Bonner Uniklinikum: Zweites Patientenkolloquium beschäftigt sich mit Brustkrebs

Bonner Uniklinikum : Zweites Patientenkolloquium beschäftigt sich mit Brustkrebs

"Der häufigste Krebs bei Frauen - Positive Aussichten für Brustkrebs-Patientinnen" ist das Forum überschrieben. Referenten sind Professor Walther Kuhn, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Uniklinikum Bonn, sowie die niedergelassene Fachärztin für Radiologie, Gemeinschaftspraxis für Radiologie und Nuklearmedizin, Dr. med. Bettina Wolfgarten. Das Forum findet am Mittwoch, 13. Februar, ab 18 Uhr im Lehrgebäude der Medizinischen Fakultät (Gebäude 402, unmittelbar neben dem Parkhaus Nord) statt.

Wenn Sie an der Supermarktkasse stehen, können Sie ziemlich sicher sein, dass mindestens eine Frau in der Schlange davon betroffen ist - Brustkrebs. Jedenfalls statistisch gesehen. Jede neunte Frau in Deutschland. Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken jährlich mehr als 55.000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs, und rund 17.000 Frauen sterben jedes Jahr daran. Damit ist das Mammakarzinom der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Grund genug, dieses Thema beim zweiten Patientenkolloquium am Bonner Uniklinikum zu vertiefen.

"Uns ist wichtig, aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren - ohne Panikmache. Denn frühzeitig erkannt, kann Brustkrebs sehr gut und auch brusterhaltend behandelt werden", so Bettina Wolfgarten. Seit 2002 gibt es zwar das bundesweite Mammographie-Screening-Programm zur Brustkrebsfrüherkennung, zu dem alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren aufgerufen werden, aber dennoch nehmen nach wie vor längst nicht alle angeschriebenen Frauen die Untersuchung in Anspruch.

In der Region sind Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis sowie Euskirchen zu einer Screening-Einheit zusammengefasst, die für rund 120.000 Frauen zuständig ist. Die ambulanten Screening-Zentren sind in der Maximilianstraße 2 in Bonn und in Siegburg in der Wilhelmstraße 62. Darüber hinaus gibt es sogenannte mobile Einheiten, das ist ein Untersuchungsbus, der verschiedene Standorte anfährt.

Teilweise gibt es aber auch Kritik am Screening wegen einer "Übertherapie" beziehungsweise "Überdiagnose", wie etwa von der Gesundheitswissenschaftlerin Professor Ingrid Mühlhauser von der Uni Hamburg, die es insbesondere bedenklich findet, dass über diese Untersuchungen auch sogenannte indolente Tumore, also solche, die nicht einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen, entdeckt und operiert würden. Hans-Joachim Koubenec, Gynäkologe an den Berliner DRK-Kliniken, findet gar, dass Frauen durch diese flächendeckende Untersuchung "in Angst versetzt" würden.

Auch wenn Kuhn einräumt, dass das Screening dazu führen könne, dass sich Frauen beunruhigen oder in Sicherheit wähnen - immerhin führe es aber auch dazu, dass sich Frauen überhaupt trauen, zum niedergelassenen Arzt zu gehen. Für Kuhn und Wolfgarten steht jedenfalls fest: "Screening lohnt sich." Die Erfahrung aus der Früherkennung zeige, dass das Entdecken von Karzinomen im frühen Stadium die Prognose der Frauen erheblich verbessert, so Wolfgarten.

Von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie in Berlin heißt es jedenfalls, dass 30 Prozent aller in der Screening-Erstuntersuchung entdeckten invasiven Karzinome kleiner sind als zehn Millimeter. Bei bereits schon einmal gescreenten Frauen sind es sogar 35 Prozent. Vor dem Screening seien dies lediglich 14 Prozent gewesen. "Die prognostisch ungünstigeren größeren Tumore (größer als zwei Zentimeter) hingegen machen im Screening nur noch 23 Prozent (Erstuntersuchung) sowie 19 Prozent (Folgeuntersuchung) aller entdeckten invasiven Karzinome aus, während dies vor dem Screening noch gut 40 Prozent waren", heißt es.

Und das trifft genau den Kern, auf den es Kuhn ankommt: "Man kann Brustkrebs ja nicht verhindern, aber man kann einen Tumor so früh entdecken, dass er noch so klein ist, dass er erstens noch nicht gestreut hat und man ihn zweitens brusterhaltend entfernen kann."

Die Ursache für Brustkrebs ist vielfältig. Brustkrebs aufgrund eines Gendefekts oder einer "erhöhten familiären Disposition", so Wolfgarten, ist vergleichsweise selten. Zu 90 Prozent sind es sporadische Karzinome. An erster Stelle steht das Altersrisiko: 50 Prozent der Patientinnen sind zwischen 50 und 69 Jahren, 30 Prozent älter als 70 Jahre, nur etwa jede fünfte ist unter 50 Jahre alt.

