Alanus Hochschule in Alfter: Theresia Tarcson erhält Max-Ernst-Stipendium der Stadt Brühl

Alanus Hochschule in Alfter : Theresia Tarcson erhält Max-Ernst-Stipendium der Stadt Brühl

Die junge Frau hat ein großes, weißes Stück Seife im Mund, eingeklemmt zwischen ihren Zähnen. Immer wieder tropfen Speichel und flüssige Seife auf ihr graues Top. Wie von einem Tonband abgespielt wiederholt die Frau immer wieder den Satz: "Ich habe etwas ganz Schreckliches getan. Ich habe die gesamte Kunst erschossen - und mich selbst." 13 lange Minuten kämpft die Frau mit dem Stück Seife. Außer der Frau, der Seife und einem eintönigen, schwarzen Hintergrund ist nichts zu sehen.

Die junge Frau ist die 27-jährige Theresia Tarcson, Studentin der Alanus Hochschule, Performance-Künstlerin aus Köln und diesjährige Max Ernst-Stipendiatin der Stadt Brühl und der Max-Ernst Gesellschaft. Mit ihrer Seifen-Performance "Delusion" aus dem Jahr 2007 und vier weiteren Werken konnte sie die Jury überzeugen. Das mit 5000 Euro dotierte Stipendium wird jährlich ausgeschrieben.

Tarcson wäscht sich als Bestrafung a priori immer wieder den Mund mit der Seife aus. Die kurze Darbietung soll als Anklage an die bedeutungslose, sinnentleerte Kunst verstanden werden. "Eine Grenzüberschreitung des für mich körperlich Ertragbaren", wie die Künstlerin sagt.

"Die eigene Person und ihr Körper bilden den Mittelpunkt Ihrer Arbeit. Sie stehen für die auffallende Gradlinigkeit ihrer Aussagen ein. Existenzielle Erfahrungen werden bis an die Grenzen körperlicher und seelischer Belastbarkeit auch für den Betrachter in ihren konzentrierten Performances vor Augen geführt", heißt es in der Jurybeurteilung. Nicht zuletzt habe Theresia Tarcson durch ihre große Ernsthaftigkeit, die sie in ihren Videoarbeiten ausdrücke, überzeugt. Mit dem Stipendium, das in diesem Jahr zum 42. Mal verliehen wurde, reiht sich die Künstlerin in eine Liste bedeutender Künstler ein. Unter anderem war auch der im Jahr 2010 verstorbene Bonner Künstler Martin Noël Max-Ernst-Stipendiat.

Schon mit 15 Jahren wusste Tarcson, dass sie später einmal als Künstlerin arbeiten möchte. Ihr Wunsch verfestigte sich ein paar Jahre später auf der "documenta 2002" in Kassel. Die Installation "Invisible man" des kanadischen Künstlers Jeff Wall hinterließ bei der damals 18-Jährigen einen bleibenden Eindruck. Das Werk, das einen Mann darstellte, der Lampen und Glühbirnen sammelt, fesselte sie.

Die 27-Jährige möchte sich keinem Genre verschreiben. Sie hat, wie sie sagt, drei "Babys", um die sie sich kümmert: die ungeplante Performancekunst, die inszenierte Fotografie sowie die Ode, ihr Musikinstrument, das aus vier analogen Fotokameras besteht, die alle jeweils an ein Kontaktmikrofon angeschlossen sind, so dass beim Betätigen des Auslösers oder des Aufziehers ein gut hörbares Geräusch entsteht. Die Geräusche werden durch eine Loop-Maschine multipliziert, wodurch ein faszinierender Klangteppich entsteht.

Ihre Performances führt Tarcson nur einmal durch, und legt dabei größten Wert auf die Dokumentation des Augenblicks. Schließlich zeige sie dabei einen "psychischen und körperlichen" Prozess. Inspiration holt sie sich aus ihrem Alltag. "Ich lebe einfach! Es ist ein Mythos, dass Künstler die besten Ideen nur an besonderen Orten haben", sagt Tarcson. Das Stipendium sei für sie eine Würdigung ihrer Arbeit. "Max Ernst war ein Querdenker, keiner weiß, was er heute machen würde. Vielleicht", sagt sie, "würde er heute auch Videos produzieren und mit Photoshop arbeiten."

Zur Person: Theresia Tarcson wurde 1984 in Erfurt geboren und wuchs in Bad Wildungen auf. Dort absolvierte sie im Jahr 2004 am Gustav-Stresemann-Gymnasium ihr Abitur, ehe sie ein Studium der Audiovisuellen Medien an der Kunsthochschule für Medien in Köln aufnahm. 2010 schloss sie dieses mit dem Diplom ab. Seit September letzten Jahres studiert sie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft im Masterstudiengang Kunsttherapie. Die Künstlerin lebt in Köln.

Theresia Tarcsons Homepage

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