Von Sondengängern und Raubgräbern

Mehr als 400 Wissenschaftler nehmen an der Archäologie-Tagung im Landesmuseum teil

Bonn. Auch die Archäologie hat ihre Schattenseiten: Raubgräber, die mit Sonden das Erdreich auf der Jagd nach kostbaren alten Münzen und Schmuck absuchen. Schutz und Erhaltung der Bodendenkmäler werden zunehmend durch illegale Ausgräber erschwert.

Dieses brisante Thema behandelt die neue Mini-Ausstellung "Fund des Monats" auf der Jahrestagung "Archäologie im Rheinland - Ausgrabungen, Forschungen und Funde" im Rheinischen Landesmuseum.

Eingeladen hat zum fünften Mal das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftverbands Rheinland (LVR); mehr als 400 Teilnehmer lassen in 46 Vorträgen die archäologischen Höhepunkte des Jahres 2008 auf der größten Archäologen-Tagung Nordrhein-Westfalens Revue passieren.

Die zweitägige Veranstaltung endet heute. Marcus Trier vom Römisch-Germanischen Museum in Köln nannte auf der gestrigen Pressekonferenz die Freilegung eines zwölf Meter langen Teilstücks der römischen Stadtmauer als einen Höhepunkt im Vorjahr.

Es war im Zuge von Bauarbeiten zu einem neuen U-Bahn-Tunnel in der Domstadt zu Tage gekommen. "Die Auswertung der U-Bahn-Archäologie in Köln wird uns noch mindestens zehn bis 15 Jahre beschäftigen", kündigte Trier an.

Einen neuen Besucherrekord für 2008 vermeldete Martin Müller, Leiter des LVR-Archäologie-Parks Xanten. 420 000 Menschen kamen in die damit besucherstärkste Einrichtung unter den sechs LVR-Museen. In diesem Jahr werde das neue LVR-Museum in den 73 Hektar großen Park integriert.

Und: "Wir sind das am besten gesicherte Bodendenkmal in Deutschland", sagte Müller. Zum Thema "Raubgräber" sind Exponate aus der "Sammlung M." im Foyer ausgestellt, darunter keltische Goldmünzen und Steinzeug aus dem 14. Jahrhundert. Herr M. aus Frechen durfte nach 13-jährigem Rechtsstreit mit dem LVR drei Viertel von insgesamt knapp 1 600 Objekten behalten.

"Es gibt ganz penetrante Hobby-Archäologen, die seit Jahrzehnten tätig sind", sagte Helmut Luley, stellvertretender Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege. Zirka 2 000 illegale Sondengänger seien bundesweit bekannt. In NRW sei die Zahl durch die vielen Grenzgänger aus Benelux und Frankreich schwer zu bestimmen. Oftmals hätten die Raubgräber "hervorragende Ortskenntnisse und Zugriff auf beste Fachliteratur", so Trier.

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