Immobilien-Styling: Bonner Maklerin richtet auf Wunsch Immobilie ein

Immobilien-Styling : Bonner Maklerin richtet auf Wunsch Immobilie ein

Wachtberger Maklerinnen setzen bei Immobiliengeschäften auf Grafikprogramme, eine Bonner Maklerin erzeugt Lebensnähe durch Models. Das zahlt sich mitunter aus.

Die Maklerinnen Anke Krause und Tanja Lange, die sich seit März unter dem Firmennamen „Lieblingsmaklerin“ zusammengeschlossen haben, konzentrieren sich auf Kunden in Wachtberg und den Bad Godesberger Süden. Sie sagen: Hier im Drachenfelser Ländchen leben wir und kennen die Besonderheiten, die Immobilienbesitzer umtreiben.

Viele Eigentümer, die in den 60er Jahren gebaut haben, verkaufen jetzt ihre Immobilie. Dabei treffen viele Altbauten aber nicht Geschmack und Bedürfnisse von jungen Familien. Dabei bieten viele Objekte durchaus Potenzial. „Nur fehlt einem oft die Vorstellungskraft, was man aus ihnen machen kann“, sagt Maklerin Anke Krause. Daher geht es beim Verkaufen wie Vermieten schlicht darum, „die Fantasie des Kunden zu wecken“, ergänzt Krauses Geschäftspartnerin Tanja Lange.

Dabei hilft die Bad Godesbergerin Alexandra Weimann. Die studierte Designerin, die mit Krause und Lange zusammenarbeitet, fertigt mittels Grafikprogrammen Vorentwürfe an, wie etwa eine Wohnung im Innern oder die Fassade eines Hauses zeitgerecht aussehen könnte. Weimanns Entwürfe sind nicht nur Bestandteil von Verkaufsexposés, sondern ihre gestalterischen Dienste können die Käufer beziehungsweise Mieter auch zur Einrichtung ihres neuen Heims in Anspruch nehmen.

Entwürfe werden mittels Computerprogramm angefertigt

Bei den Kunden kommt der Service gut an. Ebenso wie ein erst jüngst von der Bonner Maklerin Severine Profitlich erprobtes Marketinginstrument: Sie setzte bei einer Immobilienannonce nicht nur auf Home Staging, das bereits viele Makler anwenden, und bei dem es um die Inszenierung von Verkaufs- oder Mietobjekten etwa durch das Drapieren von Möbel geht – Profitlich hat dabei jetzt auch den Einsatz von Models getestet.

Der selbstständige Kommunikationsberater Sven Hochreiter hat oft nur wenig Zeit, schätzt aber durchaus schönes Wohnen: „Nur, ich habe einfach keine Muße, mich darum zu kümmern“, erklärt er. Ende vergangenen Jahres suchte Hochreiter ein Fachwerkhaus zur Miete; die Maklerinnen Krause und Lange fanden es für ihn. Allerdings wusste Hochreiter nicht, wie er sein neues Heim ausgestalten sollte. Dann brachten Krause und Lange Alexandra Weimann ins Spiel. Sie entwickelt nicht nur Ideen für die zu vermarktenden Objekte. Vielmehr bietet Weimann ihre Kompetenz auf Wunsch auch späteren Käufern oder Mietern an. Dann allerdings auf deren Rechnung.

Von Hochreiter bekam sie den Auftrag, nachdem der den Mietvertrag unterschrieben hatte. Die Zusammenarbeit startete zunächst mit Entwürfen für den Innenraum, die Alexandra Weimann mittels eines Computerprogramms gefertigt hatte. Dabei war ihr wichtig, „dem Kunden nichts überzustülpen, sondern seinen Stil in ein Konzept zu integrieren“. Sie nennt das Ganze in Abgrenzung zur Innenarchitektur, da sie Design studiert hat, „Interior Design“.

