Kritik an den Texten des Weltklimarats IPCC: Mangelhafte Verständlichkeit

Kritik an den Texten des Weltklimarats IPCC : Mangelhafte Verständlichkeit

Die vom Menschen verursachte globale Erwärmung gilt als größte Herausforderung der Menschheit, gleichwohl unternimmt die Staatengemeinschaft zu wenig, um die Treibhausgas-Emissionen drastisch zu senken.

Das liege auch daran, dass die Botschaften des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental on Climate Change) weder von politischen Entscheidungsträgern noch von Laien richtig verstanden würden. Zumindest kommt ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn zu diesem Schluss, nachdem es die IPCC-Berichte von 1990 bis 2014 analysiert hatte.

Im Zentrum der Kritik steht eine mangelhafte Verständlichkeit. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Fachjournal "Nature Climate Change" veröffentlicht. Das IPCC war 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit dem Ziel gegründet worden, für Politiker den wissenschaftlichen Stand der Klimaforschung zusammenzufassen. In ihrer Studie kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Politiker in den Fachgebieten schon eine Promotion benötigten, um die Inhalte zu verstehen - und stellen die gewagte These auf, dass manche Texte des Physik-Genies Albert Einstein leichter zu erfassen seien.

"Wenn Regierungen die Fakten nicht verstehen, wie sollen sie dann zu einem Konsens kommen?", fragt Hauptautor Professor Ralf Barkemeyer von der KEDGE Business School in Talence (Frankreich). Ihn unterstützte der Medizin-Informatiker Giulio Napolitano vom Institut für Medizinische Biometrie, Informatik und Epidemiologie der Universität Bonn. "Mein Part waren insbesondere die Erhebungsmethoden und die Analyse der Ergebnisse", sagt Napolitano. Dabei half ihm der Algorithmus mit dem Namen "Flesch Reading Ease". Der basiert auf der Annahme, dass Texte kaum verstanden werden, wenn sie zu viele lange Sätze und Fachtermini enthalten.

Die Auswertungen zeigten, dass die Tonalität der Berichterstattung in den Medien häufig deutlich pessimistischer sei als die neutralen Botschaften der IPCC-Berichte. "Aufgrund der Komplexität der Texte kann die Öffentlichkeit die IPCC-Zusammenfassungen nicht verstehen und nicht wirklich erfassen, um welche realen Herausforderungen es geht - dadurch können die Ergebnisse von sogenannten Klimaskeptikern missinterpretiert werden", resümiert Napolitano. Klimaskeptiker bezweifeln unter anderem, dass menschliche Aktivitäten hinter dem Klimawandel stecken.

Die schwere Lesbarkeit der Texte führen die Wissenschaftler unter anderem auf den Zwang zum Kompromiss in den IPCC-Gremien zurück: Wo viele unterschiedliche Meinungen zu einer gemeinsamen Linie zusammengeführt werden müssten, bliebe die Verständlichkeit auf der Strecke. Die Autoren der Studie sehen in einer zielgerichteteren Kommunikation die zentrale Herausforderung des IPCC.