Pizza in anderen Formen: Rolle am Stiel

Pizza in anderen Formen : Rolle am Stiel

Pizza muss keine Scheibe sein. Ob als Pops, Strudel, Sonne oder Blume – es kommt nicht auf die Form, sondern einzig auf den Geschmack an.

Die Pizza ist eine Scheibe. So lautet das Gesetz – tatsächlich. Aber nur für den, der in Italien eine Pizzeria betreibt und dort eine Margherita backt. In der eigenen Küche jedoch gibt es keine Gesetze, da herrscht die verbriefte Freiheit, dass man seiner Pizza genau die Form geben darf, auf die man gerade Lust und Laune hat.

Die einer Sonne vielleicht, in der Mitte ein großes Loch, dafür am Rand mit Teigstrahlen ausgestattet, die sich über Pfifferlinge und Haselnüsse legen. Oder zum Zopf geflochten, der mit Kalbshack, Auberginen und Oliven gefüllt wird. Oder mit Rucola-Pesto zu Stangen gedreht, die sich ganz einfach mit der Hand anpacken lassen. Was der Fantasie dabei Grenzen setzt, ist allenfalls die Fantasie selber. Und deshalb sollte man sich von Bérengère Abrahams kleinem Büchlein „Pizzablumen & Pinwheels „inspirieren lassen.

Bei Abraham kommen zwei naturgegebene Talente zusammen: Sie wurde nicht nur als Tochter eines Kochs geboren und hat quasi die Kindheit beim Vater in der Küche verbracht, sie hat zudem auch Kunst studiert und arbeitet heute als Food Stylistin. Beide Voraussetzungen setzt sie bei ihren Pizza-Kreationen auf animierende und appetitliche Art und Weise um.

Vermutlich hilft ihr dabei auch, dass sie Französin ist – und die Pizza nicht als unantastbares Heiligtum betrachtet, wie es in Italien quasi üblich ist. Dort hat der Teig mit Belag sozusagen Ikonen-Status, hat seine Karriere als Armeleute-Essen in Neapel im 14. Jahrhundert begonnen und es bis zum königlichen Mahl gebracht. 1889 wurde die Pizza Margherita anlässlich eines Neapel-Besuchs des italienischen Königpaares Umberto I. von Savoyen und dessen Gattin Margherita der Königin gewidmet.

Heute ist just jene Margherita eine per Gesetz EU-weit geschützte traditionelle Spezialität: als Scheibe in einer Größe von bis zu 35 Zentimetern mit Tomatenwürfeln darauf mit einer Kantenlänge von acht Millimetern, Olivenöl der Kategorie extra vergine und Mozzarella aus Büffelmilch, gebacken bei 485 Grad.

Abraham scheint der gebührende italienische Respekt abzugehen. Sie fügt ihren Pizzen jeweils eine große Prise gestalterische Selbstständigkeit zu. Da wären beispielsweise ihre Versionen der Stern-Pizza, die eigentlich ganz einfach geht: Am Rand wird der Teig eingeschnitten und die Ecken des Teigs nach innen zu sternförmigen Spitzen gefaltet. Der Belag: herzhaft mit gegrillter Paprika oder süß mit Schoko-Nuss-Creme und Bananen.

Oder die putzigen Pizza-Pops. Dafür wird der Teig in Streifen geschnitten, Zucchini daraufgelegt und eingerollt. Sieht gut aus, schmeckt gut – und eignet sich als handlicher Party-Snack.

Ohnehin hat sich Pizza vom Fast Food aus der Pappschachtel längst zum Trendgericht entwickelt. Während die Gourmetköche schon mal Trüffel oder Kaviar auf den Teig geben, lassen sich Hotspots wie die Pizzeria 485° in Köln Kreationen wie „Meat Love“ einfallen lassen mit Bresaola vom Black-Angus-Rind oder „Fat Duck“ mit Barbarie-Entenbrust. Es kommt eben nicht drauf an, wie die Pizza aussieht, sondern einzig und allein, das sie schmeckt.

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