Ergebnis kommt gut an

Dazu gehört, dass sich ihre Dienstleistungen am Budget des Auftraggebers orientieren: „Mancher hat sofort astronomische Summen vor Augen“, sagt Weimann, „aber man muss nicht zwangsläufig bei Top-Herstellern einkaufen.“ Oft reiche es aus, ein preiswertes Möbel mit einem persönlichen Einrichtungsstück zu kombinieren. Im Fall von Sven Hochreiter integrierte Weimann einige asiatische Möbel, die dieser schätzte, ebenso wie einige Bilder, die ihm wichtig sind.

Mit dem Resultat ist der Kommunikationsberater, der seit Kurzem in dem Haus wohnt, mehr als zufrieden: „Das war ein geräuschloses und transparentes Verfahren, was mir rund drei Monate Zeit gespart hat.“ Auch Weihmanns Honorar habe sich im Rahmen gehalten: „Ich hatte mit dem Doppelten gerechnet.“ Insgesamt sei ein Betrag im unteren vierstelligen Bereich angefallen. Was er betont: „Ich fühle mich in dem Haus total zu Hause, weil es individuell ist und die Stilbrüche aufweist, die ich haben wollte.“

Immobilien bei der Präsentation ansprechend herzurichten – darauf zielt auch die Marketingstrategie von Severine Profitlich: Dazu setzt die Bonner Maklerin nicht nur auf Home Staging. Vielmehr hat sie unlängst mit Hilfe des erfahrenen Fotografen Manfred Limbach ein zusätzliches Detail ausprobiert: „Da viele Aufnahmen etwa von einer Küche ohne Bewohner kaum Ausstrahlung besitzen, haben wir es bei der Vermarktung mit Models versucht.“

Auch ohne "Home Staging" ist Immobiliengeschäft erfolgreich

So akquirierte Profitlich für Limbachs Aufnahmen in einem zum Verkauf stehenden Haus in Bonn-Castell eine Musterfamilie, allesamt private Laien. Die verliehen dem Ambiente im Wortsinne Leben. Mit Erfolg: „Wir hatten das Haus für 400 000 Euro inseriert, und es war wenige Tage später verkauft.“ Ob der großen Nachfrage für 450 000 Euro.

In einem Dankesbrief scheint Profitlichs Kunde diese Einschätzung zu teilen. Statt der „üblichen Fotos mit Super-Weitwinkel-Objektiv von leeren Räumen das Innere des Objektes voll möbliert darzustellen, mit Personen, die zusätzlich Leben in die Räume bringen, ist eine sehr gute Idee“, schreibt der Mann. Interessierte Betrachter könnten viel leichter die Vorstellung ihres eigenen Heims in die gezeigten Räume projizieren. Severine Profitlich will daher diese Präsentationsform erneut nutzen.

Der Bonner Makler Thomas Mroch hält sowohl Home Staging mit oder ohne Models als auch die gestalterische Aufbereitung und Begleitung eines Immobiliengeschäfts für ein „durchaus legitimes Mittel“ – aber derzeit für überflüssig: „Angesichts der Niedrigzinsphase und einem leer gefegten Immobilienmarkt funktionieren Immobilienverkäufe auch so.“ Im Übrigen lehnten viele Kunden, die ihre Häuser meist noch während der Verkaufsbemühungen bewohnten, „Eingriffe in ihre gewohnte Umgebung ab“.

Die Niederkasseler Innenarchitektin Karin Michels erinnert daran, dass für den ganzheitlichen Prozess der Umgestaltung und des Umbauens einer Immobilie ein Fachplaner notwendig ist. „Innenarchitekten sind die Spezialisten für Innenräume und das Bauen im Bestand“, sagt Michels: „Sie entwickeln individuelle Konzepte für die Nutzer der Immobilie und berücksichtigen vom ersten Entwurf bis zur Realisierung sowohl die technischen und baurechtlichen Anforderungen als auch die funktionalen, finanziellen und gestalterischen Wünsche der Bauherren“, führt Michels aus, die auch Vorstandsmitglied im Bund deutscher Innenarchitekten im Landesverband NRW ist: „Und zwar bis zur Fertigstellung.“

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