Mitreden in der Kirche

Jedes Jahr treten in Deutschland Menschen aus der Kirche aus. Aber was bedeutet das für die Angebote für Kinder und Jugendliche?

Immer weniger Menschen in Deutschland sind Kirchenmitglieder. Auch im letzten Jahr sind viele Leute aus der Kirche ausgetreten. Das gaben die Kirchen am Freitag bekannt. Sie berichteten: Über eine halbe Millionen Menschen entschieden sich im vergangenen Jahr, nicht länger Teil der evangelischen oder katholischen Kirche in Deutschland sein. Wer sich dazu entschließt, muss seine Entscheidung einer Behörde mitteilen.

Wenn Eltern aus der Kirche austreten, betrifft das oft auch ihre Kinder. Die Expertin Simone Merkel hat allerdings nicht das Gefühl, dass wegen der Kirchenaustritte auch weniger Leute zu den Angeboten für Kinder und Jugendliche kommen, also etwa zu Zeltlagern oder Spieletreffs.

Simone Merkel beschäftigt sich mit evangelischer Kinder- und Jugendarbeit in den Bundesländern Berlin und Brandenburg und erklärt: „Die Kinder kommen ja nicht nur deshalb in eine Kindergruppe, weil ihre Eltern Mitglied in einer Kirche sind oder weil sie selbst getauft sind.“ Stattdessen wären die Angebote für alle Kinder offen. Die Kirchenaustritte der Erwachsenen würden hier deshalb keine so wichtige Rolle spielen.

Programme extra für Kinder gibt es oft in Kirchengemeinden. Bei der katholischen Kirche kann man etwa im Gottesdienst mithelfen. Kinder und Jugendliche, die diese Aufgaben übernehmen, nennt man Ministranten. Andere Aktionen sind etwa Ferienlager, Seelsorge für Menschen, denen es schlecht geht, Spielgruppen oder Kindergottesdienste.

Besonders findet Simone Merkel daran vor allem, dass junge Menschen einen freien Raum haben, in dem sie mitbestimmen dürfen: „Es geht darum, dass die Kinder und Jugendlichen selbst gestalten.“ Wichtig an solchen Angeboten ist für Simone Merkel auch die Möglichkeit, außerhalb von der Schule Gleichaltrige zu treffen.

(dpa)