Humboldt-Preisträger-Forum: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Humboldt-Preisträger-Forum : Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Beim 4. Bonner Humboldt-Preisträger-Forum diskutierten 150 Altertumsforscher über Herrschaft in der Antike.

Im einen Jahr steht die Quantenphysik im Mittelpunkt des Humboldt-Preisträger-Forums, im nächsten sind es Herrschaftsformen in der Antike - allein dies zeigt, dass die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, deren Sitz bekanntlich in Bonn ist, die Vielfalt der Wissenschaft widerspiegelt, zu deren Förderung sie 1860 angetreten ist und seitdem mit Unterbrechungen tätig war.

Vier Tage lang setzten sich nun also rund 150 Altertumsforscher, darunter gestandene internationale Koryphäen ebenso wie junge Nachwuchswuchswissenschaftler, mit Regierungskonflikten der Antike auseinander - "Herrschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit", wie es griffig in einer Ankündigung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung hieß. Etwas nüchterner der offizielle Titel, unter dem sich die Forscher in Bonn eingefunden hatten: "Herrschaft in der Antike - Praktiken und Diskurse" lautete der.

Die Diskussionsgrundlage: Dass die Vorstellungen von guter Politik in der Theorie nicht immer mit der Praxis übereinstimmen müssen, ist kein Phänomen der Neuzeit. In der Antike kristallisierte sich dieser Widerspruch regelmäßig in idealisierten oder auch negativ zugespitzten Darstellungen einzelner Herrscher heraus.

Und auch die Rezeption (also die Wahrnehmung und Bewertung) antiker Geschichte ist geprägt von der Spannung zwischen idealer Herrschaft und wahrgenommener Realität, und immer auch abhängig von der jeweiligen Zeit und Vorstellungswelt, in der der Rezipient lebt oder lebte.

"Funktion und Dysfunktion religiöser Herrschaftsbegründung in der römischen Geschichte" nahm sich der Bonner Professor Konrad Vössing vor, "Die Gerechtigkeit von Zeus? Dike in der Theogonie" betrachtete die amerikanische Professorin Jenny Strauss Clay, und sogar beim festlichen Abendessen wurde der Wissenshunger der Historiker und Archäologen berücksichtigt: "Beim Herrscher speisen" hieß die Dinner Speech des Frankfurter Professors Hartmut Leppin.

Zum Auftakt hatte Professor Stefan Rebenich aus Bern für Diskussionsstoff gesorgt. Er verglich Formen monarchischer Herrschaft in der griechischen und römischen Antike und stellte fest: Monarchische Repräsentation hatte immer auch eine praktische Funktion, stabilisierte sie doch, etwa durch die Interaktion mit den Eliten bei Hofe, die Herrschaft.

Und: Alte Modelle können wieder aufleben. Das zeige aktuell die Terrorgruppe Islamischer Staat, die das Kalifat ausgerufen hat, ein Herrschaftsmodell aus dem 7. Jahrhundert.