Uniklinik Bonn : Neu entdeckte Viren

Blumige Namen, schlimme Krankheiten: Das "Schmallenberg-Virus" verursacht bei trächtigen Wiederkäuern schwere Missbildungen der Föten. Das "Rifttal-Virus" löst beim Menschen Fieber und innere Blutungen aus.

Beide Viren zählen zu den "Bunyaviriden", den "Viren aus Bunyamwera" - und Forscher der Uniklinik Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben jetzt zwei weitere Angehörige dieser Familie entdeckt.

Die Bonner Virologin Dr. Sandra Junglen hat dazu in den Tropenwäldern der Elfenbeinküste mehr als 7500 Moskitos gefangen, nach Spezies und Fundort analysiert und auf Virenbelastung untersucht. Tatsächlich fanden sich Partikel zweier bislang unbekannter Viren.

"Es handelte sich dabei um zwei bislang völlig unbekannte Virengruppen, die wir Jonchet-Virus und Ferak-Virus nannten", berichtet Junglen. Bei Versuchen an Zellkulturen stellte sich heraus, dass die Erreger jenseits von 32 Grad Celsius das Wachstum einstellen - sie können also weder Menschen noch andere Wirbeltiere infizieren.

Rekonstruktion der Abstammungsgeschichte

"Darüber hinaus konnten wir durch die Rekonstruktion der Abstammungsgeschichte der ganzen Virusfamilie erstmals zeigen, dass sich durch blutsaugende Moskitos übertragene Viren aus insektenspezifischen Viren entwickelt haben", sagt Junglen. "Dies ist äußerst interessant, weil bisher nicht klar war, woher Viren stammen, die durch blutsaugende Insekten übertragen werden."

Die Resultate seien wichtig für die Grundlagenforschung, erklärt die Expertin. Durch die Entschlüsselung des Genoms der Jonchet- und Ferak-Viren sei es künftig möglich, "das Verhalten und Gefahrenpotenzial unbekannter Viren mit ähnlicher Gen-Sequenz zu finden und besser einzuordnen". Hierzu haben die Forscher zudem "einen einfachen Test entwickelt".

Die Untersuchung ist in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen. DOI: 10.1073/pnas.1502036112