Faire Kleidung für Sport und Outdoor: Wie findet man sie?

GA-Serie „Der kleine Klima-Retter“ : Wo findet man faire Sport- und Outdoorkleidung?

Sport- und Outdoorbekleidung besteht zum Großteil aus Kunststoffen, die aufwendig aus Erdöl produziert werden und sich nur schwer recyceln lassen. Eine Suche nach alternativen Materialien für Joggingrunde und Wanderung

Die kalte Morgenluft im Gesicht, die Ruhe der Natur, die nur durch die dumpfen Schritte der Laufschuhe auf dem Boden und die eigene Atmung durchbrochen wird - für viele Sportler ist es die schönste Form der Bewegung, sei es beim Trailrunning in den Bergen oder bei einer Joggingrunde am Rhein. Eingehüllt in die neueste wärmeregulierende Funktionskleidung, nimmt der Läufer von der Natur nur die angenehmen Seiten wahr. Kälte und Schweiß halten schließlich die Kunstfasern fern. Und genau darin liegt das Problem. Polyester heißt das Material, das viele vor allem mit billigen Discoanzügen aus den 1970er Jahren assoziieren.

Sportkleidung besteht meist zu 100 Prozent aus dieser Mikrofaser. Ihre Vorteile sind überzeugend: Durch extrem kleine Poren ist sie schmutz- und wasserabweisend, sie absorbiert kaum Feuchtigkeit und trocknet daher im Vergleich zu Naturfasern besonders schnell. Zudem ist sie ein echtes Leichtgewicht.

Aber die beliebte Faser hat auch Nachteile, denn ihr Ausgangsstoff ist Erdöl. "Für die weltweite Produktion von synthetischen Chemiefasern werden weniger als ein Prozent des geförderten Erdöls benötigt", gibt die Industrievereinigung Chemiefaser an. Der weltweite Bedarf ist in den vergangenen Jahren jedoch stetig angestiegen: Waren es 1975 noch 7,44 Tonnen Kunstfasern, wurden im vergangenen Jahr insgesamt 66,6 Tonnen hergestellt. Bei der Produktion werden nicht nur Wasser, sondern auch Unmengen von Energie verbraucht.

Polyester vs. Baumwolle: Zwar niedrigerer Wasser-, aber deutlich höherer Stromverbrauch

Oben gebraucht, unten neu: Gut gepflegte Wanderschuhe können im Geschäft abgegeben und vom Hersteller neu besohlt werden. Foto: Benjamin Westhoff

Zwar wird bei der Herstellung von künstlichen Fasern nur ein Bruchteil von dem Wasser benötigt, das beim Anbau und der Verarbeitung von Baumwolle genutzt wird - ein Kilogramm Baumwolle verschlingt 10.000 Liter - , dafür lässt Polyester den Energiebedarf bei der Weiterverarbeitung in die Höhe schnellen. Ein einzelnes Baumwoll-T-Shirt hinterlässt etwa elf Kilogramm CO2. Bei einem T-Shirt aus Polyester sind es sogar mehr als 13 Kilogramm CO2.

Aber auch als fertiges Produkt bleibt Polyester nicht unproblematisch. Beim Waschen - und das lässt sich bei Sportkleidung nicht reduzieren - lösen sich einzelne Fasern und gelangen als Mikroplastik ins Grundwasser, in Seen und Meere, da sie aufgrund ihrer Größe nicht herausgefiltert werden können.

Der Blick in den eigenen Schrank liefert eine ernüchternde Erkenntnis. Egal ob Laufshorts, Yogahosen oder Trainingsjacke, alle enthalten sie Kunstfasern: Polyester, Polyamid, Nylon oder Elastan. Nur die dünne Yogamatte, die eigentlich nur aufgrund ihres geringen Gewichts gekauft wurde, erfüllt die klimafreundlichen Standards: Sie besteht aus Naturkautschuk und ist damit komplett biologisch abbaubar. Es wird also Zeit, sich nach umweltfreundlicheren Alternativen für Sportkleidung und Ausrüstung umzusehen.

Im Internet haben sich einige Blogs darauf spezialisiert, Marken und Onlineshops aufzulisten, die faire und nachhaltige Mode und Sportartikel fertigen und verkaufen. Zusätzlich gibt es Tipps, auf welche Kriterien man beim Kauf achten sollte und welche alternativen Fasern für Sportler auf dem Markt zu finden sind, beispielsweise werden für Läufer Hosen und Shirts aus Merinowolle gefertigt, eine österreichische Firma hat sogar einen Laufschuh komplett aus der Wolle entwickelt. Aber auch Tencel, auch Lyocell genannt, eine Naturfaser aus Eukalyptusholz, taucht immer wieder auf. Und auch Sportgeräte gibt es plastikfrei: Faszienrollen aus Holz aus dem Schwarzwald, Yogamatten aus Kork, Schurwolle, Naturkautschuk oder recyceltem Plastikmüll. Aber gibt es diese Exoten auch vor Ort in den Bonner Geschäften zu kaufen?

