Sterbehilfe: Klinik-Direktor für Palliativmedizin nimmt Stellung zur Debatte

Sterbehilfe : Klinik-Direktor für Palliativmedizin nimmt Stellung zur Debatte

Aktive Sterbehilfe, das Töten auf Verlangen, ist in Deutschland verboten; Beihilfe zum Suizid, etwa das Überlassen eines tödlichen Medikaments, ist aber straffrei. 2011 hat der Ärztetag das Berufsrecht verschärft: Deutschen Medizinern ist es demnach verboten, beim Suizid zu assistieren. Und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe plant, auch per Gesetz jede Form der Suizidhilfe zu verbieten.

In der Bevölkerung scheint jedoch eine andere Meinung vorzuherrschen. In einer repräsentativen Forsa-Studie sprachen sich mehr als zwei Drittel der Befragten für aktive Sterbehilfe aus. 70 Prozent möchten bei einer schweren Erkrankung die Möglichkeit haben, auf ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung zurückzugreifen, teilte jüngst die Krankenkasse DAK Gesundheit mit, die die Studie in Auftrag gegeben hatte.

Auf einem anderen Blatt steht die passive Sterbehilfe, betont Palliativmediziner Radbruch. Im Rahmen der Sterbehilfe könne jede Therapie beendet oder darauf verzichtet werden, wenn der Patient das wolle, erklärt er. "Damit hat in den letzten 20 Jahren die Palliativmedizin ständig dafür gekämpft, dass Patienten die passive Sterbehilfe nutzen können, wenn sie dies wollen", sagt er. Nur wenige Patienten äußerten den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe, berichtet Radbruch. "Ein Teil davon rückt schnell davon ab, wenn sie über die Alternativen informiert worden sind." Für andere sei es wichtig, dass ihr Wunsch nach aktiver Sterbehilfe ernst genommen und akzeptiert werde, "ohne dass er in die Tat umgesetzt werden muss. Nur einzelne Patienten bleiben bei dem klaren Wunsch."

Oft verberge sich hinter der Frage nach Sterbehilfe "ein dringender Ruf nach Gesprächen und Hilfe, manchmal auch ein wichtiges Ventil für die Hilflosigkeit, ohne dass die Patienten wirklich aktive Sterbehilfe wollen". Er als Arzt habe sich klar entschieden, auf keinen Fall aktiv Sterbehilfe zu leisten, sagt Radbruch. "Dies hängt mit meinem Selbstverständnis zusammen: Ich bin Arzt geworden, um Leiden zu lindern, nicht um Leben zu beenden."

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