Runde Tausendfüßler: Gerade erst entdeckt, schon bedroht

Runde Tausendfüßler : Gerade erst entdeckt, schon bedroht

Bonner Forscher haben in Madagaskar sieben neue Arten zirpender Riesenkugler gefunden.

Sie gehören zu den "Kleinen Kugeltieren", besitzen unter den Tausendfüßern die größten Zirporgane, wurden von Bonner Forschern in Madagaskar gerade entdeckt - und sind sogleich in ihrer Existenz bedroht: Ein internationales Team von Wissenschaftlern um Dr. Thomas Wesener vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn, Dr. Daniel Le vom Field Museum in Chicago und Dr. Stephanie Loria vom American Museum of Natural History in New York machte nun sieben neue Arten der sogenannten zirpenden Riesenkugler aus.

Die größte der jetzt entdeckten Arten misst etwas mehr als ein Tischtennisball, ihre Zirporgane benutzen die Tiere während der Paarung, vermuten die Wissenschaftler. Die Besonderheit der meisten nun entdeckten zirpenden Riesenkugler: Sie sind Mikroendemiten. Das heißt, sie leben lediglich in kleinen Waldstücken, die häufig nur wenige hundert Meter lang und breit sind.

Der Lavasoa-Kugler etwa kommt ausschließlich auf den Lavasoa-Bergen vor, einem isolierten Regenwaldrest von 100 Hektar Größe - berühmt, weil dort bereits ein Großskorpion und ein Lemur entdeckt wurden.

Sphaeromimus saintelucei heißt einer der jetzt entdeckten Tausendfüßer Madagaskars. Er lebt im Küstenregenwald von Sainte Luce, ebenso wie - nicht weit entfernt - die ebenfalls jetzt erstmals erfasste Art Spheromimus splendidus.

Beide Tausendfüßer, so die Forscher, sind jedoch durch ein milliardenschweres Titanium-Tagebauprojekt bedroht. Eines der beiden Waldstücke wolle die Minenagentur als sogenannte Reservatzone bewahren. Die Folge: Eine der beiden mikroendemischen Arten wird voraussichtlich überleben, die andere dann aber zwangsläufig aussterben.

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