Trockene Spitzenweine: Das sind die Großen Gewächse 2018

Trockene Spitzenweine : Das sind die Großen Gewächse 2018

Der nächste Jahrgang der trockenen Spitzenweine des Verbands der Prädikatsweingüter kommt auf den Markt: 515 Große Gewächse, darunter Riesling, Weißer Burgunder, Spätburgunder und Lemberger. Welche man sich davon unbedingt in den Keller legen sollte?

Riechen, nippen, spucken, schreiben – diesem vertrauten Rhythmus folgten Weinkritiker aus aller Welt wieder in Wiesbaden und Berlin, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen von den Großen Gewächsen (GG) des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP). Das GG ist der beste trockene Wein aus einer Großen Lage, die vom VDP und seinen 197 Mitgliedern nach burgundischem Vorbild festgelegt worden ist. Diese Woche kam der neue Jahrgang auf den Markt, 2018 bei den Weißweinen, 2017 bei den Rotweinen. Manche Winzer, die ihren Weinen eine längere Reife auf der Hefe und im Fass gönnen wollten, stellten auch ältere Jahrgänge vor. 515 Weine standen insgesamt zur Verkostung, es war also ein herausfordernder Weinmarathon, selbst für Profis. Ein Überblick:

Jahrgang 2018 für Weiß

Ein heißer Sommer, insgesamt ein warmes Jahr – manche Reben litten unter Trockenstress und einige Trauben unter Sonnenbrand. Die Temperaturen sorgten am Ende für eine hohe Reife mit hohem Zuckergehalt bei niedrigeren Säurewerten. Da half auch keine frühe Lese, die teils schon im August begonnen hatte: Der Jahrgang 2018 ist ein körperreicher, im besten Fall mit sanfter Säure, in weniger gelungenen Beispielen mit einer krassen und scharfen, wo spürbar aufgesäuert wurde.

Jahrgang 2017 für Rot

Frost, Trockenheit, Hagel – da kam einiges zusammen, bevor das Weinjahr mit einem kühleren Herbst in einem Happy End ausklang. Die Roten und die wenigen Weißweine aus 2017 überzeugten mit mehr Frische und Struktur.

Rieslinge von der Mosel

Ein Weingut übertrifft alle anderen, weil ihm die ganze Kollektion herausragend gelungen ist. Van Volxem von der Saar zeigt keine Schwäche, sondern nur starke Weine, bei denen sich der Scharzhofberger Pergentsknopp an die Spitze aller Moselweine setzt. Daneben bemerkenswert: der Würzgarten von Dr. Loosen, der von dem vulkanischen Boden und dem Rotliegenden Kraft und Eleganz mitbekommen hat. Das Goldtröpfchen von Schloss Lieser, der Feils von Peter Lauer und der Bockstein Z von Nik Weis – St. Urbans-Hof halten mit.

Rieslinge aus dem Rheingau

Schloss Johannisberg kehrt den ehemals weichen Noten des biologischen Säureabbaus den Rücken und präsentiert einen Riesling mit fruchtig frischem Zug. Der Wisselbrunnen der Gebrüder Spreitzer lockt verführerisch mit erfrischender Klarheit und angenehmer Reife, während sich die Weiß Erd von Künstler puristisch, lebhaft, zitrusbehaftet und schlank vorstellt. Achim von Oetinger schickt mit Siegelsberg und Marcobrunn gleich zwei GGs mit wohldosiertem Aromenspiel und strukturgebenden Phenolen ins Rennen. Die charaktervollen Kühn-Rieslinge des Jahrgangs 2017, speziell St. Nikolaus, scheinen indes wie aus einer anderen Welt.

Rieslinge von der Nahe

Die Nahe hat ihre beiden Konstanten. Dönnhoff ist zuständig für Eleganz und Zartgliedrigkeit, die sich am schönsten im Felsenberg ausdrückt. Und Schäfer-Fröhlich steht zu seinen typischen reduktiven rauchigen Noten, hinter denen der Felseneck die meiste Kraft und Nachdrücklichkeit zeigt. Schlossgut Diel schließt mit dem sehr direkten, sehr puren Goldloch an die Spitze an. Emrich-Schönleber zeigt mit dem Frühlingsplätzchen einen geschliffenen Klassiker.

