GA-Klimazeitung: Warum Klimaschutz uns alle angeht

GA-Klimazeitung : Warum Klimaschutz uns alle angeht

Die Klimakrise: Schüler marschieren, Wissenschaftler warnen, Politiker beschwichtigen. Wie ernst ist die Lage? Unser Themenschwerpunkt zum Klimawandel sucht nach Antworten.

Es fehlt nicht an Erkenntnis: Dass die Industrialisierung eine Dynamik angestoßen hat, die in einer Erwärmung der Erde mündet, wird seit dem Ende des 19. Jahrhunderts vermutet, ist seit den 1970er Jahren eine Gewissheit und zeigt sich in drastischen Temperaturanstiegen weltweit spätestens seit den 1990er Jahren. Forscher ganz unterschiedlicher Disziplinen sind sich bei Diagnose und Beschreibung ungewöhnlich einig. Dennoch ist eine Art Glaubensfrage entstanden. Viele Menschen möchten die Fakten offenbar nicht zur Kenntnis nehmen. Sie finden es einfacher, das Problem nicht an sich heran zu lassen. Spätestens seit dem Dürresommer 2018 sind diese Stimmen in Deutschland leiser geworden. Beim Klima läuft offenbar etwas aus dem Ruder.

Wie nur in ganz wenigen Politikfeldern gibt es einen breiten weltweiten Konsens, weitere Belastungen für das Klimas zu vermeiden, um den Anstieg der Temperaturen mit all seinen Folgen zu bremsen. Internationale Konferenzen haben zu verbindlichen Abkommen geführt. Das ist bewundernswert, aber leider bisher ohne durchschlagende Wirkung. Das entscheidende Steuerungsinstrument, wie eine wachsende Menschheit den Energieverbrauch senken und ihre Wirtschaftsweisen anpassen kann, ist noch nicht erfunden, wird aber gerade in Bonn von 3000 internationalen Experten beraten. Leider bleibt das notwendige kollektive Handeln ein Stückwerk voller guter Absichten und letztlich ohne handfeste Ergebnisse.

Offenbar überfordert das Thema viele Menschen. Sie müssen ihre eigene und ganz private Lebensweise in Frage stellen, wenn sie sich klimagerecht verhalten wollen: Wir Mitteleuropäer fahren zu große Autos, die zu viel Sprit verbrauchen. Wir fliegen gerne in den Urlaub. Wir essen gerne Fleisch. Wir wohnen in zu großen Häusern, die auch noch schlecht isoliert sind. Wir wollen auch im Winter Erdbeeren essen, im Sommer kühle Räume haben, und das energieintensive Internet soll überall und jederzeit mit voller Leistungsfähigkeit funktionieren.

Außerdem gilt es, die Lasten gerecht zu verteilen. In den ärmeren Regionen der Welt leidet man an den Folgen der Industrialisierung in den reichen Regionen. Es ist die Komplexität der Dinge, die es so schwer macht, sich zu orientieren und dann auch noch richtig zu verhalten. Alles hängt mit allem zusammen und häufig sind vor allem jene Gewohnheiten fragwürdig, die das Leben angenehm und schön machen. Das frustriert und überfordert uns alle. Es wäre der falsche Weg, sich in Fatalismus zu flüchten oder zynisch über Weltverbesserer zu spotten. Es wird nämlich nicht reichen, die Untätigkeit der Politik zu beklagen oder die Geldgier der Wirtschaft. Klimaschutz geht alle an. Hunderttausende Schüler haben das verstanden und fordern von ihren Eltern und Großeltern, sich nicht länger persönlichen Konsequenzen zu entziehen. Letztlich müssen wir uns alle bewegen, wenn ein lebensfreundliches Erdklimasystem erhalten werden soll – ohne einschneidende Folgen für liebe Gewohnheiten, Wohlstand und Lebensstandard.

Die Redaktion des General-Anzeiger will mit dem Klima-Schwerpunkt ein paar Zusammenhänge deutlicher machen. Jedes Ressort hat sich auf einen Aspekt des Themas konzentriert, um Ihnen Information und Anregung zu geben. Lassen Sie sich bewegen, etwas für eine gute Zukunft zu tun.

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