Fünf Jahre verständliche Wissenschaft

Nachdem der Standort für das Deutsche Museum in Bonn gesichert ist, setzt die neue Leiterin Andrea Niehaus weiter auf Dialog zwischen Forschung und Publikum

Bonn. Wenn es ums Alter geht, kaschiert mancher das ganz gerne. Doch nicht jeder hat dafür so praktische Gründe wie das Deutsche Museum Bonn (DMB). In dem Haus, das den Besucher als erstes in Deutschland in die Welt von Forschung und Technik nach 1945 mit nimmt, sei im vergangenen Jahr so viel los gewesen, das man nicht auch noch hätte feiern können, erklärt sein bisheriger Direktor Peter Frieß.

Also nimmt man nun das Jubiläum des Wissenschaftszentrums, in dessen Keller das DMB untergebracht ist, zum Anlass, um am 13. Mai den fünften Geburtstag vom vergangenen November nach zu feiern.

Zudem gibt es inzwischen noch mehr Grund zu jubeln: Der Standort Bonn ist für das Museum gesichert, wie Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann - wie berichtet - vergangene Woche mit ihrer Unterschrift unter einen Vertrag besiegelte, der die Übernahme der gut eine Million jährlichen Betriebs- und Personalkosten über das Jahr 2003 hinaus garantiert.

Forschung und Technik - das klingt für viele dröge. Hauptziel des DMB sei es, "Wissenschaft so verständlich darzustellen, dass junge Leute sich ihr widmen wollen", sagt Frieß, der das Museum von 92 bis 95 aufgebaut und bis Ende März geleitet hat. Seine Nachfolge tritt nun seine bisherige Stellvertreterin Andrea Niehaus an.

Um zu zeigen, wie spannend Atomphysik und Zuse-Computer sein können, haben Frieß und sein kleines Team gerne Gäste wie den Astronauten Ulf Merbold, Nobelpreisträger wie Klaus von Klitzing oder moderne "Daniel Düsentriebe" wie Arthur Fischer (Fischer-Technik) nach Bonn geholt.

Das Museum setzt auf Dialog, sowohl in seiner Dauerausstellung, wo sich der Besucher auch mal von den Tagesthemen-Moderatoren Sabine Christiansen und Ulrich Wickert Erläuterungen geben lassen kann, als auch beim "TechnikDialog", bei dem Experten verschiedener Disziplinen über Fragen wie den Zweck von Grundlagenforschung diskutierten. Als Publikumsmagnet hat sich "Wissenschaft live" erwiesen, eine Sendung, bei der die Besucher die Fragen stellen. Dabei gaben Forscher im Museum und bei Live-Schaltungen in ihre Institute - oder auch mal zur Raumstation MIR - Einblick in ihre Arbeit, eine Schülergruppe demonstrierte Experimente zum Thema - wie dem genetischen Fingerabdruck oder Kunstrestauration -, WDR-Moderator Ranga Yogeshwar moderierte und der TV-Sender Phönix übertrug.

Trotz großen Besucherandrangs wird das Konzept von "Wissenschaft live" momentan modernisiert. "Man muss immer wieder Neues bieten", meint Frieß. Enge Fachgrenzen überwinden ist ein weiteres Merkmal des Programms. So zeigte die Reihe "Art & Brain" mit Kunstwerken zum Thema Gehirnforschung die musische Seite von Wissenschaft - und stellte ihren Wahrheitsanspruch in Frage.

Wenn es im Jahr 1999 im DMB viel um Atomphysik ging, dann redete auch ein Germanist über die Atomphysik in der Literatur. In einer Hinsicht profitiert der Bonner Ableger von seinem Mutterhaus: Immer wieder zeigt es "Meisterwerke" aus dem Deutschen Museum in München wie das Zeiss-Planetarium auch hier in Bonn, was bei den "Magdeburger Halbkugeln" sogar auf dem Münsterplatz geschah.

Bislang größtes Projekt des Museums war die gemeinsam mit der Smithsonian Institution in Washington D.C. konzipierte Ausstellung "100 Jahre Nobelpreis", die Ende April in Washington eröffnet worden ist. Wer sie anschauen will, bevor sie im Frühjahr 2002 nach Bonn kommt, hat dazu im Internet unter www.nofestibel.com Gelegenheit.

Der Erfolg von Museen wird gerne in Besucherzahlen gemessen. Da kann sich der Bonner Ableger des Deutschen Museums in München sehen lassen: Fanden 1996 rund 30 000 Neugierige den Weg in die Ahrstraße, so waren es zwei Jahre später schon an die 60 000.

Mit Sonderausstellungen wie "La Specola" lockte das Museum 2000 mehr als 130 000 Gäste an, und finanzierte sich zu 71 Prozent selbst. Dabei ist es ganz schön weit ab vom Schuss, wie die Museumsleute nicht müde werden zu betonen. Zwar konnten sie inzwischen erreichen, zur Bonner Museumsmeile zu gehören. Doch Verhandlungen mit der Stadt, um vom Norden Godesbergs an einen zentraleren Standort in Bonn zu wechseln, scheiterten am leeren Stadtsäckel.

Doch neben Quantität zählt immer auch Qualität, und da erweise sich das Haus als ein "Juwel in der Bonner Museumslandschaft", wie OB Dieckmann es ausdrückte. Träger des Hauses sind das Land Nordrhein-Westfalen, der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft sowie die Stadt Bonn.

Informationen gibt es im Internet unter www.deutsches-museum.de