Die rätselhafte molekulare Werkstatt der Natur

Die rätselhafte molekulare Werkstatt der Natur

Bonner Forscher wollen Lebensvorgänge entschlüsseln

Bonn. Sie gibt Einblick in die Werkstatt der Natur: die Entschlüsselung der genetischen Mechanismen, die Entwicklungsprozesse regulieren. An der Universität Bonn widmet sich LIMES, eine interdisziplinäre Gruppe neuberufener Professoren, dem faszinierenden Thema der "Schlüsselgene", die über Artengrenzen hinweg die Bildung der Gewebe und Organe des Körpers steuern. "Das bedeutet, dass wir aus der Taufliege Drosophila für den Menschen lernen können", sagt Professor Michael Hoch, Direktor der Abteilung Entwicklungsbiologie und Gründer von "Li(fe and) Me(dical) S(ciences Bonn)".

Untersuchungsansatz bei der Entschlüsselung von Hirn-Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer ist, ihre genetischen, biochemischen und zellbiologischen Grundlagen im "Modellsystem Drosophila" zu entschlüsseln. Limes, das lateinische Wort für "Grenze" macht deutlich, dass gerade auf den Grenzgebieten zwischen Naturwissenschaft und Medizin Erkenntnisse zu erwarten sind.

Mitglieder von LIMES sind neben Hoch der frischgebackene Leibniz-Preisträger Michael Famulok (Bioorganische Chemie) und Christa Müller (Pharmazeutische Chemie) mit ihren Arbeitsgruppen sowie Thomas M. Magin (Genetik), Karl Schilling (Anatomie und Zellbiologie), Volkmar Gieselmann (Physiologische Chemie) und Dieter Swandulla (Molekulare Physiologie).

Außerdem laufen Berufungsverhandlungen mit einem Physiologen vom Münchner Genzentrum. LIMES versteht sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Bonner Forschergruppen, sondern sucht diese zu ergänzen. Zudem hat der Verbund schon einiges erreicht: Eine Forschergruppe untersucht bei Fliege und Maus die Zelldifferenzierung sowie die Gewebe- und Organentwicklung. Daraus soll ein Sonderforschungsbereich erwachsen.

Famulok hat ein Graduiertenkolleg beantragt, in dem Nachwuchswissenschaftler zusammenarbeiten können. Und möglichst schon zum Wintersemester 2002/03 möchte LIMES einen internationalen biomedizinischen Studiengang "Molekulare Biomedizin/ Life and Medical Sciences Bonn" einrichten: Derartiges gibt es bislang bundesweit nur in Heidelberg, Würzburg und München.

Der Schwung ist da, doch kämpfen die Forscher auch mit der räumlichen Zersplitterung ihrer Institute sowie der alten Gebäudesubstanz, die den Einbau neuer Labors erschwert. Zwar bekam Hochs Abteilung auf 200 Quadratmetern hochmoderne Laborräume. Famulok hingegen sucht seit zwei Jahren Räume, wo Labors mit dem notwendigen Sicherheitsstandard eingerichtet werden können.

LIMES-Ziel ist deshalb der Neubau eines interdisziplinären Zentrums, das die Arbeitsgruppen unter einem Dach zusammenführen soll. Hoch: "Dies würde gerade im anstehenden Generationenwechsel die Berufung erstklassiger Wissenschaftler erheblich erleichtern."