Qualität von der Quelle bis zum Zapfhahn

Qualität von der Quelle bis zum Zapfhahn

Experten beraten in Bonn über den ab 2003 gültigen Hygiene-Standard

Bonn. (sj) Die Trinkwasserqualität in Deutschland soll noch besser werden. Das regelt die neue Trinkwasserverordnung, die zu Jahresbeginn 2003 in Kraft tritt. Am Mittwoch treffen sich zu diesem Thema auf Einladung des Bonner Hygieneinstituts Fachleute von Wasserversorgern, Gesundheitsämtern und aus der Wissenschaft im Anatomischen Institut der Uni, um sich über die Neuerungen zu informieren.

"Wir haben in Deutschland sehr, sehr gute Trinkwasserstandards. Damit dürfen wir uns aber nicht zufrieden geben, sondern müssen ständig neue wissenschaftliche Ergebnisse berücksichtigen", meint Professor Martin Exner vom Hygiene-Institut der Bonner Uni. Eine schwierige Aufgabe: Das Hygieneinstitut berät seit Juni als so genanntes Kollaborationszentrum die Weltgesundheitsorganisation WHO, unter anderem zur Trinkwasserqualität und Wasserversorgung.

"Statt wie bisher bis zum Wasserzähler soll die Wasserqualität künftig vom Einzugsgebiet bis zum Zapfhahn gesichert werden", bringt Exner die wichtigste Veränderung für die Verbraucher auf den Punkt. Das bedeutet, dass ab 2003 die Hausinstallationen eine wichtige Rolle spielen werden. Beispielsweise die Erreger der Legionärskrankheit (Legionellen) entwickelten sich bevorzugt im Leitungsabschnitt vor dem Zapfhahn, erläutert Exner. Außerdem sei Blei einer der wichtigsten Schadstoffe in den Hausleitungen. Davon seien vor allem Bewohner in älteren Häusern betroffen.

Insbesondere bei Kindern könne eine Bleibelastung beispielsweise zum Abfall der schulischen Leistungen führen, weil sich das Denken durch den Einfluss des Schwermetalls verlangsame, so der Wissenschaftler. Der Blei-Grenzwert für die neue Verordnung sei deshalb deutlich verschärft worden.

Neu in die Liste zu untersuchender Krankheitserreger seien darüber hinaus die Legionellen aufgenommen worden. Auch hier hat der Gesetzgeber auf die jüngsten Krankheitsfälle in der spanischen Stadt Murcia reagiert. Neuling auf der Untersuchungsliste ist auch der Parasit Giardia Lamblia, der Durchfälle auslösen kann. Das Bonner Hygiene-Institut und das Gesundheitsamt des Kreises Neuwied hatten im vergangenen Jahr - erstmals für Deutschland - einen Zusammenhang zwischen Giardiaerkrankungen und dem Vorkommen dieser Krankheitserreger im Trinkwasser aufgezeigt.

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