Sorge um Fortbestand der Computerlinguistik

Sorge um Fortbestand der Computerlinguistik

Fakultätsrat will im April entscheiden, ob vakante Professur nachbesetzt oder ganz neu ausgeschrieben wird

Bonn. (sj) Studenten sorgen sich um den Fortbestand der Lehreinheit Computerlinguistik an der Universität Bonn. "Es ist unklar, ob eine vakante Professur in Computerlinguistik mit derselben Ausrichtung nachbesetzt wird", berichtet eine Studentin. In der Diskussion sei eine Festlegung auf Allgemeine Sprachwissenschaft. Die Computerlinguistik befasst sich mit Fragen der Anwendung des Computers zur Untersuchung von Sprache und sprachlichen Strukturen.

Angesiedelt ist die Computerlinguistik am Institut für Kommunikationswissenschaften. "Computerlinguisten sind gefragte Leute, da die Sprachverarbeitung in der Informationstechnologie eine große Rolle spielt", sagt eine Studentin. "Es wäre deshalb weder fachlich noch wirtschaftlich nachvollziehbar, wenn die Professur anders besetzt werden würde."

Eine Studentin kritisiert die fehlende Planungssicherheit: "Wir wissen nicht, wer im nächsten Semester lehrt und prüft." Auch mit der Einführung des Masterstudiengangs "Sprachverarbeitung" gehe es nicht voran. Der Fakultätsrat hat vergangene Woche über das Thema beraten. Etliche Studierende waren zu der Sitzung erschienen. Der Fakultätsrat hat die Entscheidung über die vakante Professur aber auf die nächste Sitzung im April vertagt.

"Wir wollen zunächst weitere Stellungnahmen einholen", berichtet Professor Günther Schulz, Dekan der Philosophischen Fakultät. Auf dem fraglichen Gebiet arbeiteten bislang zwei Kollegen. Es habe eine Professur für Kommunikationsforschung und Phonetik und eine für Linguistische Datenverarbeitung gegeben. "Beide Kollegen sind inzwischen im Ruhestand", sagt Schulz. Eine Professur sei für Phonetik und Akustische Kommunikation ausgeschrieben - sie werde zur Zeit vertreten - und eine weitere für Linguistik/Computerlinguistik.

Dann sei durch Sparmaßnahmen eine Professur für Allgemeine Sprachwissenschaft weggefallen. "Das macht sich schmerzlich bemerkbar - nicht nur für das System unserer Philologien, sondern auch, weil es dort viele Studierende gibt", sagt der Dekan. "Es gibt deshalb Stimmen, die fordern, die frühere Professur für Linguistische Datenverarbeitung neu auszuschreiben, und zwar für Allgemeine Sprachwissenschaft."

"Die Computerlinguistik ist nicht in ihrer Existenz bedroht", macht Schulz deutlich. Selbst wenn die Professur für Allgemeine Sprachwissenschaft ausgeschrieben würde, könne die Lehreinheit mit der Professur für Phonetik und Akustische Kommunikation weitergeführt werden. Es habe nie einen Studiengang Computerlinguistik an der Universität Bonn gegeben, lediglich einen Schwerpunkt im Rahmen der Kommunikationsforschung, so der Dekan. Übrigens soll eine weitere bislang vakante Professur nun wieder besetzt werden: "Nämlich die für Angewandte Sprachwissenschaft im Rahmen unseres Sprachlernzentrums." Auch das habe der Fakultätsrat entschieden.

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