Rieslinge aus Rheinhessen

Kein beständiges Jahr in Rheinhessen. Wer zu viel Säure zugesetzt hat, dem sind die Weine aus der Balance geraten. Das Trio an der Spitze ist dann aber auch unangefochtene Spitzenklasse: Keller mit dem ganz starken Abts E, Wittmann mit dem durchdringenden Morstein und Battenfeld-Spanier mit seinem Frauenberg, der für die Ewigkeit gemacht scheint. Ebenfalls bemerkenswert gut: Pettenthal von Gunderloch, Ölberg von Kühling-Gillot, Kirchspiel von Groebe.

Rieslinge aus der Pfalz

Knipsers Steinbuckel besitzt Potenzial, ist im Holzfass gereift und braucht entsprechend Zeit. Sabine Mosbacher punktet mit ihrer Toplage Ungeheuer. Christmann präsentiert einen klar strukturierten Idig mit prägnanten Zitrusaromen. Der charaktervolle Kirchberg von Boris Kranz steht in der Serie wie ein unzerstörbares Bollwerk, während der Kastanienbusch der Familie Rebholz mit seiner lebhaften Art und seinen glockenklaren Aromen zum Träumen einlädt.

Rieslinge aus Franken

Das Bürgerspital präsentiert mit seinem Stein-Hagemann einen dichten, kalksteingeprägten, sehr facettenreichen Riesling mit Potenzial. Dicht gefolgt von Paul Weltners sehr komplexem, in sich ruhendem Küchenmeister Hoheleite, dem Maustal der Gebrüder Luckert und einem rauchigen Centgrafenberg der Familie Fürst.

Rieslinge vom Mittelrhein

„Am Mittelrhein hat im Jahrgang 2018 kein VDP-Winzer gesäuert“, sagt Jochen Ratzenberger. Mit seiner Toplage Wolfshöhle und dem Steeger St. Jost hat er in diesem Jahr gleich zwei Volltreffer gelandet.

Weiße Burgundersorten

Die Spitze beim Chardonnay wird angeführt von Julian Hubers säurebetontem, dennoch herzhaftem Bienenberg, dicht gefolgt von Joachim Hegers puristisch elegantem Chardonnay Winklen Gras im Ofen und Fritz Kellers Kirchberg. Die 2018er Weißburgunder sind insgesamt körperreicher. Die besten Bewertungen gehen an Knipsers Kirschgarten und den eleganten Hegers Winklen Rappenecker, wobei der anmutige Rebholz Weißburgunder Im Sonnenschein mit seiner Lebhaftigkeit noch eins draufsetzt.

Spätburgunder und Lemberger

Die Spätburgunder und Lemberger stammen mehrheitlich aus dem wechselhaften, frostbetonten Jahrgang 2017. Ein weiteres Mal zeigen sich die Spätburgunder von Sebastian und Paul Fürst als beispielhafte Spitzenreiter, der kühle prägnante Klingenberger Schlossberg sowie der noch verschlossene, komplexe Hundsrück. Während Julian Huber wie gewohnt mit dem Wildenstein brilliert, hat auch Konrad Salwey im Laufe der Jahre extremes Feingefühl für die Lebhaftigkeit seiner Burgunder entwickelt. Der Henkenberg zeigt ein großes Spektrum von Aromen.

Der vielschichtige Schlossberg von Joachim Heger präsentiert sich aufgrund der mitvergorenen Rappen im Moment noch etwas kantig. Ebenfalls noch jugendlich ungestüm, aber voller Entwicklungsmöglichkeit: die Großen Gewächse von Benedikt Baltes, der Saumagen der Gebrüder Rings und der Lämmler des Württembergers Heid. Die Familie Aldinger beweist mit ihrer württembergischen Lemberger-Spezialität aus dem Lämmler erneut ihre Klasse in Sachen Eleganz, während Moritz Haidle mit gleich zwei Großen Gewächsen aus dem Mönchberg Komplexität, Struktur und Dichte beweist.

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