Bonner Forscher: Hoffnung auf die Einheits-Impfung gegen Mers

Bonner Forscher : Hoffnung auf die Einheits-Impfung gegen Mers

Im Kampf gegen die "Mers"-Krankheit gibt es Hoffnung: Möglicherweise reicht ein einziger Impfstoff, um alle derzeit bekannten Varianten des Virus zu bekämpfen. Eine neue Studie unter maßgeblicher Beteiligung der Uniklinik Bonn deutet darauf hin.

Der Erreger von "Mers", der "Atemwegserkrankung aus dem Nahen Osten" ("Middle East Respiratory Syndrome") trat ursprünglich vor allem auf der arabischen Halbinsel auf; jüngst gab es aber auch eine Erkrankungswelle in Südkorea. Weltweit wurden bislang 23 Varianten des Virus entdeckt (20 im Rahmen der aktuellen Studie). Gemeinsam mit Experten vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) nahmen Forscher am Universitätsklinikum Bonn drei Varianten der "Hauptlinien" unter die Lupe: Sie brachten die Viren mit Blutserum von Patienten zusammen, die eine Mers-Infektion überstanden hatten. Ergebnis: Die Antikörper im Blutserum machten allen drei Varianten effizient den Garaus.

"Das ist vor allem für die Entwickler von Impfstoffen eine gute Nachricht", erklärt Dr. Doreen Muth (Bonn), Erstautorin der Studie. "Sie müssen nicht befürchten, dass ein von ihnen entwickeltes Vakzin nur gegen eine bestimmte Virus-Linie hilft." Zudem interessiert sich die Fachwelt für die Studie, weil es nicht einfach ist, Mers-Viren im Labor zu züchten: Die bislang benutzte Methode an Körperzellen von Affen ist wenig effizient. Für die neue Untersuchung benutzten die Forscher hingegen zusätzlich menschliche Darmzellen - mit viel besserem Erfolg.

Das Team konnte zudem nachweisen, dass das Immunsystem nach einer Infektion Antikörper in die Atemwegs-Sekrete abgibt. Nase und Bronchien sind Haupt- "Einfallpforte" für die Viren; die Antikörper dort schützen also besonders stark. Allerdings entsteht dieser Schutz erst im Laufe einer Infektion oder nach einer Impfung. Wenn das Virus den Körper unvorbereitet trifft, ist es dagegen höchst gefährlich.

Experten glauben inzwischen allerdings, dass Mers oft nur leicht verläuft und unbemerkt bleibt. Auch sei das Virus nicht sehr infektiös; bisherige Erkrankungswellen lagen wohl unter anderem an schlechter Klinikhygiene.

Publikation: Journal of Clinical Microbiology, DOI: 10.1128/ JCM.01368-15

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