Heizöltanks: Viele alte Anlagen müssten überholt werden

Heizöltanks : Viele alte Anlagen müssten überholt werden

Beueler Fachmann für Tanktechnik erinnert Besitzer von Ölheizungen daran, dass auch Tanks eine regelmäßige Wartung brauchen.

Zur Umweltverschmutzung größeren Ausmaßes mitten in der Bonner City hatte vor zwei Jahren nicht viel gefehlt. Grund des Übels war ein alter, 10.000 Liter großer Öltank, dessen Zustand höchst kritisch war, erinnert sich Michell Veldstra.

Der Inhaber der Firma Tankschutz Bonn, einem Beueler Fachbetrieb für Tanktechnik, war gerufen worden, weil der Tank zu platzen drohte: "Im vorliegenden Fall war aufgrund einer fehlenden Überdrucksicherung sowie einer verstopften Lüftungsleitung durch eine veraltete Armatur und aufgrund dilettantischer Handhabung ein massiver Überdruck in dem Behälter entstanden", sagt Veldstra.

"Der Überdruck führte zu extremen Verformungen bis hin zum Abriss von Innenverstrebungen." Glücklicherweise habe ein abruptes Abbrechen des Füllvorgangs das Schlimmste verhindert. Der Behälter allerdings war nicht mehr zu retten und musste demontiert werden.

Auch wenn die Aufträge, die Veldstra bekommt, keineswegs alle so dramatisch ablaufen wie dieser, ist die Situation in vielen Bonner Heizungskellern aus seiner Sicht durchaus alarmierend. Denn viele Tankanlagen stammen noch aus den 60er und 70er Jahren. Veldstra Erfahrungen nach ist bei diesen alten Tanks "in 90 Prozent der Fälle die Tankraumbeschichtung verschlissen beziehungsweise rissig."

Eine "Kombination aus Unwissenheit, Ignorieren der Betreiberpflichten und Sparwut" können dann schnell höchst nachteilige Folgen für den Hausbesitzer haben. Der Fachmann erklärt, wie sich Tanks sanieren lassen und warum eine regelmäßige Wartung Sinn macht.

In Deutschlands Wohnhäusern gibt es schätzungsweise 5,7 Millionen Ölheizungen mit genauso vielen Heizöltanks. Diese werden allerdings bei Wartung und Pflege oft vernachlässigt, sagt Michell Veldstra.

Nicht nur Risiko für die eigene Heizung

Dabei wird ein mangelhafter und unzureichend gewarteter Heizöltank nicht nur zum Risiko für das Funktionieren der eigenen Heizung: Denn Ablagerungen im Heizöltank können der Grund sein, dass die Filter verstopfen und die Heizung plötzlich auf Störung schaltet.

Wie es dazu kommt? "Heizöl ist ein Naturprodukt", erklärt Jörg Franke, Sachverständiger für Heizölverbraucheranlagen am Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) in einer Pressemitteilung. "Es wird zwar nicht schlecht, altert aber mit der Zeit und hinterlässt Spuren im Tank." So können sich Ablagerungen bilden, die Fachleute "Bodenphase" nennen. Damit Teile dieser Bodenphase nicht versehentlich in den Brenner der Heizung gelangen, ist ein Filter vorgeschaltet.

Wenn der Filter verstopft, geht die Heizung automatisch auf Störung. Ein Heizungsbauer kann den Filter zwar tauschen. Doch verstopft der Filter mehrmals in kurzer Folge, empfiehlt sich eine professionelle Tankreinigung, die Veldstra alle fünf Jahre empfiehlt: "Dazu muss der Tank aber absolut leer sein."

Aus seiner Sicht macht eine regelmäßige Wartung auch deshalb Sinn, weil ein verstopfter Filter laut Veldstra noch das kleinere Übel ist: "Der Schaden bleibt überschaubar." Mächtig Probleme bekommt der Immobilienbesitzer aber dann, wenn der ordnungsgemäße Sicherheitszustand eines Tanks gegen auslaufendes Heizöl nicht mehr gegeben ist.

So hatte Veldstra schon etliche Aufträge, bei denen es zu einer Überfüllung gekommen war: "Dass ist deutlich gefährlicher, weil dann eine ganze Immobilie kontaminiert werden kann."

Zudem können von solchen Leckagen auch erhebliche Gefahren für das Grundwasser ausgehen. Es gilt die Faustformel, dass ein Liter Heizöl rund 100 Millionen Liter Trinkwasser ungenießbar machen kann. Daher müssen gemäß des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) Heizöltanks so beschaffen sein und so eingebaut, aufgestellt, unterhalten und betrieben werden, dass es zu keiner Verunreinigung der Gewässer kommt.

Anlagen ab 1000 Liter-Volumen müssen doppelwandig sein

Für anfallenden Sanierungskosten haftet dann gemäß WHG der Eigentümer des Öltanks. Entsprechend haben Gerichte geurteilt (BGH, Urteil vom 18.1.1983 - VI ZR 97/81, NJW 1983, 1108 = VersR 1983, 394 = ZMR 1983, 271). Als Betreiber gilt in aller Regel der Eigentümer des Heizöltanks,

Bei der Reparatur beziehungsweise Sanierung eines Tanks gilt es grundsätzlich zu beachten. Alle Tankanlagen in Deutschland müssen ab einem Volumen von 1000 Litern doppelwandig gefertigt sein. Dieses regelt die neue Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV), die seit August vergangenen Jahres in Kraft ist.

Eine Tank- und oder Raumsanierung kommt für Tankanlagen eben dann in Betracht, wenn sie "nicht doppelwandig ausgeführt, oder der Wannenbereich schadhaft und oder veraltet ist". Korrosion kann ein häufiger Grund für Reparaturen sein. Auch komme es vor, dass Armaturen defekt oder veraltet sind, ein Wasserschaden oder eine Deformation behoben werden muss.

Möglich wäre alternativ die Installation einer Vakuum Leckschutzauskleidung. Dabei handelt es sich laut Veldstra um eine moderne Form, um die gesetzlich vorgeschriebene Doppelwandigkeit zu erreichen: "Technisch bringt man in den Heizöltank eine Innenhülle ein."

Ferner kommt in Frage, den Wannenbereich mit einer Raumauskleidung zu versehen. Im schlimmsten Fall droht der komplette Austausch des alten Tanks gegen eine neue doppelwandige Kunststofftankanlage.

Eben auch um solchen größeren Schäden langfristig vorzubeugen, rät Veldstra zu einer regelmäßigen Reinigung und Wartung des Tanks. Lambert Lucks, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Heizöltanks, gibt in dem Zusammenhang noch einen weiteren Tipp: Verbraucher sollten darauf achten, "dass Sie nach jeder Reinigung einen sogenannten Tankrevisions- oder Zustandsbericht von Ihrem Tankschutzunternehmen bekommen", steht auf der Seite des IWO (www.zukunftsheizen.de) zu lesen.

Dieser gebe laut Lucks Auskunft über den aktuellen Zustand des Tanks. In dem Formular werden alle etwaigen festgestellten Schäden und Mängel dokumentiert.

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