Pharmakonzerne nutzen Augustiner Software

Pharmakonzerne nutzen Augustiner Software

Neue Firma vermarktet GMD-Entwicklungen

Bonn. (ldb) Es ist ein langer Weg bis zur fertigen Arznei. Erst muss die Krankheit so weit verstanden sein, dass einzelne Proteine und deren Bedeutung für das Krankheitsbild bekannt sind.

Dann werden Wirkstoff-Moleküle gesucht, die solche "Zielproteine" in ihrer Funktion hemmen. Um sie zu finden und zu untersuchen, braucht es Computer - und für sie geeignete Software und Serviceleistungen. Die will das neue Unternehmen BioSolveIT in Sankt Augustin liefern, eine Ausgründung des "Instituts für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen" (SCAI) der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) auf Schloss Birlinghoven (früher GMD).

Der Name symbolisiert, dass biologische Probleme mit Hilfe der Informationstechnik gelöst werden - englisch: "Bio(logy Problems) Solve(d using) I(nformation) T(echnology)". Zwar hat das Institut seinen renommierten Bioinformatik-Experten Thomas Lengauer ans Max-Planck-Institut in Saarbrücken verloren, doch als einer der Gründer der neuen Firma behält er zumindest ein Standbein in der Wissenschaftsregion. Unter seiner Leitung entwickelte die GMD seit 1993 erfolgreich Software, die Pharmakonzernen bei der Suche nach neuen, passgenau wirksamen Medikamenten hilft: Sie machte die Konzerne zu den wichtigsten Drittmittelgebern für die GMD-Bioinformatik.

Ralf Zimmer, inzwischen in München, hat Methoden entwickelt, um mögliche Zielproteine zu bestimmen sowie ihre dreidimensionale Struktur vorherzusagen. Ob das Protein mit dem zu testenden Wirkstoff-Molekül wirklich einen Komplex bildet, zeigt "FlexX" von Matthias Rarey - er ist Leiter der SCAI-Gruppe Chemoinformatik und hat gerade einen Ruf an die Universität Hamburg erhalten.

FlexX ist das laut Lengauer schnellste Programm seiner Art: Es berechnet die Strukturen molekularer Komplexe in etwa einer Minute. Die Rechte an der Software liegen bei der FhG, BioSolveIT will sie auf den Markt bringen. Partner und Kapitalgeber ist die Lion bioscience AG; das Bundesforschungsministerium finanziert für ein Jahr drei Wissenschaftlerstellen.

Dass die Ex-GMDler inzwischen in alle Winde abwandern, sieht Geschäftsführer Christian Lemmen nicht als Nachteil: "Das bringt uns bedeutende akademische Partner. Damit erweitern wir unsere Basis. Und das ist im Hinblick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs ein wichtiger Vorteil." Die Entscheidung, sich im Wissenschaftsraum Bonn anzusiedeln, sei indes klar gewesen: "Es ist gut, im Dunstkreis des Instituts zu sein, aus dem die Firma hervorgegangen ist. Wir bekommen von dort viel Unterstützung."

Infos unter www.biosolveit.de