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Eichenprozessionsspinner: Was Sie rund um die Raupen wissen sollten

Raupen kommen zurück : Was Sie rund um den Eichenprozessionsspinner wissen sollten

Der Frühling bringt neben buntblühenden Blumen Plagegeister wie den Eichenprozessionsspinner mit sich. Die sogenannten Brennhaare des Tieres können bei Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen. Der Landesbetrieb Straßen NRW will deshalb auch dieses Jahr die Schädlinge bekämpfen.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind vielerorts im Sommer eine echte Plage. Vor allem 2019 gab es eine starke Population, die auf einen mild warmen Frühsommer zurückzuführen war. Und anders als bei vielen Schädlingen stören sich daran nicht nur Land- und Forstwirte oder Hobbygärtner. Denn die giftigen Haare der Tiere sind gesundheitsgefährdend.

Was ist der Eichenprozessionsspinner?

Ein nachtaktiver Schmetterling. Ein Problem sind vor allem seine Raupen, wie das Umweltbundesamt erklärt: Ab dem dritten Larvenstadium, das sie meistens zwischen April und Mai erreichen, entwickeln sie sogenannte Brennhaare, die beim Menschen gesundheitliche Probleme verursachen können. Häufig sind juckende Hautreizungen, die oft mehrere Tage bestehen bleiben, auch Reizungen der Atemwege und Augen kommen vor. In seltenen Fällen kann der Kontakt mit den Brennhaaren allergische Schocks und Symptome wie Fieber auslösen.

Wo tritt der Eichenprozessionsspinner auf?

Jahrelang gab es ihn nur in manchen Regionen, inzwischen ist er nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) aber bundesweit anzutreffen. Bevorzugt befallen die Raupen ältere Eichen mit viel Sonne - also vor allem solche, die zum Beispiel an Waldrändern, an Wegen oder in Siedlungen stehen. Die Raupen sammeln sich in Baumkronen, Astgabeln und am Stamm. Dort bilden sie auch sogenannte Gespinstnester, in denen sich die Raupen schließlich verpuppen.

Wie stark ist der Befall in der Region?

An den Landstraßen, die Straßen.NRW betreut, zeigt sich laut Baumkontrolleur Lothar Bungart in der Region nur wenig Befall. Der Grund: „Die vorherrschenden Baumarten an den Straßen hier sind Ahorn und Linde.“ Da sich die Raupe des Eichenprozessionsspinners aber auf Eichenblätter und Triebe spezialisiert hat, kommt die Region derzeit glimpflich davon. Bungart sagt: „Ich habe die Raupen bisher nur auf einem ohnehin gesperrten Parkplatz in Witterschlick beobachtet.“ In der Region am Niederrhein komme es dagegen an den Landstraßen teils zu viel stärkerem Befall, sagt Bungart. Der Grund: Dort gibt es Alleen aus Eichen. Doch der Trend sei klar: Die Raupen bewegen sich Bungart zufolge von Jahr zu Jahr entlang der Flusstäler weiter nach Süden und Osten. Im vergangenen Sommer waren die Raupen in der Bonner Rheinaue und in Bornheim aufgetreten. In Bonn gab es - Stand 27. April 2020 - noch keine Sichtungen des Eichenprozessionsspinners.

Und wenn der Eichenprozessionsspinner in meinem Garten ist?

Vor allem: Nicht anfassen, ganz egal ob es sich um lebende Tiere oder alte Gespinstnester handelt. Denn auch die können dem Menschen noch gefährlich werden. Stattdessen rät das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen (MULNV NRW), jeden Befall der zuständigen Kommune zu melden, im Wald wie im heimischen Garten - und dann gegebenenfalls einen Schädlingsbekämpfer zu holen.

Was wird gegen die Raupen unternommen?

Der Landesbetrieb Straßen NRW bekämpft die Raupen des Eichenprozessionsspinners entlang der Straßen und Wege. Dabei werden gezielt Bäume, die im vergangenen Jahr von den Raupen befallen wurden, mit einem Pflanzenschutzmittel auf Basis des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis besprüht, sagte eine Sprecherin von Straßen.NRW. Das Mittel sei für Menschen und andere Säugetiere aber ungefährlich. Die Bekämpfung des Landesbetriebs zielt darauf ab, die Raupen zu töten, bevor sie das Gift entwickelt haben.

Die Regionalniederlassung Niederrhein hat mit den Maßnahmen bereits begonnen. Am 20. April gab der Landesbetrieb bekannt, dass in den Kreisen Viersen, Kleve und Wesel Sprühfahrzeuge befallene Eichen an den Bundes- und Landesstraßenrändern bearbeiten werden. Danach werde die Bekämpfung aus der Luft beginnen. Befallene Bäume, die höher als 20 Meter sind und deren Kronen nicht durch die Turbinenspritzen der Sprühfahrzeuge erreicht werden können, werden mit Hilfe eines Helikopters besprüht.

Was tun bei gesundheitlichen Problemen?

Die sind trotz aller Vorsicht nicht ausgeschlossen: Laut SDW kann der Wind die giftigen Haare bis zu 300 Meter weit tragen. Nach einem versehentlichen Kontakt rät das MULNV NRW zunächst zu einer Dusche mit Haarwäsche und einem Kleiderwechsel, Brennhaare auf der Haut lassen sich eventuell mit Klebeband entfernen. Gegen den Juckreiz gibt es Cremes und Gels mit Kortison, erklärt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Auch Antihistaminika in Tablettenform können helfen. Bei Atem- oder Augenproblemen sollten Betroffene immer zum Arzt gehen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Das NRW-Umweltministerium hat einen aktualisierten Leitfaden für den Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner herausgegeben. Er kann kostenfrei heruntergeladen werden.

(mit Material von dpa)