Ist die Wahl schlicht egal?

Kommentar

Das Interesse am Studierendenparlament und den Gremien der Bonner Alma mater schwindet wieder - auf noch niedrigeres Niveau. Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zum Vorjahr um ein auf 16,6 Prozent gesunken. Nur jeder sechste Student ging also zur Urne - sprich 6 255 von 37 844 Wahlberechtigten. Damit ist der bescheidene, aber erfreuliche Aufwärtstrend der vergangenen zwei Jahre wieder zunichte gemacht.

Ist die Wahl zur Studierendenvertretung schlicht egal? Sind die Studierenden vorrangig am Berufseinstieg und immer weniger am Schicksal ihrer "Ausbildungsstätten" interessiert? Oder wird das Studierendenparlament als überflüssig wahrgenommen? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Doch dass die Wahlbeteiligung gerade im Vorfeld gravierender Einschnitte einbricht, gibt zu denken.

Schließlich sollen demnächst für Langzeit-, Zweit- und Seniorstudenten Studiengebühren eingeführt werden, die Universität muss noch mehr als zwanzig Stellen streichen, und angesichts der Vorgaben durch das Ministerium hinsichtlich Umbau zum Bachelor-Master-System und zum Hochschulkonzept 2010 ist die Fächervielfalt bedroht. Das sind eigentlich alles gute Gründe, den "Aufwand der Wahl" in Kauf zu nehmen - auch wenn die Einflussmöglichkeiten der Studenten gering erscheinen.

Eine zentrale Vertretung ist unverzichtbar, wenn die Studenten ein Wörtchen bei der unausweichlichen Umstrukturierung der Alma mater mitreden wollen. Schließlich sitzen sie nicht nur im Studierendenparlament, das vergleichsweise nur über bescheidene Kompetenzen verfügt, sondern auch in Gremien, die über die wichtigen Fragen hinsichtlich der Zukunft der Universität entscheiden. Dort können die Studenten ihre Interessen vertreten. Diese Stimmen wögen schwerer, wenn mehr an der Wahl teilgenommen hätten.

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