Eine Brücke zwischen Uni und Unternehmen

Eine Brücke zwischen Uni und Unternehmen

Stipendiaten der Telekom-Stiftung machen erste Erfahrungen in Konzernen - Ausgewählte Führungskräfte ermöglichen Einblicke in ihre Arbeit, geben Tipps und beraten bei Karrierefragen

Bonn. Zwischen Universitäten und Unternehmen liegen manchmal Welten. Während es an den Hochschulen häufig darum geht, grundlegende Fragen wissenschaftlich möglichst elegant zu beantworten, tickt die Wirtschaft anders. "Wie lässt sich aus einer Idee möglichst gewinnbringend ein marktreifes Produkt kreieren?", lautet in den Entwicklungsabteilungen der Konzerne die Frage. Mentoring kann zwischen den beiden Kulturen eine Brücke bauen und den Einstieg in eine Karriere bei einem Unternehmen für Nachwuchswissenschaftler erleichtern.

Eine erfahrene Führungskraft fungiert dabei als Ratgeber (Mentor) und berät eine viel versprechende Nachwuchskraft in allen wichtigen Karrierefragen. Die Deutsche Telekom Stiftung in Bonn vermittelt ihren Stipendiaten ebenfalls Mentoren in Unternehmen - quasi als "Sahnehäubchen" zur finanziellen Förderung obendrauf. "Das Mentoring soll den Einstieg von der Hochschule in die Industrie erleichtern", sagt Klaus-Jürgen Krath, verantwortlich für Funknetze bei T-Mobile in Bonn-Beuel. Tipps und Hilfestellungen stünden im Mittelpunkt.

"Durch das Mentoring-Programm erhalten Stipendiaten Einblicke in Unternehmensabläufe", sagt Krath. Fast zwei Jahre lang hat er die Elektro-Ingenieurin Christiane Kuhnert als Mentor begleitet, die am Institut für Höchstfrequenztechnik und Elektronik der TU Karlsruhe promoviert hat. "Die Stipendiaten sind brillante Wissenschaftler", sagt Krath.

Das Zusammentreffen des Tandems war ein Glücksfall: Die Forschungsgebiete des Mentors und der Stipendiatin sind eng verwandt. "Deshalb konnten wir auch fachlich sehr gut miteinander diskutieren." Kuhnert durfte auch an Treffen mit T-Mobile-Ingenieuren aus dem Ausland teilnehmen. "Internationale Zusammenarbeit ist heute gang und gäbe. Da muss man sich als Berufseinsteiger darauf einstellen", meint der Mentor.

"Das Programm hat den Praxisschock mit verhindert", berichtet Kuhnert. Allerdings hat sie als Elektro-Ingenieurin sowieso viel mehr Praxisbezug als manch anderer Hochschulstudent. Manchmal konnte Krath auch in praktischen Dingen helfen, wenn es etwa um die Nutzung von Messapparaturen oder den Zugang zu Daten ging. "Außerdem können die Mentoren mit ihrem Erfahrungsschatz beraten, bei welchen Kongressen sich eine Teilnahme lohnt oder auf was es bei Bewerbungen und Präsentationen ankommt", erläutert Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Telekom-Stiftung.

"Ich bekam auch eine Einschätzung über meine Stärken", berichtet die ehemalige Stipendiatin. Kuhnert werden ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten bescheinigt - etwa Sachverhalte verständlich zu erklären. "Das liefert eine Grundlage für den beruflichen Erfolg." Regelmäßig treffen sich auch die Stipendiaten untereinander mit ihren Mentoren, um sich gegenseitig ihre Projekte vorzustellen und Erfahrungen auszutauschen. "Durch die fachübergreifenden Diskussionen in diesen Netzwerken werden neue Ideen angestoßen", berichtet Kuhnert.

Beide Seiten profitieren von dem Mentoringprogramm. "Wir möchten den Kontakt zu den Hochschulen intensivieren. Es gibt dort ein Potenzial wissenschaftlicher Ideen, das noch stärker genutzt werden muss", sagt Krath. Das Programm zwinge ihn darüber hinaus, über sein eigenes Handeln nachzudenken, bevor er seine Erfahrungen weitergeben könne. "Das bringt einen auch selbst weiter."

Kuhnert hingegen freut sich über wertvolle Einblicke in die Arbeits- und Denkweise in einem Konzern. "Jetzt weiß ich, auf was in einem Unternehmen Wert gelegt wird: Forschung darf kein Selbstzweck sein, die Anwendung steht im Mittelpunkt", sagt sie. "Das lernt man an der Universität nur begrenzt." Besonders interessierte sie sich dafür, wie eine Idee zu einem marktfähigen Produkt umgesetzt wird. "Es reicht nicht allein zu wissen, wie das technisch möglich ist. Letztlich kommt es auch auf die Kosten an - etwa auch für die Qualitätskontrolle bei der Entwicklung eines neuen Mobiltelefons."

Kuhnert hat ihr Stipendium inzwischen beendet. Seit Oktober arbeitet sie bei der Bosch GmbH Stuttgart in der Forschungsabteilung. Das Mentoring-Programm habe dazu beigetragen, sie für den Einstieg in ein Unternehmen vorzubereiten. "Das hat mir sehr geholfen. Ich kann mir durchaus vorstellen, mich selbst einmal als Mentorin zu engagieren."

Informationen zum Stipendienprogramm der Deutschen Telekom Stiftung unter www.telekom-stiftung.de