Universität Bonn: Sparzwang an deutschen Hochschulen - auch in Bonn

Universität Bonn : Sparzwang an deutschen Hochschulen - auch in Bonn

Es ist kein großes Geheimnis: Vielen deutschen Universitäten wird das Geld knapp. Während der Bund beträchtliche Einnahmen verbucht, stehen die länderfinanzierten Hochschulen zunehmend unter Sparzwang. So auch die Universität Bonn.

Acht Millionen Euro beträgt derzeit das Defizit, im allerschlimmsten Fall - wenn unter anderem die Exzellenzinitiative oder gewisse Ausgleichszahlungen von der Regierung gestrichen werden würden - könnte es auf bis zu 40 Millionen Euro jährlich steigen.

Noch unter dem alten Rektorat von Professor Jürgen Fohrmann hat die Uni daher begonnen, von den Fakultäten schmerzhafte Einschnitte zu fordern, vor allem auf Kosten des Personals. Professuren werden zunächst nicht neu besetzt, die entsprechenden Lehrstühle - die Rede ist von 17 - werden "eingefroren". Bei den Studierenden regt sich daher der Unmut, immerhin sehen sie die Qualität der Lehre beeinträchtigt. Doch an Alternativen mangelt es.

"Das Problem ist, dass wir vom Land seit Jahren immer ein fixes Globalbudget bekommen, gleichzeitig aber vor allem Betriebskosten drastisch gestiegen sind", erklärt der Pressesprecher der Universität, Andreas Archut. "Vor allem die Energiekosten machen viel aus. Unser aktueller Stromverbrauch entspricht dem von 14 000 Haushalten." Hinzu kämen steigende Personalkosten und paradoxerweise die Kosten durch die zunehmenden Drittmittel.

"Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr Gelder von außen einwerben können und liegen inzwischen bei 156 Millionen Euro", ergänzt Archut. "Allerdings muss die Universität das Gehalt der Antragsteller meist ebenso tragen wie Kosten für Räume, Mobiliar, Heizung und so weiter - und das kann als sogenannte Grundausstattung nicht aus den regulären Drittmitteln bestritten werden." So habe sich das besagte Millionen-Defizit angehäuft, das nun reduziert werden soll.

"Von den sieben Fakultäten ist die medizinische im Haushalt des Universitätsklinikums verankert und muss daher dort sparen, und die kleinen theologischen Fakultäten haben wir bewusst außen vor gelassen", sagt der Uni-Sprecher. "Den vier verbleibenden hat das Rektorat auferlegt, entsprechend ihrer Größe eine Summe von 3,6 Millionen Euro einzusparen, was dem Gegenwert von 17 Professuren nebst Ausstattung entspricht." Wie sie das tun, müssten die Dekanate selbst entscheiden. "Allerdings gilt: Es dürfen keine Stellen gestrichen werden, und die Qualität der Lehre soll möglichst wenig beeinträchtigt werden."

Doch genau dies befürchten die Studierenden. "Uns ist klar, dass die Uni sparen muss", sagt Lukas Mengelkamp. Der Geschichtsstudent ist Initiator des Aktionsbündnisses "SparUni Bonn"; er bemängelt fehlende Transparenz und Partizipationskultur der Fakultäten. "Jeder versucht, seine eigene Haut zu retten, und leiden müssen in der Regel die Fächer, die die schwächste Lobby haben", so Mengelkamp. "Informationen dazu fließen nur spärlich und in der Regel nur dann, wenn es schon zu spät ist: Selbst die betroffenen Institute werden oft sehr kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt, klare und vollständige Auskunft über das gesamte Ausmaß der Kürzungen gibt es auch nicht. Dabei wäre doch gerade jetzt ein vertrauensvolles Miteinander von allen Beteiligten wichtig, um der verfehlten Sparpolitik des Landes die Stirn zu bieten."

Die ersten Professuren haben die Studenten bereits symbolisch zu Grabe getragen: Allgemeine Geologie und Angewandte Geophysik liegen derzeit auf Eis; die Historiker haben zwei Stellen zusammengelegt und die neue Professur dafür aufgewertet. Weitere Fächer werden bald ähnliche Erfahrungen machen. "Es kommt darauf an, wo Verträge auslaufen", so Archut. "Das heißt aber nicht, dass die Professuren gestrichen sind, das dürfte die Universität aufgrund von Vereinbarungen mit Bund und Ländern ohnehin nicht. Es handelt sich lediglich um eine unbefristete Besetzungssperre, wie sie etwa bei Behörden immer wieder angewendet wird."

Sollten sich also andere Einspar-Potenziale ergeben, könnten die Professuren wieder besetzt werden. Sofern die entsprechende Fakultät dies denn will. "Es wird natürlich erwartet, dass die Dekanate ihre Maßnahmen vernünftig kommunizieren. Sonst müssen etwa die Studierenden dies lautstark einfordern", sagt Archut. Die wiederum würden viel lieber klare Ansagen vom neuen Rektor Michael Hoch hören - und ein klares Statement gen Landesregierung, die (bei aller Kritik an der Uni-Verwaltung) vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) als Hauptschuldige an der momentanen Situation angesehen wird.

"Die notorische Unterfinanzierung der Universitäten muss aufhören", sagt die Asta-Vorsitzende Lillian Bäcker. "Aber das können wir nur erreichen, wenn wir mit einer Stimme sprechen, anstatt gegeneinander zu arbeiten. Bislang regt sich die Uni leider kaum - und auch von den Lehrbeauftragten, die ja ebenfalls betroffen sind, kommt kein Protest."

Das studentische Aktionsbündnis will sich auf jeden Fall weiter Gehör verschaffen. Unter anderem plant es für kommenden Montag eine Demonstration in der Innenstadt - dieser 22. Juni ist kein normales Datum, sondern der Geburtstag des Universalgelehrten Alexander von Humboldt. Die Studenten wollen so den Druck auf die Politik verstärken. "Das Prinzip Hoffnung reicht einfach nicht mehr", sagt Mengelkamp. "Denn momentan sparen wir uns leider eher kaputt als gesund."

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