Grippewelle: Ab wann bin ich zu krank zum Arbeiten?

Grippewelle : Ab wann bin ich zu krank zum Arbeiten?

Sich schon mit leichtem Schnupfen krank melden oder mit Fieber noch zur Arbeit gehen? Wo Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit anfängt und ab wann man besser zuhause bleiben sollte.

Trotz Krankheit auf der Arbeit zu erscheinen, ist für viele Arbeitnehmer ganz normal. Laut den Untersuchungen des deutschen Gewerkschaftbundes (DGB) aus den Jahren 2016 und 2017 gehen zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer mindestens einmal im Jahr krank zur Arbeit.

Der Fachbegriff für dieses Phänomen ist der "Präsentismus". In der Arbeitspsychologie und -medizin bezeichnet der Begriff das Verhalten von Arbeitnehmern, die sich trotz Krankheit zum Arbeitsplatz begeben. Gründe dafür liegen laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unter anderem an häufig großem Leistungs-, Zeit- und Termindruck sowie der Angst, seinen Job zu verlieren. Soziale Berufsgruppen wie Erziehungs- und Gesundheitsberufe und die Baubranche seien am häufigsten betroffen.

Bei welchen Symptomen man zuhause bleiben sollte

Leichter Schnupfen, Husten oder Kopfschmerzen sind noch keine Gründe krankgeschrieben zu werden, so Michael Deeg, der Sprecher des Berufsverbandes der HNO-Ärzte, im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass niemand angesteckt wird. Benutze Taschentücher gehören sofort in den Mülleimer, und die Hände sollten häufiger als sonst gewaschen werden. Auch Händeschütteln oder große Menschenansammlungen sollten vermieden werden - zum Schutz der eigenen, aber auch der Gesundheit anderer Mitarbeiter.

Bei Fieber, Gliederschmerzen und gelblichem Auswurf beim Husten oder Naseputzen raten die Ärzte dazu, zuhause zu bleiben. Fieber zeigt, dass der Körper gegen einen Krankheitserreger kämpft. Somit sollte man seinen Körper unterstützen und sich ausruhen und im Bett bleiben. Gelblicher Auswurf weist auf einen bakteriellen Infekt hin und muss eventuell mit einem Antibiotika behandelt werden.

Auch Durchfall und Erbrechen sind Zeichen dafür, dass man nicht zur Arbeit gehen sollte. Alleine aus praktischen Gründen sollte man im Bett bleiben, aber auch der hohe Wasserverlust ist nicht zu unterschätzen.

Folgen des Präsentismus

Wer trotz der oben genannten Symptome zur Arbeit geht, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitarbeitern und seinem Arbeitgeber. Ist der Körper nicht fit, kann die Arbeit nicht voll und ganz so gemacht werden, wie im gesunden Zustand. Es kann weniger geleistet werden, und Fehler treten deutlich häufiger auf. Davon hat weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber einen Vorteil.

Außerdem ist es gesundheitlich gefährlich, mit einer Erkrankung, wie zum Beispiel dem Norovirus, zur Arbeit zu kommen, erklärt Anette Wahl-Wachendor, Vizepräsidentin des Verbandes deutscher Betriebs- und Werksärzte, der Rheinischen Post. Bei Erkältung muss vor allem körperliche Arbeit vermieden werden, da es schädlich für das Herz sei. Aber auch für Bürojobs gilt: Wenn man nicht mehr in der Lage ist, produktiv zu arbeiten, sollte man auf die Signale seines Körpers hören und ihm Ruhe gönnen.

Auch andere Mitarbeiter werden es einem danken, wenn man mit einer Erkrankung zuhause bleibt. Denn durch ständiges Husten und Niesen werden die Erreger im ganzen Büro verteilt, und so werden möglicherweise noch Kollegen angesteckt.

Wenn die Kinder krank sind

Die Devise, dass Arbeitnehmer nicht zur Arbeit gehen sollten, wenn sie krank sind, lässt sich auch auf Kinder und den Besuch der Schule übertragen. Die Zeichen dafür, dass ein Kind krank ist und zuhause bleiben sollte, sind gleich: Bei Fieber, Erbrechen und Durchfall gehört ein Kind ins Bett. Ganz wichtig zu beachten sind ansteckende Erkrankungen wie Windpocken und Masern. Kinder, die an solchen Erkrankungen leiden, dürfen auf keinen Fall in die Schule gehen.

Bei ungeklärten Hautausschlägen oder anderen Sachen, bei denen sich Eltern nicht sicher sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden, bevor das Kind eine Gemeinschaftseinrichtung besucht.

Eltern von kranken Kindern haben ein Recht darauf, von der Arbeit freigestellt zu werden, so Michael Henn vom Verband deutscher Arbeitsrecht-Anwälte in Stuttgart. Hierzu gilt, dass man bis zu fünf Tage im Jahr auch einen Anspruch auf Lohnfortzahlung hat, wenn man aufgrund der Erkrankung eines seiner Kinder fehlt.

Wenn dies jedoch nicht im Arbeits- und Tarifvertrag mit inbegriffen ist, greift für gesetzlich Krankenversicherte die Krankenkasse ein. Eltern von Kindern unter zwölf Jahren, die pflegebedürftig sind, können sich bis zu zehn Tage im Jahr für die Pflege freinehmen und bekommen statt Lohnfortzahlung Kinderkrankengeld.

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