Gibt es also ein gewisses "Familienmuster", dann raten Frauenärzte den jungen Frauen ab 30 Jahren zu einer jährlichen Vorsorge. "Bei dieser Gruppe von Frauen besteht ein erhöhtes Bewusstsein, regelmäßig zum Arzt zu gehen", so Wolfgarten. "Die machen uns so gesehen keine Sorge. Sorgen machen uns aber die vielen Frauen, die nicht einmal regelmäßig einen Gynäkologen aufsuchen. Das sind immerhin 50 Prozent aller Frauen. Für diese 50 Prozent ist das Screening auf jeden Fall zu begrüßen."

Auffällig sei auch, dass etwa "aufgeklärte Frauen" in den Städten engmaschiger zur Vorsorge gehen als Frauen in ländlichen Gebieten - "was aber auch oft mit der medizinischen Versorgung zusammenhängt. Die Schwelle, sich ins Auto zu setzen und 20, 30 Kilometer oder mehr zum Arzt zu fahren, ist hoch", so Wolfgarten.

"Überhaupt: Die Bedeutung der niedergelassenen Gynäkologen kann man gar nicht hoch genug schätzen", meint die Radiologin. "Sie spielen bei der Früherkennung und auch der Betreuung betroffener Frauen nach ihrer Entlassung aus der Klinik eine zentrale Rolle und sind damit sowohl für uns Radiologen als auch für die am Krankenhaus tätigen Gynäkologen wichtige Partner." Wichtig ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den flächendeckenden Screening-Programmen und den Brustzentren, betont auch Professor Hans Schildt, der Direktor der Radiologischen Klinik am Universitätsklinikum Bonn.

Höheres Brustkrebsrisiko können Frauen haben, die etwa nicht gestillt haben oder keine Kinder haben oder erst nach dem 30. Lebensjahr schwanger werden. Auch für Frauen, deren erste Regelblutung früh, das heißt vor dem zwölften Lebensjahr, einsetzte oder die erst spät in die Wechseljahre gekommen sind, besteht ein erhöhtes Risiko, so Kuhn. Erhöhte Östrogenwerte könnten auch eine Ursache für Brustkrebs sein. So besteht auch für Frauen mit Adipositas ein höheres Risiko, weil im Fettgewebe Östrogene gebildet werden.

"Auch die Beschaffenheit des Brustgewebes spielt eine Rolle", sagt Bettina Wolfgarten. Dichtes Brustgewebe bedeutet viel Drüsengewebe und damit eine höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Ein erhöhtes Risiko, Brustkrebs zu bekommen, haben auch Frauen, die Eierstockkrebs haben oder hatten, sagt die Ärztin, die in ihrer Gemeinschaftspraxis mit ihren Kollegen im Durchschnitt etwa 10.000 Mammographien pro Jahr durchführt. "Die Befundung erfolgt dabei, wie im Screening übrigens auch, stets nach dem Vier-Augen-Prinzip, das heißt, dass immer zwei Radiologen unabhängig voneinander die Bilder beurteilen."

Zur allgemeinen Vorsorge gehört aber auch die Selbstuntersuchung: Jede Frau sollte eventuelle Veränderungen oder Knotenbildungen selbst ertasten - "nicht bei jeder Dusche, sonst macht man sich ja verrückt", empfiehlt Wolfgarten. Aber einmal im Monat sollte man das schon tun. Denn immerhin sind 60 Prozent der klinischen Fälle von der Frau selbst ertastete Tumore.

Patientenkolloquium: Themen und Termine
"Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben", nennt sich das öffentliche Patientenkolloquium, das vom Uniklinikum Bonn in Kooperation mit dem General-Anzeiger einmal im Monat angeboten wird.

Termine

Mittwoch, 13. Februar, 18 Uhr

"Der häufigste Krebs bei Frauen - Positive Aussichten für Brustkrebs-Patientinnen", Prof. Dr. Walther Kuhn, Direktor des Zentrums für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, und Dr. med. Bettina Wolfgarten, Fachärztin für Radiologie, Gemeinschaftspraxis für Radiologie und Nuklearmedizin. Ort: Lehrgebäude der Medizinischen Fakultät (Gebäude 402, unmittelbar neben dem Parkhaus Nord).

Donnerstag, 21. März, 18 Uhr

"Geben Sie Ihrem Rücken die richtige Deckung - Wann und wie operativ?", Professor Dieter Christian Wirtz, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie UKB; "Wann und wie konservativ?", Diplomsportlehrer Dr. med. Jürgen Römer, Facharzt für Orthopädie, Orthopädische Praxis Bonn-Bad Godesberg. Ort: "Biomedizinisches Zentrum" (Gebäude 344, gegenüber dem Notfallzentrum).

Leser-Service: Haben Sie Fragen, die im Forum auch behandelt werden sollen? Dann senden Sie diese an: uni@ga-bonn.de.