Mal lästig, mal notwendig, mal gefährlich

Mal lästig, mal notwendig, mal gefährlich

Jens Soentgen und Knut Völzke zeigen im Wissenschaftszentrum Bonn, wie vielseitig Staub ist

Bonn. Staub. Ist das tatsächlich unser letzter Dreck? Anfang und Ende allen Lebens auf Erden, wie schon die Bibel sagt? Gegner aller Hausfrauen, Feinmechaniker und Allergiker? Schwerkraft spielt für ihn kaum eine Rolle.

Er fliegt auf Oberflächen und die Natur wäre ohne ihn um vieles ärmer. Um wie viel, zeigt die Ausstellung "Staub - Spiegel der Umwelt" im Foyer des Wissenschaftszentrums: Konzipiert haben sie Jens Soentgen, Leiter des Wissenschaftszentrums Umwelt (WZU) der Uni Augsburg, und Knut Völzke, Designer aus Frankfurt.

Sie ist Auftakt zur Reihe "Stoffgeschichten", die das WZU voraussichtlich 2008 mit dem Thema "CO2" fortsetzen wird. Um etwas so Winziges und scheinbar Unattraktives wie Staub ausstellen zu können, haben sich die beiden einiges einfallen lassen. Das beginnt mit dem Staubwirbler, in dem silbrig glänzende Partikelchen ihren eigensinnigen und scheinbar chaotischen Tanz vollführen. Mikroskop-Aufnahmen des Staubs zeigen ihn in all seiner beeindruckenden Vielfalt.

Dazu reihen sich 49 Staubproben natürlicher, kosmischer und industrieller Herkunft in einer Vitrine. Und ein staubfeines Puzzle findet mit allen 100 Teilen auf fünf Quadratmillimetern Platz. Ein Blickfang ist auch der kriminaltechnisch behandelte Fünf-Euro-Schein mit der "Diebesfalle": Jedem, der sich an dem Geld vergreift, beschert sie verräterische, dauerhafte Pigmentflecke.

"Höllenstein" heißt die hier verwendete Substanz unter Chemikern. Auch der Magnetpinsel, mit dem Besucher ihre Fingerabdrücke sichtbar machen können, stammt von der Augsburger Polizei. Ebenso wirkungsvoll wie berührungsempfindlich ist der nebenan zu beobachtende "Lotus-Effekt", wobei sich Staub bei Berührung mit Wasser zu Kügelchen ballt und vom Blatt abperlt.

Viele Pflanzen wie Klee, Gras, Schilf oder die in der Ausstellung stehende Kapuzinerkresse verfügen über diese natürliche Technik. Aber so nützlich er mitunter auch sein mag - die meisten wollen vom Staub nur das eine: ihn loswerden, schnell und gründlich. Zum Beispiel durch die in der Ausstellung gezeigten Staubsauger.

Direkt nebenan informieren drei Kurzfilme den Besucher über Reinigungstechniken, Hausstaubmilben und Allergien sowie eine Staubmess-Station bei Frankfurt. Dass von Menschen hergestellter Staub die Gesundheit schädigt, lässt sich an Filtern nachweisen, die Partikel aus Fahrzeugen, Industrieanlagen und Hausbrand tragen.

Wer sich dagegen vor Blütenstaub in Acht nehmen muss, bekommt mit dem Pollenflugkalender eine Hilfe an die Hand. Dass der Staub sein eigenes Leben führt und das unsrige - mikroskopisch klein und anspruchslos - stetig begleitet, ist also eine Tatsache für sich. Die Ausstellung zeigt, dass es sich durchaus lohnt, einen genaueren Blick in dieses mehr oder weniger erwünschte Parallel-Universum zu riskieren.

"Staub - Spiegel der Umwelt": Bis 12. Januar, Montag bis Freitag 8 bis 19 Uhr, Wissenschaftszentrum, Ahrstraße 45. Am Dienstag, 9. Januar, 19 Uhr, referiert Thomas Stephan (Uni Münster) über "Die Weltraummission “Stardust„".