Uniklinik in Bonn: Herz-OP bei Edwin N. wurde live bei Ärztekongress übertragen

Uniklinik in Bonn : Herz-OP bei Edwin N. wurde live bei Ärztekongress übertragen

Edwin N. hat zunehmend unter einem Herzfehler gelitten. Eine Operation unter Einsatz der Herzlungenmaschine war für den 80-Jährigen allerdings zu risikoreich, stellten die Kardiologen am Universitätsklinikum Bonn fest. So ließen sie sich eine spezielle, neue Lösung mit Zugangsweg über die Vene einfallen.

"Mit einem schonenden Eingriff mittels Katheter setzten sie in den bereits implantierten Mitralklappenring jetzt eine neue Herzklappe ein", teilt die Pressestelle der Uni mit. Weltweit führende Herzspezialisten waren anlässlich eines Kongresses in Rom per Satellit zugeschaltet.

Neben anderen neuen Techniken zur Behandlung schwerwiegender Herzfehler steht dieser Eingriff nun auch auf dem Bonner Cardiosymposium am Freitag und Samstag, 22. und 23. Februar, zur Diskussion.

Die Ausgangslage: Gehen und Atmen fiel Edwin N. zunehmend schwer. Bereits vor sechs Jahren stellten Ärzte seine Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer in einer großen Operation wieder her. Dazu nähten sie unter anderem dort einen sogenannten Mitralklappenring ein. Doch jetzt war seine rekonstruierte Mitralklappe (eine der vier Klappen des Herzens) aufgrund von Verkalkungen stark verengt und erneut undicht geworden.

Trotzdem mühte Edwin N. sich mit einer fahrbaren Gehilfe den Krankenhausflur auf und ab. "Damit ich wieder stärker werde. Ich hoffe, dass es mir nach dem Eingriff besser geht", sagte er. Für ältere und bereits stark geschwächte Patienten ist das Risiko bei einem großen herzchirurgischen Eingriff viel zu hoch, so die Uni.

"Doch unsere wenig belastenden Behandlungsmöglichkeiten im Herzkatheterlabor sind heutzutage beeindruckend", sagt Professor Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II der Uniklinik. "Solche Eingriffe sind vor allem bei der Korrektur von Herzklappenfehlern technologisch sehr anspruchsvoll und erfordern viel Erfahrung."

Das Team um Nickenig schlug dem 80-Jährigen vor, die undichte und verengte Mitralklappe mit einer Herzklappe zu rekonstruieren, "die normalerweise als Aortenklappenprothese eingesetzt wird". Dieser Klappenersatz sei eigentlich zu klein für die Mitralklappe, doch sie passte bei Edwin N. aufgrund des eingenähten Klappenrings.

"Der künstliche Ring war der Rahmen für die Herzklappenprothese", sagt Privatdozent und Oberarzt Christoph Hammerstingl. So führte das Bonner Team mittels Katheter ein zusammengefaltetes Metallgeflecht, in das die künstliche Aortenklappe eingenäht ist, über die Leistenvene bis zum rechten Herzen.

An der Mitralklappe angekommen, brachten sie die Prothese vorsichtig in die optimale Position. Die künstliche Klappe entfaltete sich. "Das Herz unseres Patienten kann jetzt wieder normal arbeiten. In dieser Art stellt der Eingriff eine absolut neue Behandlungsmethode dar", sagt Nickenig. Bereits am nächsten Tag konnte Edwin N. schon wieder viel besser atmen, so die Uni.

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