zuhause entwickelt, bestehend aus HD-IP-Kamera, App und Videospeicher.

"Mit einer Sicherheitskamera kann man sich nicht nur vor Einbrüchen schützen, sondern auch das Wohlergehen des eigenen Haustiers jederzeit und von überall im Blick haben", so Wild. Ein Hund, der sich ausgiebig im Bett seines Herrchens wälzt und Küchenschränke öffnet, eine Katze, die mit großer Sorgfalt Socken versteckt, oder ein Hund, der gierig aus dem Wasserhahn trinkt: "Haustiere stellen oft lustige Dinge an, vor allem, wenn sie allein sind oder sich unbeobachtet fühlen", sagt die Expertin.

Doch nicht nur, um lustige oder besondere Momente festzuhalten, sind smarte Überwachungskameras geeignet. "Eine IP-Kamera kann auch eine sinnvolle Ergänzung zum persönlichen Kontakt mit dem Tier sein und dabei helfen, es besser zu verstehen", sagt Verhaltensforscher Professor Kurt Kotrschal von der Universität Wien.

Für mehr Sicherheit im Alltag mit Tieren können Kameras ebenfalls sorgen. "Wenn Nutzer bemerken, dass sich das eigene Tier ungewöhnlich verhält, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass es krank ist", sagt Wild. Für den Tierarzt oder Hundetrainer enthalten solche Videoaufnahmen wichtige Informationen, um Diagnosen zu stellen und die richtige Therapie zu finden, oder um Tipps für den Umgang mit dem Hund zu geben.

Die Verhaltensbeobachtung mit Kameras gibt häufig auch Hinweise auf mögliche Gefahrenquellen für Tiere im Haus. So wird das Zuhause für die Haustiere sicherer.

"Internetkameras zur Hundebeobachtung werden immer beliebter", sagt auch Hundetrainerin Frauke Loup, die seit 2001 zahlreiche Mensch-Tier-Teams unterstützt. Dank integriertem Mikrofon und Lautsprecher können Haustierbesitzer per Smartphone, Tablet oder PC auch jederzeit und von überall mit dem Haustier kommunizieren.

"Hört der Nutzer den Hund zum Beispiel aufgeregt bellen, kann er ihn direkt ansprechen und mit seiner Stimme beruhigen. Bekommt er einen Alarm, weil das Tier aufs Sofa gesprungen ist, kann er den Hund oder die Katze unmittelbar ermahnen", nennt Wild Beispiele aus der Praxis.

Mit einer Zeitraffer-Funktion kann man die Aufnahmen der vergangenen 24 Stunden in nur fünf Minuten ansehen. Wenn etwas Lustiges passiert ist, kann der Clip gesichert und mit Freunden und Familie oder in sozialen Netzwerken geteilt werden.

Kein Ersatz für den direkten Kontakt und das Spielen

In ihrem E-Book "Sicher auf vier Pfoten, tierisch sicher wohnen" gibt Tiersicherheits-Expertin Katharina Wild viele hilfreiche Tipps rund um das Zusammenleben mit Hund, Katze & Co. Einer davon lautet: "IP-Kameras sind sehr nützlich im Alltag mit Tieren, doch der direkte Kontakt und das Spielen und Schmusen mit dem tierischen Freund dürfen nicht zu kurz kommen. Auch wenn es zum Beispiel aus beruflichen Gründen schwierig ist, sollte man Haustiere nicht zu lange allein lassen."

Die heimische Tierüberwachung ist innerhalb von wenigen Minuten einsatzbereit. Die häuslichen Überwachungspakete gibt es für einen monatlichen Pauschalpreis - inklusive IP-Kamera, App und Video-Cloudspeicher. Bis zu zehn Kameras lassen sich über die App verwalten. Bei Bewegung und Geräuschen erhalten Nutzer automatisch einen Alarm per Push-Benachrichtigung oder Mail.

Mit der Zonenfunktion kann der Nutzer zudem festlegen, dass er nur dann eine Benachrichtigung erhält, wenn sich zum Beispiel auf der Wohnzimmercouch etwas bewegt, weil der Hund es sich dort bequem macht. (rps)

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