Kommentar zur Fields-Medaille für Peter Scholze: Von Genies lernen

Kommentar zur Fields-Medaille für Peter Scholze : Von Genies lernen

Der Gewinn der Fields-Medaille durch Mathematiker Peter Scholze wirft die Frage auf, wie sich außergewöhnliche Begabungen richtig fördern lassen. Eine Aufgabe für viele Beteiligte, findet GA-Redakteur Wolfgang Pichler.

Ist ein Schüler dumm, wenn er eine 5 in Mathe hat? Kommt drauf an. Das zeigt sich in seinem Umgang mit dem Mitschüler, der eine 1 hat. Wenn er dumm ist, verprügelt er ihn. Wenn er etwas klüger ist, schreibt er von ihm ab. Wenn er richtig klug ist, lässt er sich von ihm zeigen, wie's geht. Das gilt nicht nur für Schüler. Es gilt für alle.

Nach dem Fields-Medaillen-Triumph für Peter Scholze stellt sich wieder die Frage nach dem Rezept. Wo kommt Spitzenforschung her? Leider ist das ähnlich komplex wie Scholzes Formeln. Alle Akteure auf dem Schulhof sind gefordert. Eltern müssen einsehen, dass echte Hochbegabung anders aussieht, als dass der kleine Finn-Luca den Unterricht stört. Politiker müssen einsehen, dass Spezialschulen für Spezialbegabungen kein Teufelswerk sind. Der Durchschnitt hebt sich nur, wenn sich die Spitzenwerte heben (kein Elitenwahn, sondern mathematische Regel).

Eliten-Wahnsinnige müssen einsehen, dass Genies auch außerhalb der Elite wachsen: Scholzes Mit-Medaillengewinner Caucher Birkar kommt aus einer Bauernfamilie im Iran. Die Nationalisten müssen einsehen, dass Wissenschaft nie schwarz-rot-gold sein kann: „So etwas wie deutsche Mathematik gibt es nicht“, sagt Peter Scholze. Die Herren der Fördertöpfe müssen einsehen, dass Wissenschaft allen gehört: Das Geld, das wir reinstecken, bleibt in unserer Tasche. Und das Gepöbel über „Nerds“ muss aufhören. „Experte“ darf kein Schimpfwort „volksnaher“ Kreise mehr sein. Wir müssen uns entscheiden, ob wir auf die Genies weiter einprügeln – oder von ihnen lernen wollen.