"Man braucht Talent, Handwerk und viel Glück"

"Man braucht Talent, Handwerk und viel Glück"

Schauspielerin Eva Scheurer lebt seit zwölf Jahren mit ihrer Familie in Sankt Augustin. Spannend war der Dreh zur Krimiserie "Doppelter Einsatz". Großer Unterschied zwischen Theater und Film

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Eva Scheurer[btl1] träumt davon, eine Geschichte zu schreiben und selbst Regie zu führen.

[f]FOTO: PRIVAT

Das Schauspieler-Ehepaar Eva Scheurer und Rudolf Kowalski wohnen mit ihrer Tochter Milena seit zwölf Jahren in Sankt Augustin. Mit Eva Scheurer sprachen Ann-Katrin Johann und Lisa Möllinger. KLASSE: Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen? EVA SCHEURER: Es war schon immer mein Traum, etwas am Theater zu machen. Eigentlich wollte ich Tänzerin werden, aber meine Eltern hatten etwas dagegen. Wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte, dann hätte ich mir auch den Beruf der Musik- oder Tanzpädagogin, etwas in der Richtung, vorstellen können. KLASSE: Haben Sie Vorbilder? SCHEURER: Ja, mein Großvater hat mich mal in das Züricher Opernhaus eingeladen. Wir haben Rudolf Nurejew und seine Tanzgruppe gesehen. Die fand ich damals ganz toll. Schauspieler mit Leidenschaft finde ich sehr beeindruckend. Robert de Niro zum Beispiel, der für eine Rolle 20 Kilogramm zunimmt. KLASSE: Wie sieht die Ausbildung aus? SCHEURER: Ich war drei Jahre an der Schauspielschule in Zürich, wo ich ein richtiges Handwerk erlernte. Das bedeutet: Atemschule, Körperschule, Ausdruckstanz, Ballett, Fechten, Clownschule, Gesangsausbildung, Haltungsschule, Kostümkunde, Geschichte, Stimmbildung, Sprechtechnik, Rollenstudium. Dann gibt es noch eine Abschlussprüfung und ein praktisches Jahr. Insgesamt braucht man Talent, das Handwerk und viel Glück. KLASSE: Gibt es auch Schattenseiten in Ihrem Beruf? SCHEURER: Ja, klar. Man muss manchmal Rollen spielen, die einem nicht gefallen und keinen Spaß machen. Du bist viel unterwegs und hast wenig Zeit für die Familie. Man muss sich zwischen Familie und Beruf entscheiden. KLASSE: Was macht in Ihrem Beruf besonders Spaß? SCHEURER: Ich darf alles spielen - mit tollen Kostümen, verschiedenen Perücken und Masken. Ich kann verschiedene Charakter darstellen: Politikerinnen oder Frauen, denen es schlecht geht. Das macht schon viel Spaß. KLASSE: Was war das Spannendste und Aufregendste, was Sie je gemacht haben? SCHEURER: Das Spannendste war der Dreh zur Krimiserie "Doppelter Einsatz" in Hamburg. Da kamen wir an Orte, die man sonst nicht sieht. Aber das Aufregendste war eine Lesung mit meinem Mann in einer Synagoge. Nach de Lesung war es totenstill, aber als wir später am Ausgang vorbei gingen, sahen wir die Zuschauer raus kommen, und sie haben alle geweint. Es hat uns sehr beeindruckt, die Leute so tief und unmittelbar berührt zu haben. KLASSE: Gibt es einen Unterschied zwischen Theater und Film? SCHEURER: Das ist ein riesengroßer Unterschied. Beim Theater gibt es sechs bis acht Wochen Probezeit für ein Stück, jeden Tag acht Stunden. Durchs Ausprobieren wird eine Szene gut. Man ist sehr kreativ. Beim Film muss der Schauspieler alles zu Hause machen, und wenn er ans Set kommt, muss er alles parat haben und darf möglichst wenig Fehler machen, denn Zeit ist Geld. Theater ist immer live, da kann man nicht wie beim Film sagen ¯Können wir das noch mal machen?® Beim Theater geht es einfach weiter. KLASSE: Was zieht eine Schauspieler-Familie nach Sankt Augustin? SCHEURER: Es ist schön, an einem Ort zu leben, wo alles normal ist. Das Umfeld stimmt einfach, vor allem für ein Kind. KLASSE: Haben Sie noch Träume und Ziele? SCHEURER: Ich würde gerne mehr Theater spielen oder ein ganz eigenes Projekt machen. Eine eigene Geschichte von Anfang an schreiben und dann auch selber Regie führen. So dass das ganze Kind in meinen Händen ist. KLASSE: Wann können wir Sie das nächste Mal im Theater oder Fernsehen sehen? SCHEURER: Weiß nicht genau. Ich habe in einer der neuen Folgen von "Edel und Stark" mitgespielt. Die müsste bald zu sehen sein. Und in dem Film "Dilemma" bin ich auch zu sehen. Man weiß nie genau, wann die Serien und Filme im Fernsehen gespielt werden. Rhein-Sieg-Gymnasium

Sankt Augustin, Klasse 7 d

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