Erster Versuch: Fairtrade-Frage erntet Kopfschütteln

Im ersten Laden, der Fairtrade- und Biomode verkauft, gibt es nur ein Kopfschütteln auf die Frage nach nachhaltiger Sportmode. Immerhin hängt dort kein einziges Teil aus Polyester. Für Yoga und Pilates empfiehlt die Verkäuferin Leggins und T-Shirts aus Baumwolle.

"Es ist vielen Leuten noch relativ egal", sagt Holger Kandel, Geschäftsführer bei "InterSport Sportpartner" in Bonn. Im Erdgeschoss des Sportladens gibt es zwei Hersteller, die ihre Laufshirts und Laufhosen bereits nachhaltig produzieren. Bis vor Kurzem hing dort auch noch eine Tenniskollektion, die aus recyceltem Meeresplastik gefertigt wurde. Selbst Profi-Fußballer laufen mittlerweile mit Trikots aus recycelten Kunststoff aufs Spielfeld. "Generell steigt der Anteil in der Produktion an recycelten Kunststoffen", erklärt Kandel.

Im Sommer gab es eine Badekollektion aus alten Fischernetzen und weiteren Plastikkleinteilen, die aus dem Meer gefischt wurden. Einen Unterschied im Tragekomfort macht das nicht, den Fühltest bestehen beide Varianten. Dennoch ist der Einsatz von recycelten Fasern nicht ganz unumstritten. So warnt die Deutsche Umwelthilfe vor Materialien, die aus Meeresplastik bestehen. Der Grund: Da Kunststoffe mit ihrer Umgebung Wechselwirkungen eingehen, können sich Schadstoffe ansammeln, wie etwa Dioxine oder polychlorierte Biphenyle.

Das Thema Nachhaltigkeit versucht Kandel bei der Bestellung der Produkte im Blick zu behalten. "Wenn es eine nachhaltige Alternative gibt, nehmen wir diese", erklärt er. Von "InterSport" gibt es selbst Richtlinien zum Thema Umwelt- und Klimaschutz und welche Marken überhaupt in den Verkauf gehen. Zwar fragen immer mehr Kunden nach fair und umweltfreundlich produzierter Ware, dennoch sei für viele oftmals der Preis entscheidender.

Fortschrittlicher als die Sportmode ist hingegen der Outdoorsektor. In der Abteilung zeigt Kandel gleich mehrere Jacken, Schuhe und Ausrüstung. So wird PVC, das als Beschichtung auf Winterjacken eingesetzt wird, von immer mehr Herstellern verbannt. "Das ist ein Material, das sich schwer recyceln und abbauen lässt", erklärt er. In der zweiten Etage steht auch ein veganer Wanderschuh im Regal. Der verwendete Klebstoff ist frei von tierischen Produkten. Die meisten Schuhe werden in Deutschland oder Tschechien produziert, auch um die Transportwege möglichst kurz zu halten. Wichtig ist laut Kandel aber auch etwas anderes - die Langlebigkeit. Im Lager holt er ein Paar Wanderschuhe hervor, das jeweils eine neue Sohle bekommen hat. "Das ist tatsächlich möglich, wenn das Oberflächenmaterial gut gepflegt wurde", sagt Kandel. Dadurch lässt sich die Lebensdauer des Schuhwerks verlängern.

Alte Laufschuhe an Laufladen Bonn spenden

Alte Laufschuhe nimmt der Laufladen Bonn entgegen. Dort werden die Treter gesammelt und sortiert. Je nach Zustand werden sie für soziale Projekte gespendet oder fachgerecht entsorgt, damit die Materialien recycelt werden können. Dort finden sich auch Mützen und Socken aus der Polyester-Alternative Merinowolle im Angebot.

Wer nicht auf Polyester-Kleidung verzichten kann oder möchte, sollte sich jedoch überlegen, wie viele Sport- und Outdoorkleidungsstücke man wirklich braucht. Ein guter Anhaltspunkt ist die Zahl der durchschnittlichen Trainingseinheiten pro Woche, ebenso die Art der Sportart. Wer im Fitnessstudio eine halbe Stunde aufs Laufband steigt oder einen Pilateskurs besucht, benötigt andere Kleidung als ein Marathonläufer, der bei jedem Wetter draußen trainiert. Wer im Siebengebirge wandern geht, muss keine für eine Polarexpedition taugliche Outdoorjacke besitzen. Und ebenso wichtig: Seine Kleidungsstücke lange tragen, pflegen und gegebenenfalls reparieren lassen. Damit lässt sich die morgendliche Joggingrunde durch die Natur auch gleich besser genießen.

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