Strom und Wärme aus einer Quelle: Diese Vorteile hat eine Brennstoffzellenheizung

Strom und Wärme aus einer Quelle : Diese Vorteile hat eine Brennstoffzellenheizung

Fachleute aus der Region erklären, welche Vorteile eine Brennstoffzellenheizung bringt – und für welche Immobilienbesitzer sich die Anschaffung lohnt.

Bei der Klima- und Energiewende im Heizungskeller sind die Japaner den Deutschen ein gutes Stück voraus. Dort kommen nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW bereits mehr als 100 000 Heizungsanlagen zum Einsatz, die mit einer Brennstoffzelle betrieben werden. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im Jahr 2015 kaum mehr als 1000 Geräte in den Heizungskellern zwischen Flensburg und Freiburg.

Was die Technik für Immobilienbesitzer so interessant macht, erklärt das Fachportal energie-experten.org (www.energie-experten.org/heizung/brennstoffzelle/brennstoffzellen-heizung.html): „Brennstoffzellen-Heizungen werden einfach nur an das Erdgasnetz angeschlossen und erzeugen dann per Brennstoffzelle Strom und Wärme.“ Durch den hohen Gesamtwirkungsgrad von 90 Prozent ließen sich Heiz- und Stromkosten einsparen „und CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent reduzieren“.

Die Branche ist jetzt optimistisch, dass sich auch hierzulande die Verkaufszahlen nach oben entwickeln werden. Und dafür gibt es gute Gründe: „Heizungen mit einer Brennstoffzelle sind inzwischen marktreif, und eine Reihe von Herstellern bieten solche Anlagen an“, erklärt Stephan Herpertz, Energieberater bei der Bonner Verbraucherzentrale. Darüber hinaus würden diese Anlagen kompakter und immer zuverlässiger arbeiten.

Den Clou der Technik bringt Herpertz so auf den Punkt: „Es lassen sich gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen.“ Das Prinzip der Brennstoffzellen-Heizung vergleicht er mit einer Batterie: „Auch hier kommt es in einer Zelle zu einer chemischen Reaktion zwischen zwei Elektroden.“ Bei der Brennstoffzellen-Heizung würden Wasserstoff, der vorher aus Erdgas „herausgeholt“ wird, und Sauerstoff aus der Luft kontinuierlich von außen zugeführt. Vereinfacht ausgedrückt entstehe bei dieser Zusammenführung wie bei einer „normalen“ Verbrennung nicht nur Wärme, die zum Heizen genutzt werden kann, sondern sie liefert auch Strom für den Haushalt.

Hoher elektrischer Wirkungsgrad

„Bei der Brennstoffzelle kann der produzierte Strom entweder im eigenen Haus verbraucht oder ins öffentliche Netz eingespeist werden“, führt der Energieberater aus. „Der hohe elektrische Wirkungsgrad von bis zu 60 Prozent ist ein wesentlicher Vorteil dieser Technik.“ Durch den kontinuierlichen Betrieb der Brennstoffzelle sei eine zusätzliche Speicherung des Stroms nicht unbedingt erforderlich. Zu beachten ist dabei: „Da die Brennstoffzelle häufig allein nicht ausreicht, um einen Altbau mit Wärme und Warmwasser zu versorgen, bieten die meisten Hersteller ein Paket aus Brennstoffzellengerät und herkömmlichem Brennwertkessel an“, erklärt Stephan Herpertz.

Allerdings sollte zuvor ein Fachmann genau durchrechnen, „ob sich die Technik auch wirklich für den jeweiligen Haushalt empfiehlt“, sagt der Experte der Verbraucherzentrale. Schließlich sei ein Brennstoffzellenheizgerät in einem Einfamilienhaus dann sinnvoll, „wenn es eine möglichst hohe Laufzeit erreicht“. Produziert es dann genügend Strom, könnten Anlagenbesitzer die Mehrkosten durch den gesunkenen Stromverbrauch und die ausgezahlte Einspeisevergütung ausgleichen.

Aus Sicht von Lars Klitzke, Energieberater bei der Bonner Energie Agentur (BEA), ist die ganzjährige Verfügbarkeit von Strom und Wärme auch der entscheidende Vorteil gegenüber Photovoltaikanlagen (PV): „PV-Anlagen liefern während der Sonnenstunden und vornehmlich in den Sommermonaten einen hohen Ertrag.“ Die Brennstoffzelle laufe aber das ganze Jahr über und produziere dann den Strom, „wenn dieser gebraucht wird“, betont Lars Klitzke.

„Die Brennstoffzellen, die ich derzeit begleite, laufen etwa mit 7000 bis 7500 Vollbenutzungsstunden und liefern 16 Kilowattstunden Strom am Tag. Damit wird ein Autarkiegrad von 45-55 Prozent generiert.“ Eine Alternative ist die Brennstoffzellenheizung laut BEA-Energieberater Klitzke auch für Besitzer von Altbauten, von sanierten wie unsanierten Ein- und Zweifamilienhäusern. Und zwar dann, wenn die Eigentümer Interesse an eigener Stromerzeugung haben und gleichzeitig die Heizung austauschen müssen.

Preise sind deutlich gesunken

Ein gewichtiges Argument für den Einsatz einer Brennstoffzelle in der Heizung ist nicht zuletzt die Entwicklung der Preise: „Vor wenigen Jahren musste ein Hausbesitzer noch weit mehr als 40 000 Euro ausgeben, um sich eine solche Heizung installieren zu lassen“, sagt Stephan Herpertz: „Die neuen Anlagen liegen nur noch bei rund 20 000 bis 25 000 Euro, zuzüglich der Kosten für den Brennwertheizung und die Installation.“ Was eine Investition aus seiner Sicht zudem lukrativ macht: „Es gibt verschiedene Förderprogramme von Bund und Land, so zum Beispiel das Förderprogramm 433 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).“

Auch Klitzke geht von reinen Anlagenkosten von rund 22 500 Euro plus Anschluss aus: „Die Anschlusskosten und das Gasbrennwertmodul kann man als Sowieso-Kosten betrachten, da in der Regel eine neue Heizung eingebaut wird.“

Damit würden die reinen Mehrkosten für das Brennstoffzellenmodul nebst einem auf zehn Jahre befristeten Vollwartungsvertrag bei etwa 15 000 Euro liegen: „Hiervon zahlt die KfW einen Zuschuss in Höhe von 9300 Euro. Darüber hinaus wird jede eingespeiste und selbst genutzte Kilowattstunde durch den Netzbetreiber über zehn Jahre vergütet.“ Herpertz ergänzt, dass die Planungskosten für Ingenieure und Energieberater zusätzlich von der KfW über das Programm 431 mit bis zu 50 Prozent bezuschusst werden können

Klitzkes Fazit, der drei Brennstoffzellen-Beispiele in Bonn, der Grafschaft und im Rhein-Sieg-Kreis kennt, fällt positiv aus: „Die Technik hat sich bewährt und stellt eine echte Alternative auf dem Heizungsmarkt dar.“ Besonders bei Energiekonzeptionen zum Plus-Energiehaus könne die Brennstoffzellentechnik einen entscheidenden Beitrag leisten.

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