Home Staging: Eingerichtete Wohnungen verkaufen sich schneller

Home Staging : Eingerichtete Wohnungen verkaufen sich schneller

Das sogenannte Home Staging wird bei Immobiliengeschäften oft unterschätzt. Doch eingerichtete Wohnungen verkaufen sich schneller.

Den Eigentümer einer Immobilie, der diese verkaufen will, und seinen Makler interessieren vor allem zwei Punkte: Wie lässt sich die Wohnung beziehungsweise das Haus möglichst zeitnah und vor allem zu einem guten Preis verkaufen? Hilfreich bei der Umsetzung eines schnellen, ertragreichen Verkaufs könnten die Dienste eines entsprechend ausgebildeten Home Stagers sein, glaubt Maria Soltau. Dabei gehe es – entgegen mancher Vorurteile – weder um Design und Innenarchitektur, noch das „Aufhübschen“ einer Immobile.

Vielmehr sei Dreh- und Angelpunkt „das Aufarbeiten, Renovieren und Einrichten, mit für jede Immobilie individuell zusammengestelltem Mobiliar und zwar einzig und allein zu Vertriebszwecken“, sagt die Sankt Augustinerin, die als IHK-zertifizierte Home Stagerin arbeitet. Das Ergebnis sei „eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“. Schließlich könne ein um bis zu 15 Prozent erhöhter Kaufpreis erzielt werden, „bei um 50 Prozent verringerter Verkaufszeit.“ Angesichts solch verbesserter Verkaufschancen wundert es Soltau, „dass Makler oft eine mangelnde Vorstellung und dem Ergebnis einer entsprechenden Maßnahme haben.“ Ob das tatsächlich stimmt, wollte der General-Anzeiger von Maklern aus der Region wissen. Zudem, welchen Stellenwert Home Staging bei der Vermarktung hat.

Was die verbesserten Zahlen beim Verkauf einer entsprechend aufgewerteten Immobilie angeht, bekommt Maria Soltau Recht von der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign (DGRH), der sie ebenfalls angehört: „Dies sind natürlich durchschnittliche Zahlen, was auch bedeutet, dass diese Werte regelmäßig – auch was die Verkaufspreise angeht – überschritten werden“, erklärt Vorsitzende Iris Houghton. Die Ergebnisse des Verbandes würden seit vier Jahren in einer Statistik veröffentlicht (www.dghr-info.de).

Das ursprünglich aus den USA stammende Prinzip ist laut DGHR „Teil des Immobilienmarketings und verkaufsfördernde Maßnahme“. Es soll für den Verkauf ein Ambiente schaffen, „von dem sich die Mehrheit der Kaufinteressenten angesprochen fühlt und die Nachfrage an dem Verkaufsobjekt erheblich steigert“. Schließlich seien lose Tapeten, dunkle Räume oder verwilderte Gärten oftmals ein Hinderungsgrund, „dass der Verkäufer nicht seinen gewünschten Preis für die Immobilie erzielen kann“. Professionelle Stager gibt es vereinzelt seit 2006/2007. Der Berufsverband wurde im Mai 2010 von zwölf Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.

Deutschlandweit gebe es rund 300 professionelle Unterstützer, von denen rund 200 in der DGHR organisiert sind, und die meisten auch von der Gesellschaft ausgebildet worden seien. In NRW zählt ihr Verband rund 25 Prozent der professionellen Home Stager: „Von Anfang an war es das Bundesland mit der höchsten Konzentration an Profis“, führt Houghton aus. Auch sei mittlerweile eine Qualifizierung für den Berufszweig geschaffen; „Nach intensivem Austausch mit der IHK Wiesbaden gibt es seit 2017 die Möglichkeit, nach dem Besuch des DGHR Basic- und Businessgrundkurs den Titel Home Stager (IHK) zu erlangen“, führt sie aus. Dies sei eine Möglichkeit für den Verbraucher, „die Spreu vom Weizen zu trennen“.

Obwohl Houghton ihre Kollegen ihre Dienste seit Jahren anbieten, würden in Maklerkreisen „immer noch viele sehr vage und unrichtige Vorstellungen kursieren. Etwa die, dass beispielsweise Home Stager die Möblierung nur für Fotoaufnahmen vornehmen. Richtig ist aber laut der DGHR-Vorsitzenden: „Die Möbel bleiben in der Immobilie, bis der Kaufvertrag unterzeichnet ist.“

Wie sich genau Home Staging nutzen lässt, „ist hierzulande häufig unklar“, sagen auch Anke Krause und Tanja Sessinghaus, die ein Maklerbüro in Bad Godesberg und Wachtberg haben. Dabei nutzen beide die Dienste der Godesberger Inneneinrichterin Alexandra Weimann, einer diplomierten Designerin für Möbel und Wohnraumgestaltung, die vor allem bei sanierungsbedürftigen Immobilien digitales Home Staging einsetzt: „Damit der potenzielle Käufer sowohl die Immobilie in der Realität sehen als auch eine Idee der Zukunft erhalten kann“, erklärt Alexandra Weimann. Home Staging zum Anfassen eignet sich nämlich aus Sicht von Sessinghaus und Kraus „nicht für jedes Objekt.“ Insbesondere bei sanierungsbedürftigen Objekten – und das sei im Wohnimmobilienmarkt aufgrund des Generationswechsels sehr häufig der Fall – halten beide „die Methode nicht unbedingt für jeden geeignet“. Schließlich wolle man offenlegen, dass umfangreiche Umbauten notwendig seien.

Bei Neubauprojekten sowie im Kontext exklusiver, nicht eingerichteter Objekte bietet es sich laut Maklerin Krause aber durchaus an, die Räume zu Verkaufszwecken gestalten zu lassen „Hier kann Home Staging den Wert der Immobilie hervorheben und ein stimmiges Gesamtbild erzeugen“, führt sie aus. Allerdings würde nur dann ein Profi den Auftrag bekommen, „wenn er einen differenzierten Bestand an hochwertigen Möbeln und Einrichtungsgegenständen im Fundus hat“.

Ähnlicher Ansicht ist Julia Braschoß, Vize-Vorsitzende des Maklerverbandes IVD West: „Aus unserer Sicht eignet sich dieses Konzept hauptsächlich für die ,besondere' Immobilie. Das kann eine Immobilie im Hochpreissegment oder eine schwer vermittelbare Immobilie sein.“ Die durchschnittliche Immobilie werde allerdings in der Region Köln/Bonn überwiegend gut am Markt aufgenommen, solange der Preis richtig eingeschätzt werde.

Nach den Erfahrungen von Roland Kampmeyer, Geschäftsführer eines in Köln und Bonn tätigen Immobilienunternehmens, kann die Methode von Fall zu Fall ein durchaus nützliches Verkaufsinstrument sein. Und zwar dann, wenn etwa nach einer Erbschaft leer geräumte Häuser vermarktet werden sollen: „Dann kann Home Staging wirklich Gutes tut, weil die meisten Menschen nur wenig Vorstellungskraft haben.“

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