Auch Arbeitsplätze in Bonn gefährdet: Gewerkschaft kritisiert Konsum von Billig-Fleisch

Auch Arbeitsplätze in Bonn gefährdet : Gewerkschaft kritisiert Konsum von Billig-Fleisch

Viel und billig soll das Fleisch zur Grillsaison sein. Diese Logik hat Konsequenzen. Auch Jobs in Bonn stehen laut der Lebensmittel-Gewerkschaft NGG auf dem Spiel.

Hunderte Euro für einen Grill auszugeben, ist nichts Besonderes mehr, die Freunde zum Wintergrillen einzuladen auch nicht. Mancher setzt gleich auf eine Steinzeit-Diät – mit viel Fleisch. Zwölf Euro kostet das Hochglanz-Magazin "Beef" – Losung: „Männer kochen anders.“

Gleichzeitig finden das 600 Gramm Nackensteak für 2,19 Euro oder die 280 Gramm Bratwurst zum Angebotspreis von 0,99 Euro zahlreiche Abnehmer beim Discounter. Während der Grillsaison werben Supermärkte mit preisgünstigen Angeboten. Die Grillkohle gibt es beim Kauf von Fleischprodukten mitunter sogar geschenkt. Viele Verbraucher wollen die billigen Schnitzel und Steaks, der Bauer und die Fleischindustrie liefern sie. Die Verwertungslogik, die hinter dieser Konsumkultur steckt, hat weitreichende Konsequenzen.

Ausländische Subunternehmer ermöglichen "Rabattschlachten"

Nach Angaben der Arbeitsagentur sichert die Fleischverarbeitung rund 70 Arbeitsplätze in Bonn, in Fleischereien und Metzgereien kommen allein im Verkauf noch einmal 110 Jobs hinzu. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Köln (NGG) am Freitag mit. Und genau diese Stellen seien bedroht, wenn immer mehr und immer billiger produziert wird.

Firmen setzen laut NGG in der Schlachtung und Fleischverarbeitung zu oft auf Niedriglöhne. Auch dies habe direkt mit dem Preiskampf zu tun. „Häufig werden Subunternehmer aus dem Ausland engagiert, die ihren Beschäftigten teils sogar den Mindestlohn vorenthalten“, erklärt NGG-Geschäftsführer Mohamed Boudih.

Die sozialen und ökologischen Folgen der Fleischproduktion

Regelmäßig decke der Zoll organisierte Schwarzarbeit auf. Die Lebensmittel-Gewerkschaft fordert deshalb verpflichtende Branchen-Standards: „Nur wer eine Ausbildung hinter sich hat, sollte schlachten und Fleisch zerlegen dürfen. Und diese anstrengenden Jobs müssen auch vernünftig bezahlt werden.“ Statt auf das Billig-Prinzip zu setzen, sollten Discounter mit gutem Beispiel vorangehen und sich gemeinsam zu fairen Mindestpreisen bekennen, so Bouhid.

Die NGG Köln rät Verbrauchern außerdem, nicht unbedingt die niedrigsten Preise zu zahlen. Finanziell macht das nach Einschätzung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sogar Sinn. „Das billigste Fleisch ist das teuerste“, sagt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Was er meint: „Wir zahlen den scheinbaren Preis an der Ladentheke und dann zahlen wir als Steuerzahler das Doppelte für die ökologischen und sozialen Folgeschäden.“

Welchen Preis man für den eigenen Fleischkonsum tatsächlich bezahlt, erfährt man also nicht unbedingt an der Ladentheke.

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